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«Adoptiert einen Park»: Brasilien reagiert auf internationale Kritik an Regenwald-Zerstörung
Aus SRF 4 News aktuell vom 11.02.2021.
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Schlechtes Umwelt-Image Brasilien will den Schutz des Regenwalds privatisieren

«Adoptiert einen Park»: Die Regierung Bolsonaro möchte Firmen und Privatpersonen zum Schutz des Regenwalds einspannen.

Im brasilianischen Amazonas wird zurzeit so viel Regenwald gerodet wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Naturschützer schlagen schon lange Alarm, aber auch die Wirtschaft fürchtet mittlerweile negative Auswirkungen auf das brasilianische Umwelt-Image. Denn internationale Wirtschaftsvertreter machen neue Investitionen in Brasilien zunehmend von Schritten gegen die Zerstörung des Regenwalds abhängig.

Ziel: Image-Korrektur

Mit dem Projekt «Adoptiert einen Park» probt Präsident Jair Bolsonaro jetzt eine Image-Korrektur, nachdem er den staatlichen Umweltschutzbehörden kontinuierlich die Mittel gekürzt und die Ausbeutung der Reichtümer des Amazonas ausdrücklich zum Ziel erklärt hat.

«Der internationale Druck auf die Regierung Bolsonaro ist dermassen gestiegen, dass sie den Schutz des Amazonas privatisieren will», erklärt SRF-Lateinamerika-Korrespondent David Karasek.

Brasilien, Regenwald, Abholzung.
Legende: Indigene Schutzgebiete, welche viel Platz für relativ wenige bieten, sind Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ein Dorn im Auge. Er will auch in diesen Reservaten Gold und Diamanten schürfen und Strom erzeugen können. imago images

Patenschaften gegen Finanzmisere

So können Brasilianer die Patenschaft über eine Hektare Amazonas für umgerechnet acht Franken übernehmen, Ausländer zahlen rund 110 Franken. Insgesamt verspricht sich die Regierung so Einnahmen für die Umweltbehörde von 500 Millionen Franken.

44 Prozent des Amazonasgebiets stehen insgesamt unter Naturschutz. Der Staat ist nicht in der Lage, die Flächen effektiv gegen Eindringlinge, Goldsucher und Viehhalter zu schützen. Zum Teil fehlt gar der Sprit für Kontrollflüge.

Warum gerade jetzt?

Dass das Projekt gerade jetzt lanciert wird, hängt zum einen mit den Aussagen des neuen US-Präsidenten Joe Biden zusammen, eine fortlaufende Umweltzerstörung in Amazonien werde negative Folgen für die brasilianische Wirtschaft haben.

Zum andern möchte Bolsonaro Brasilien zum OECD-Vollmitglied machen. Die Organisation hat die Aufnahme allerdings vor einer Woche vorerst von der Tagesordnung gestrichen – wegen Brasiliens Umweltproblemen.

Kritik und fehlendes Vertrauen

Das Projekt «Adoptiert einen Park» wird scharf kritisiert. So wirft unter anderem Greenpeace Brasilien der Regierung vor, sie schiebe die Verantwortung für den Umweltschutz an die Unternehmen ab.

Umweltminister Ricardo Salles hatte mehrfach zehn Milliarden Dollar jährlich von reichen Ländern gefordert, um den Amazonas zu schützen. Die internationalen Regierungen sind aber zurückhaltend, weil nicht klar ist, wie und wo das Geld eingesetzt wird.

Ähnlich ist es laut Karasek mit dem neuen Patenschaftsprojekt, dessen Mittel direkt an die staatliche Umweltbehörde fliessen sollen. Unternehmen könnten das Geld ja direkt an einschlägige NGOs und Umweltorganisationen geben. Zugleich gäbe es ja eigentlich den von Deutschland und Norwegen finanzierten Amazonas-Fonds. Dessen Mittel liegen allerdings seit Jahren auf Eis, weil es Bolsonaro nicht passt, dass die NGOs im Fonds ein Mitspracherecht haben.

SRF 4 News, 11.02.2021, 06:45 Uhr;

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Alle Regenwälder sind „Systemrelevant“ und gehören streng geschützt. Nicht nur wegen ihres Einflusses auf Wetter und Klima, auch weil in ihnen womöglich Auslöser von verheerenden Pandemien schlummern. Wer weiß, was durch die rigorosen Albholzungen freigesetzt werden kann.
  • Kommentar von Gallus Schlegel  (Hinterfrager)
    Ich habe mit einer kleinen Gruppe einen Teil des Amazonas & Nebenflüsse bereist. Wir wir haben sie gesehen, die riesigen Lastkähne. Voll beladen mit illegal abgeholzten Tropenholz sind sie jeweils frühmorgens den Fluss hinuntergefahren. Diese Reise war vor Bolsonaro, also zur Zeit als die Sozialisten Brasilien regierten. Die Sozialisten hätten 25 Jahre Zeit gehabt, die Abholzung des Regenwaldes zu stoppen. Aber in den 25 Jahren hat die Abholzung nicht ab- sondern drastisch zugenommen.
    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Man soll die Leistung der Vorgänger hinterfragen. Diese haben aber wenigstens nicht wir Bolsonaro zu noch mehr Zerstörung Hand gereicht. Ihr Kommentar scheint mir weniger kritisches Hinterfragen oder Appel zu Umweltschutz als Bashing der politischen Gegenseite unter Schutz der eigenen - in der Hinsicht Umweltschutz nachweislich seit Jahrzehnten schlimmeren - politischen Seite. Den freien Handel (u.a. mit Tropenholz) fördern weltweit nicht die Linken...
    2. Antwort von Martin Hofer  (MartinSurfeu)
      @Hinterfrager : Die Sozialisten, also Lula da Silva, war vom 1. Januar 2003 bis zum 1. Januar 2011 Präsident Brasiliens, Dilma Rousseff vom 1. Januar 2011 bis zum 31. August 2016. Im Klimaschutz hat die Regierung der Arbeiterpartei PT seit 2002 zwar große Erfolge erzielt und die Entwaldung wurde damals deutlich verlangsamt,
      Vorher und Nachher waren in Brasilien alles andere als Sozialisten an der Macht.
  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Ja, den Regenwald kaufen, aber dann hat Bolsonaro auf diesem Teil seines Staatsgebietes nichts mehr zu melden. Ob ihm das gefällt?