Zum Inhalt springen

Header

Audio
Spionageverdacht bei Kampfjetbeschaffung in Dänemark
Aus Rendez-vous vom 03.12.2020.
abspielen. Laufzeit 03:05 Minuten.
Inhalt

Spionageverdacht in Dänemark USA sollen dänische Kampfjetbeschaffung beeinflusst haben

Der US-Geheimdienst hat laut Medienberichten Druck ausgeübt, damit sich Dänemark für den amerikanischen Jet entscheidet.

Was ist der Hintergrund? Dänemark war vor fünf Jahren in der gleichen Situation wie die Schweiz. Das Land kaufte neue Kampfjets und evaluierte praktisch dieselben Flugzeuge wie heute die Schweiz. Schliesslich entschied sich Dänemark für den F-35-Jet des US-Herstellers Lockheed Martin.

Die dänische Regierung hat im Verlauf dieses Jahres die gesamte Führung des Nachrichtendienstes ausgetauscht.
Autor: Bruno KaufmannSRF-Nordeuropa-Korrespondent

Nun berichten dänische Behörden und Medien von einem brisanten Verdacht: US-Geheimdienste sollen den dänischen Nachrichtendienst beeinflusst haben, sodass die Regierung sich für den amerikanischen Jet entschied.

Was ist dran am Spionageverdacht? «Es ist offensichtlich so viel dran, dass die dänische Regierung im Verlauf dieses Jahres die gesamte Führung des Nachrichtendienstes ausgetauscht hat und eine Untersuchungskommission eingesetzt hat», sagt SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann. Diese Kommission soll den Vorwürfen nun nachgehen und Beweise finden.

Lars Lokke Rasmussen
Legende: Lars Lokke Rasmussen war von 2009 bis 2011 und von 2015 bis 2019 Ministerpräsident von Dänemark. imago images

Wie brisant ist dieser Fall? «Der Fall ist sehr brisant, denn er hängt damit zusammen, wie Dänemark und die USA in den letzten Jahren zusammengearbeitet haben», so Kaufmann. Das Ganze gehe zurück auf den amerikanischen Irak-Feldzug, dem sich Dänemark angeschlossen hatte.

2014 sei bekannt geworden, dass es ein Geheimabkommen zwischen Dänemark und den USA über die Überwachung des Internet- und Telefonverkehrs durch Dänemark gibt. Nach Angaben der dänischen Regierung ist darin eine Klausel, die besagt, dass dänische Quellen nicht angezapft werden sollen. «Jetzt zeigt sich, dass das trotzdem passiert ist.»

Was sind die Konsequenzen? Die grosse Frage sei nun, ob der dänische Geheimdienst die Interessen der USA höher gewichtet hat als die Interessen des dänischen Volkes. Dass ihr die Zusammenarbeit mit den Amerikanern wichtiger gewesen sei, ist denn auch die Kritik der Opposition an der sozialdemokratischen Minderheitenregierung. «Diese sagt natürlich nichts dazu im Moment. Aber es ist klar, dass die Amerikaner in diesen letzten vier, fünf Jahren ganz offensichtlich alle Quellen in Dänemark anzapfen konnten.»

Die schwedische Regierung sagte, dass man den Spionagevorwurf untersuchen wolle.
Autor: Bruno KaufmannSRF-Nordeuropa-Korrespondent

Das zeigen offenbar Whistleblower-Berichte, die der Überwachungsbehörde des dänischen Nachrichtendienstes zugespielt worden sind. Diese Überwachungsbehörde sei selbst wiederum von den USA überwacht worden.

Gibt es internationale Reaktionen? «Ja», sagt Kaufmann, «aber die sind noch verhalten». So gebe es zum Beispiel schon Reaktionen aus Schweden, weil Schweden mit dem Kampfjet Gripen auch bei der Evaluation mit dabei war. «Die schwedische Regierung sagte, dass man den Spionagevorwurf untersuchen wolle und man es sehr kritisch sehe, sollten solche Kanäle der Nachrichtendienste für wirtschaftliche Eigeninteressen ausgenützt werden.»

Rendez-vous, 03.12.2020, 12:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

40 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    @Thomas Hanhart: "Man muss nur ein wenig googeln und man findet entsprechende Detail-Berichte über die massiven Probleme des F-35 auch auf Schweizer Webseiten, ..." Jeder neu entwickelt Kampfjet hat zu Beginn Schwächen. Auf Google ist alles hinterlegt, was einmal war oder nicht (wahr oder Fake). Sie können getrost sein: Im Expertenteam des VBS (war selber in der LW) sind unabhängige Spezialisten (Werkspiloten,Techniker, Analysten usw.), welche den richtigen Jet für unser Land vorschlagen werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von James Nason  (JNa)
    Endlich läuten die Alarmglocken auch in der Schweiz! Welcher Staat war 2013/14 in der Lage, die vertraulichen Telegramme der damaligen schwedischen Botschafter in der Schweiz (Per Thöresson) abzuhören, zu entschlüsseln und den Medien zuzuspielen, um die Gripen-Volksabstimmung negativ zu beeinflussen? Besteht vielleicht die Möglichkeit, dass es sich um den selben Staat handelt, der seine eigene Kampfjets verkaufen will?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    Gab es da nicht einmal einen Skandal, der dem japanischen Ministerpräsidenten den Job kostete (Lockheed-Skandal)?

    Und wer baute den Starfighter? (Lockheed)

    Diese Bude ist sehr erfahren im Umgang mit Politikern…
    Ablehnen den Kommentar ablehnen