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Legende: Audio Die Lage ist so ernst wie noch nie abspielen. Laufzeit 02:35 Minuten.
02:35 min, aus Nachrichten vom 02.06.2019.
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Sicherheitsgipfel in Asien Der Preis für Frieden in Ostasien ist ausgesprochen hoch

Wenigstens in einem Punkt waren sich auf dem Asien-Sicherheitsgipfel alle einig: Die Lage ist so ernst wie noch nie. Die Konfrontation zwischen China und den USA spitzt sich zu. Zwar spricht man noch miteinander und es gibt Ansätze für Kompromisse – doch zu einem hohen Preis.

Ein Sprachbild war auf dem Sicherheitsgipfel in Singapur in aller Munde: Jenes von den zwei Elefanten, die sich auf dem grünen Gras austoben. Das grüne Gras: die Länder Nordost-, Südost- und Südasiens. Die Elefanten: Die USA und China. Damit war auch klargestellt, dass China nicht erst zur zweiten Supermacht wird. Es ist es aus der Sicht der meisten bereits.

China macht die eiserne Faust

Der Elefantenkonflikt löst im indo-pazifischen Raum Sorgen, ja Angst aus. Die USA und China taten wenig, um sie zu zerstreuen. In Washington herrsche über die Parteigrenzen Einigkeit, dass man im Westpazifik und im Indischen Ozean aufrüsten müsse, betonte US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan. Natürlich wegen China, das sich aggressiv eine Vormachtstellung in dieser riesigen Weltgegend sichere – zulasten der anderen Länder von Südkorea über Australien bis Indien.

Der chinesische Verteidigungsminister Wei Fenghe mit einem Übersetzer.
Legende: Der chinesische Verteidigungsminister: «Wir werden bis zum Ende kämpfen». Keystone

Sein Amtskollege aus Peking, Wei Fenghe, wiederum machte klar: Gehe es um seine Souveränität, werde die Volksbefreiungsarmee kämpfen, und zwar «bis zum Ende». Dabei bezeichnet China auch das Südchinesische Meer und Taiwan als seine Hoheitsgebiete, für die es in den Krieg zöge. Obschon ihm völkerrechtlich beides gar nicht gehört. In Peking zieht man also den Samthandschuh aus und macht die eiserne Faust.

China seinen gebührenden Platz zugestehen

Die Lage ist brandgefährlich. Kaum jemand sieht das mehr anders. Was also tun? Die klügsten Ideen kamen ausgerechnet vom Vertreter des kleinsten Landes. Von Singapurs Regierungschef Lee Hsien Loong. Vor allem die USA müssten respektieren, dass Peking nicht noch Jahrzehnte auf seinen gebührenden Platz in der Welt warten wolle. Das bedeute zugleich: China wolle die heutige Weltordnung verändern, da es nicht dabei war, als sie beschlossen wurde.

Konkret: Es braucht neue Regeln in vielen Bereichen: Welthandel, geistiges Eigentum, Völkerrecht, Menschenrechte. Am Ende, das lässt sich aus Lees Worten ableiten, sähe die Welt anders aus, wäre deutlich weniger westlich geprägt. Im Gegenzug müsste sich China an die neuen Regeln halten und Verantwortung übernehmen.

Kontrolle über Seegebiete an China abgeben

Andere gehen noch weiter als der Singapurer: Sie sehen einzig dann eine friedliche Lösung, wenn China die Kontrolle über das Südchinesische Meer und letztlich gar über Taiwan überlassen werde. Völkerrecht hin oder her.

Entwinden könnten die Amerikaner den Chinesen die Seegebiete ohnehin nicht mehr. Es sei denn mit einem gewaltigen Krieg, zu dem sie aber nicht bereit seien. Wobei sich allerdings die Frage stellt: Wenn man China das Südchinesische Meer überliesse, gar Taiwan, was passiert als nächstes? Der Appetit kommt bekanntlich mit dem Essen.

Vorschläge zumeist im Interesse Chinas

Kurz: Was zur Beilegung des Machtkampfes vorgeschlagen wird, liegt grossmehrheitlich im Interesse Chinas. Nicht weil es jetzt schon stärker ist als die USA, aber weil alle davon ausgehen, dass es seine Interessen konsequenter, entschlossener, manche sagen skrupelloser durchsetzt.

Das bedeutet: Ruhe, Frieden und Prosperität in Ostasien liessen sich wiederherstellen. Der Preis dafür ist aber ausgesprochen hoch. Zu hoch wohl – nicht nur aus Washingtoner Sicht.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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