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Schulöffnungen in den USA: «Trump pokert hoch»
Aus HeuteMorgen vom 14.07.2020.
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Schulöffnungen in den USA «Trump pokert hoch»

Die Corona-Fallzahlen in den USA steigen weiter an – und dennoch verlangt Präsident Donald Trump, dass die Schulen im ganzen Land nach den Sommerferien wieder öffnen. Das führt zu kontroversen Diskussionen. Doch Trump will so schnell wie möglich zurück zur Normalität, weil er sonst um seine Wiederwahl bangen muss, sagt SRF-Korrespondent Matthias Kündig.

Matthias Kündig

Matthias Kündig

USA-Korrespondent, SRF

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Matthias Kündig berichtet seit Herbst 2018 aus Miami über die USA, Mexiko, Zentralamerika und die Karibik. Davor war er Produzent beim «Echo der Zeit» und Sonderkorrespondent in Ägypten. Kündig studierte an der Universität Bern Geschichte und Politologie.

SRF News: Warum fordert US-Präsident Donald Trump derart heftig die Öffnung der Schulen?

Matthias Kündig: Präsident Trump hat nur ein Ziel – so schnell wie möglich zurück zur Normalität. Das heisst vor allem, dass die Wirtschaft wieder voll in Gang kommen soll. Das ist aber nur möglich, wenn auch die Schulen wieder zum Normalbetrieb zurückkehren. Denn bleiben sie geschlossen, müssen auch viele Eltern zu Hause bleiben und können nicht zurück an den Arbeitsplatz.

Der Präsident hat nur ein Ziel – so schnell wie möglich zurück zur Normalität.

Bis zum Beginn der Pandemie war die Wirtschaft – und vor allem die tiefe Arbeitslosigkeit – Trumps bestes Argument für eine Wiederwahl. Das ist ihm nun abhandengekommen. Deshalb will er im Herbst mindestens behaupten können, dass es dank ihm wieder rasant aufwärts gehe.

Trump ist also im Wahlkampfmodus. Was aber denken die Schulen und Eltern über eine Schulöffnung – mitten in der Corona-Pandemie?

Im Grundsatz sind sich eigentlich alle einig, dass es wichtig wäre, dass die Kinder wieder zur Schule gehen können. Viele Eltern waren im letzten Quartal schlicht überfordert. Gleichzeitig geht bei vielen Eltern aber auch die Angst um: Was, wenn sich die Kinder in der Schule anstecken und das Virus dann nach Hause bringen?

Gross ist die Angst auch bei den Lehrerinnen und Lehrern.

Gross ist die Angst auch bei den Lehrerinnen und Lehrern. Zum einen fehlt es vielerorts am nötigen Raum, um Social Distancing zu ermöglichen – die Klassenzimmer sind oft zu klein. Zum anderen fehlt es an vielen Schulen auch an Geld, um zusätzliche Schutzmassnahmen einzuführen. Daneben gibt es viele Schulen, in denen es nicht genügend Lavabos gibt, damit sich alle regelmässig die Hände waschen können. Oder die Lüftungssysteme sind derart veraltet, dass sie als Virenschleudern bezeichnet werden müssen.

Geht Trump mit dieser offensiven Öffnungsstrategie nicht auch ein sehr grosses Risiko ein?

Was passiert, wenn die Lockerungen zu früh und zu schnell erfolgen, zeigt sich zurzeit in vielen Bundesstaaten im Süden – in Arizona, in Texas oder in Florida. Da werden täglich Zahlen vermeldet, die vier- bis fünfmal höher sind als im April, als die Bevölkerung zu Hause und das Wirtschaftsleben stark eingeschränkt war.

Präsident Trump pokert hoch. Er versucht um jeden Preis, Optimismus zu verbreiten und greift auch jede und jeden an, die oder der seine Sichtweise nicht teilen oder zur Vorsicht mahnen.

Könnte eine radikale Öffnungsstrategie Trumps Wiederwahl gefährden?

Letztlich ist es entscheidend, wie die Situation rund zwei Wochen vor dem Wahltag aussieht. Herrscht dann Optimismus? Zeigen die Wirtschaftsindikatoren dann nach oben? Entscheidend ist, wer dann auch wirklich zur Urne geht. Derzeit haben die Trump-Wähler davor weniger Angst als seine Gegner.

Das Gespräch führte Barbara Büttner.

Video
Aus dem Archiv: Trump trägt erstmals eine Maske
Aus Tagesschau vom 12.07.2020.
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Heute Morgen, 14.7.2020, 6:00 Uhr;

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60 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Stauffer  (Pfefferschote)
    Trumps Öffnungsstrategie wird erfolgreich sein. Wenns schief geht wird er mit Bestimmtheit Schuldige finden die er zutiefst erniedrigt und sich selbst als Held darstellt.
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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Die Vorstellung vieler Lockdown-Befürworter scheint zu sein, dass unsere Gesellschaft sich zu einer solidarischen umkrempeln lasse oder bereits gewandelt habe. In Wirklichkeit hoffen wir, es werden nur noch einzelne Unternehmen stark von Massnahmen betroffen sein. Diese sollen der Gesamtwirtschaft geopfert werden, reichen die Hilfspakete nicht, haben sie nicht genug gespart. Ginge es nicht wirklich auch um Menschenleben - Existenzen - Lebensträume, wäre uns zu wünschen, es ginge hart auf hart.
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  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    In diesem Zusammenhang ist es noch interessant zu wissen, dass dieser Tage eine neue Studie des Universitätsklinikums Dresden erschien, in der die Wissenschaftler zum folgenden Schluss kommen: "Kinder könnten nicht die Treiber der Corona-Pandemie sein, sondern sogar eher Bremsklötze für das Virus". Es gibt also aus wissenschaftlicher Sicht nicht ein einziges Argument für Schulschliessungen. Auch wenn ich Trump nicht mag muss ich sagen, dass er da für einmal recht hat.
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