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Legende: Video Robert Mugabe ist tot abspielen. Laufzeit 01:11 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.09.2019.
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Simbabwes Autokrat ist tot «Mugabe galt in den Augen vieler Simbabwer als unsterblich»

Cristina Karrer war oft in Simbabwe und berichtete über Vorgänge in der Mugabe-Diktatur. Ein persönlicher Blick zurück.

Robert Mugabe ist tot. Der Ex-Diktator Simbabwes starb im Alter von 95 Jahren in Singapur. Mugabe regierte das Land von 1987 bis 2017 mit eiserner Hand.

Cristina Karrer hat die Entwicklung von Mugabe in seiner Amtszeit bei zahlreichen Besuchen in Simbabwe mitverfolgt. Nun blickt die SRF-Afrikakorrespondentin auf die Zeit zurück.

Cristina Karrer

Cristina Karrer

Freie Afrika-Korrespondentin

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Cristina Karrer ist freie Publizistin und arbeitet als Afrika-Korrespondentin für SRF. Seit 2001 hat die Afrika-Expertin Simbabwe unzählige Male für Reportagen und Nachrichtenberichte bereist. Zudem lebt die 58-Jährige seit 2002 im südafrikanischen Johannesburg.

«Ich habe ihn nie persönlich kennengelernt, doch sein Foto hing bis zum Herbst 2017 überall – am Flughafen, in jedem Büro, an jedem Grenzübergang. So wie es in Afrika Sitte ist. Mugabes Name wurde mit einer Mischung aus Angst und Verehrung genannt, meist im Flüsterton. Man wusste nie, ob einer seiner Schergen zuhört.

Zudem galt Mugabe in den Augen vieler Simbabwer als unsterblich. Er habe starke Mutis – afrikanische Heilmittel – und werde ständig von einer Schar afrikanischer Zauberer und Heiler begleitet, die dafür sorgten, dass ihm nichts geschehe. Davon waren etliche überzeugt.

Nun, er ist 95 Jahre alt geworden. Ein stattliches Alter, wofür eher die Ärzte in Asien verantwortlich waren als die einheimischen Magier.

Die Hohezeit von Mugabe habe ich nicht miterlebt. Jene Jahre also, in denen er das damalige Rhodesien von den Briten befreite und anfänglich für seine Reformen im Gesundheits- und Erziehungswesen gelobt wurde.

Ich fuhr 2002 erstmals nach Simbabwe, als viele weisse Landbesitzer enteignet worden sind. Damit wurde Mugabe auch im Westen zu einer bekannten Grösse. Er war beinahe so berühmt wie Nelson Mandela. Mugabe gehörte zu den grossen alten Männern Afrikas. Doch im Unterschied zu Mandela stand er im Westen für das Böse, für die unberechenbaren afrikanischen Despoten und für einen Kontinent, wo man als Weisser mit allem rechnen muss.

Im Unterschied zu Mandela stand Mugabe im Westen für das Böse, für die unberechenbaren afrikanischen Despoten.

So sahen es 2002 auch die Schweizer Grossbauern, die um ihr Hab und Gut fürchten mussten. Die Intellektuellen in Simbabwe gingen mit ihnen einig, doch waren sie sich lange in der Minderheit. Sie verloren jede Wahl und Simbabwe wurde immer unzugänglicher für uns Journalisten.

Akkredditierungen gab es keine mehr. Wir filmten heimlich. Immer mehr Simbabwer flüchteten nach Südafrika und kein afrikanischer Präsident äusserte ein kritisches Wort.

Alle waren sie stumm angesichts Verletzungen der Menschenrechte und der dramatischen wirtschaftlichen Situation. Da begriffen wir, dass Mugabe in Afrika eben nicht nur der Böse war, wie bei uns im Westen, sondern auch der einst Gute – ein Chief, ein alter Mann, den man gemäss der Stammesregeln respektiert.

In Afrika war Mugabe nicht nur der Böse, sondern auch der einst Gute – ein Chief, ein alter Mann, den man respektiert.

Kein Wunder, war die Aufregung riesig als es im November 2017 zum Aufstand gegen Mugabe kam. Die Tage in Harare bis zu seinem Rücktritt werde ich nie vergessen. Noch nie fühlte ich mich so frei: keine Polizei, kein Geheimdienst und keine flüsternden Menschen. Nicht einmal die Soldaten und die Panzer machten Angst – es war pure Euphorie.

Cristina Karrer auf einer ihrer Reportagen im afrikanischen Staat Simbabwe.
Legende: Cristina Karrer auf einer ihrer Reportagen im afrikanischen Staat Simbabwe. SRF

Seither kehrte ich mehrmals nach Simbabwe zurück. Wenn wir an der Villa vorbeifuhren, wo Mugabe mit einer Frau nach seinem Abgang wohnte, unterhielten wir uns höchstens über Grace Mugabes Kaufwut. Doch ansonsten war es bereits die Post-Mugabe-Realität, die beschäftigte.

Die Hyperinflation ist zurück, es gibt tagelang weder Wasser noch Elektrizität, und wer gegen die Regierung protestiert, wird genau so unterdrückt wie es zu Zeiten Mugabes der Fall war.

Solange seine Kampf- und Sinnesgenossen an der Macht sind, wird Mugabe auch über seinen Tod hinaus seinen Schatten über das Land werfen.»

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4 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler  (bruggegumper)
    Linke Politik konsequent weitergeführt bis zum Kollaps:
    Alle fleissigen Wohlhabenden enteignen,ihren Reichtum-
    nachdem alle Funktionäre ihr Scherflein mitgenommen haben-
    an die Unterschicht verteilen,bringt Stimmen,dann weitermachen
    bis alle Kassen leer sind.Anschliessend behaupten,die ehemals
    Wohlhabenden seien am Desaster schuld.Wehren sich diese,bringt
    man sie um.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Der waere schon lange vorher gestorben, aber in der Hoelle wollten sie so Einen nicht....
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  • Kommentar von M. Berger  (Mila)
    Interessanter Bericht von Cristina Karrer!

    Ich habe kürzlich von einem Sohn eines ehemaligen Grossgrundbesitzers in Simbabwe gehört, wie seine Familie enteignet wurde.

    Mugabe, einer der vom Freiheitskämpfer zum Despoten mutierte. Wie nah sind die Grenzen, wo es entschieden wird, ob sich ein leidenschaftliches Leben mit Charisma zum Guten oder zum Bösen wendet.
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    1. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      Mugabe hat das Land in den Ruin geführt. Ich konnte das durch mehrer Besuche von Mal zu Mal sehen, wie es schlechter geworden ist. Simbabwe war einst ein Land das sich landwirtschaftlich selber versorgen konnte. Heute ist dem nicht mehr so. Das alles wurde zerstört durch diese unselige Mugabe-Politik. - Sehr typisch für viele Länder in Afrika, wie es da eben auch gelaufen ist.
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