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In Italien gilt die Zertifikatspflicht auch für Lehrerinnen und Lehrer
Aus SRF 4 News aktuell vom 03.09.2021.
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Schulen in Italien «Ohne Zertifikat wird eine Lehrkraft nach Hause geschickt»

Seit Mittwoch darf in Italien das gesamte Schulpersonal nur mit dem sogenannten «Green Pass» zur Arbeit kommen. Dieser bestätigt, dass eine Person von Corona genesen, geimpft oder negativ getestet ist, wie das Zertifikat in der Schweiz. Journalist Dominik Straub hat beobachtet, wie diese Regelung aufgenommen wurde.

Dominik Straub

Dominik Straub

Freier Journalist

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Domink Straub ist freier Journalist in Rom und schreibt für verschiedene Tageszeitungen. Davor war er in Bern für eine Tageszeitung tätig.

SRF News: Wie wird die Zertifikatspflicht an den Schulen umgesetzt?

Dominik Straub: Im Moment müssen die Zertifikate noch analog vorgelegt werden. Das Schulministerium plant die Schaffung einer Internetplattform, auf der die Schuldirektoren dann einsehen können, wer ein Zertifikat hat, denn diese Daten sind bei den Gesundheitsbehörden vorhanden. Diese Plattform ist im Moment noch nicht operativ, aber das soll sie in den nächsten ein, zwei Wochen werden.

Generell gesagt: Es ist nicht so, dass im grossen Stil Personal in den Schulen nach Hause geschickt wird.
Autor:

Was passiert mit Personal, das kein solches Zertifikat vorlegt?

Es wird schlicht und einfach nach Hause geschickt. Aber das sind wenige Personen. Meistens sind es gar versehentliche Entscheide: Zum Beispiel wurde jemand nach Hause geschickt, der zwar kein Zertifikat hatte, aber eine Ausnahmegenehmigung vom regionalen Gesundheitsdienst. Generell gesagt: Es ist nicht so, dass im grossen Stil Personal in den Schulen nach Hause geschickt wird.

Italienische Lehrerinnen und Lehrer müssen den Green-Pass haben.
Legende: Italienische Lehrerinnen und Lehrer müssen den Green-Pass haben. Um weiter unterrichten zu dürfen, muss das Lehrpersonal in Italien ein Zertifikat vorweisen können. Keystone

Welche Konsequenzen drohen, wenn jemand längerfristig kein Zertifikat vorweisen kann?

Nach dem fünften Mal in der Schule Erscheinen ohne Zertifikat werden die entsprechenden Lehrpersonen oder sonstigen Angestellten von ihrem Dienst suspendiert und der Lohn wird nicht mehr ausbezahlt.

Der harte Kern der Impfverweigernden bei den Lehrkräften liegt in Italien im einstelligen Prozentbereich.
Autor:

Wie hat das Schulpersonal auf diese Ankündigung reagiert?

Natürlich waren nicht alle begeistert. Insgesamt aber war das Verständnis für die Massnahmen durchaus vorhanden. Es hat nur eine einzige Lehrergewerkschaft Einsprache gegen die Zertifikatspflicht erhoben.

Die Lehrer, die sich nicht impfen lassen wollen, können einfach mit einem negativen Test zum Unterricht erscheinen.
Autor:

Das Verwaltungsgericht von Rom hat diese Beschwerde mit der Begründung abgelehnt, dass ja nicht wirklich eine Impfpflicht bestehe. Die Lehrer, die sich nicht impfen lassen wollen, können einfach mit einem negativen Test zum Unterricht erscheinen. Deshalb halten die Richter die Massnahme für zumutbar und verhältnismässig,

Wie viele Lehrerinnen und Lehrer sind in Italien geimpft?

Es sind 90 Prozent der Lehrer und Lehrerinnen geimpft. Die übrigen 10 Prozent sind nicht alles Impfverweigerer. Zum Teil sind es die Leute, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. So gesehen ist der harte Kern der richtigen Impfverweigernden bei den Lehrkräften im einstelligen Prozentbereich.

In Italien gilt die Zertifikatspflicht unter anderem für den ÖV und für Restaurants. Warum ist das Land auch bei den Schulen so streng?

Man hat festgestellt, nachdem der Präsenzunterricht letzten Oktober wieder eingeführt worden ist, dass die Schulen regelrechte Infektionsherde waren. Man will einfach verhindern, dass ein Kind seine vielleicht noch nicht geimpften Grosseltern ansteckt.

Das Gespräch führte Sandra Witmer.

 

SRF 4 News, 03.09.2021, 08:47 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Siegenthaler  (Sigi1)
    Hackt doch einfach auf Italien rum, das tut dem eigenen Ego doch so gut. Aber bedenkt, Italien hat eine Impfrate von 62 %, Deutschland und Frankreich je 60 %, Österreich liegt bei 57 % und die ach so guten Schweizer bringen es leider nur auf 51 % was weniger ist als Tschechien, Griechenland, Cypern, Irland, Spanien. Also so gut sind wir ja gar nicht, im besten Fall im hinteren Mittelfeld. Aber fühlen tun wir uns wie die Welt eiter.
  • Kommentar von Uwe Frings  (Baggi)
    …falls schweizer Lehrpersonal nur noch Geimpft oder mit Zertifikat zur Arbeit dürfen, können wir uns auf einige Schulschliessungen gefasst machen, denn:
    Ein Grossteil des Lehrpersonals ist weiblich „gut“ gebunden und finanziell unabhängig! Der Lehrermangel ist schon jetzt unübersehbar, da der Beruf stetig unattraktiver wird und die 3G-Regel würde den Rest geben…
  • Kommentar von Beat Stroo  (streatcom)
    ITALIEN?
    Achjah, ist das nicht dieses Land, dessen Gesundheits- und Bildungswesen in den letzten Jahren "vorbildlich" funktioniert hat? (Satire off)