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Harter Lockdown für Grossbritannien
Aus Tagesschau vom 05.01.2021.
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Spitäler am Anschlag Selbst Schulen dicht: England und Schottland wieder im Lockdown

Wegen der raschen Ausbreitung der neuen, hoch ansteckenden Corona-Variante ist wieder alles zu. Auch Schulen.

Wenn sich der Premierminister am Montagabend überraschend an die Nation wendet, bedeutet das selten etwas Gutes. Besonders nicht mitten in einer Pandemie.

«Unsere Spitäler kommen an ihre Grenzen. Die Zahl der Todesfälle ist innerhalb einer Woche um ein Fünftel gestiegen. Ich muss Sie deshalb einmal mehr anweisen, zu Hause zu bleiben. Verlassen Sie das Haus nur noch für lebensnotwendige Verrichtungen wie das Einkaufen von Lebensmitteln, Arztbesuche, Covid-Tests oder wenn sie vor häuslicher Gewalt flüchten müssen», sagte Johnson in seiner Ansprache.

Hochansteckende Variante ist schuld

Es ist für die Britinnen und Briten ein Déjà-vu. Noch vor wenigen Tagen brachte die Impfung gegen Covid-19 grosse Hoffnung. Doch die neue, hoch ansteckende Variante des Coronavirus verbreitet sich auf der britischen Insel rapide und dämpft die Euphorie.

Noch am Sonntag hatte Johnson verkündet, Schulschliessungen stünden nicht zur Debatte. Nun hat die Realität den Premierminister einmal mehr überholt.

Lockdown bis mindestens Mitte Februar

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Lockdown bis mindestens Mitte Februar
Legende:Reuters

Neun Monate nach dem ersten Lockdown müssen in England und Schottland Restaurants, Pubs, Sportbetriebe, viele Läden und die Schulen wieder geschlossen bleiben. Kurz vor Johnsons Ansprache hatte sich auch die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon mit ähnlichen Worten an ihr Volk gewandt. Johnson seinerseits erklärte, falls der Zeitplan der Impfungen beibehalten werden könne, sei es möglich, dass Mitte Februar die Beschränkungen gelockert werden könnten. (Agenturen)

Spitäler völlig am Anschlag

Wie die Realität in den britischen Spitälern aussieht, schilderte die Intensiv-Medizinerin Jane Evans gegenüber der BBC. «In den letzten drei Wochen ist die Zahl der Covid-Patienten, die in ein Spital in London eingeliefert wurden, exponentiell gestiegen.»

Immer mehr Patienten müssten intensiv behandelt und beatmet werden. Am letzten Wochenende hätten die Kapazitäten verdoppelt werden müssen, um alle Patienten behandeln zu können, so Evans weiter. Allein am Montag wurden in Grossbritannien fast 59'000 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet.

Nur einmal impfen, dafür doppelt so viele Menschen?

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Nur einmal impfen, dafür doppelt so viele Menschen?
Legende:Reuters

Weil der Impfstoff knapp ist, will Grossbritannien die zweite Impfdosis statt nach drei erst nach zwölf Wochen verabreichen. Auf diese Weise könnten mehr Menschen mit einer ersten Impfdosis behandelt werden, so die Überlegung. Ob der Impfschutz so aber ausreichend gewährleistet ist, weiss niemand. In der Schweiz auf jeden Fall ist ein solches Vorgehen nicht geplant, wie der Präsident der Schweizerischen Impfkommission, Christoph Berger, klargemacht hat. Man wisse nicht, ob die Impfung so gleich effizient sei, so die Begründung. Auch die US-Arzneimittelbehörde FDA kritisiert das britische Vorgehen. Es gebe keine belastbare wissenschaftliche Grundlage für einen solchen Schritt. Das Vorgehen der Briten bedeute sogar ein signifikantes Risiko für die öffentliche Gesundheit, so die FDA.

Viele britische Spitäler melden, ihre Intensivpflegebetten seien zu 90 Prozent belegt. Nicht-dringende Eingriffe werden längst verschoben. Patienten berichten, dass sie auf Korridoren oder in Ambulanzfahrzeugen warten müssen, bis ein Bett frei wird. Notspitäler werden wieder aufgebaut.

Doch Betten allein genügen nicht. Es fehlt wie in vielen Ländern in erster Linie an Personal, das sich um die Menschen in diesen zusätzlichen Betten kümmern kann.

SRF 4 News, HeuteMorgen vom 5.1.2021, 06.00 Uhr

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    @einige: Wenn eine Studie wie diejenige vom Sommer (noch) keine handfesten Beweise dafür findet, dass Kinder und Jugendliche Treiber der Pandemie sind, kann man nicht automatisch auf das Gegenteil schliessen. So funktioniert Wissenschaft nicht. Vor allem wenn man zum Zeitpunkt der Studie von über der Hälfte der Ansteckungen gar nicht wusste, wo sie geschehen waren, und wenn bei dem hohen Anteil, der sich in der Familie angesteckt hat, das Virus ja auch irgendwoher ausserhalb gekommen sein muss.
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    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Wie funktioniert denn Forschung? Indem man Hypothesen mit geeigneten Beobachtungen und Modellrechnungen untermalt und den Direktweg in die Öffentlichkeitsarbeit sucht? Gäbe man zu, dass es sich hauptsächlich um Sicherheitsmassnahmen aufgrund von Plänen und Vermutungen von Wissenschaftlern und Gesundheitsämtern handelt, für die bestimmte Beobachtungen sprechen, andere dagegen, wäre die Sache für mich gegessen und ich hätte einen ruhigeren Schlaf!
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    2. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Danke für die Antwort, Herr Schlatter. Dass sich eine Pandemie ohne Massnahmen exponentiell verbreitet, ist erwiesen. Modellrechnungen ohne Massnahmen können gar nicht eintreffen, wenn Massnahmen ergriffen werden. Offene Fragen muss man in der Wissenschaft aushalten (und nach Antworten suchen), sonst ist man im falschen Beruf. (Bis Einsteins theoretische Erkenntnisse praktisch nachgewiesen wurden, dauerte es zB lange.) Wir müssen jetzt jeweils nach bestem Wissen nach aktuellem Stand entscheiden.
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    3. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Mein Post drehte sich aber weniger um die Wissenschaft, als um die Bestätigungsfalle (confirmation bias): Man glaubt oder will glauben, dass Kinder das Virus nicht verbreiten und stürzt sich daher auf eine Studie, die zwar keine Beweise für eine Verbreitung findet, aber auch nicht das Gegenteil beweist. Und diesen Beweis bräuchte man wissenschaftlich gesehen für eine klare Antwort auf die Frage. Zurück zu Einstein: Schwarze Löcher haben existiert, bevor sie nachgewiesen wurden.
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    4. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Trotz Ihrer freundlichen Antwort, der ich zustimme, möchte ich kritisch sein: Entgegen dem Eindruck, den einem die Lockdowntheoretiker zu vermitteln suchen, ist Epidemiologie keine Grundlagenphysik. Diese Modelle sind für Verzerrungen extrem anfällig (biologische Systeme). Bei Kindern bin ich besonders empfindlich, weil es gute Gründe bräuchte, sie derart in Mitleidenschaft zu ziehen. Wir wissen noch nicht einmal, ob Asymptomatische ansteckend sind. Neuste Ergebnisse aus China sprechen dagegen.
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    5. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Die neuen Erkenntnisse aus China sind mir unbekannt. Sie haben natürlich recht mit Ihrem Hinweis auf die Komplexität. Aus virologischer Perspektive ist aber zunächst davon auszugehen, dass sich das Virus von Organismus zu Organismus der gleichen Gattung (oder mehr) verbreitet. Es gibt keinen Grund, a priori davon auszugehen, dass ein Teil der Organismen einer Gattung davon ausgeschlossen ist, und nur von einer Verbreitung auszugehen, wenn diese bewiesen ist. Es ist genau umgekehrt.
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    6. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Allerdings stimme ich Ihnen zu, dass man Kinder so gut als möglich vor Massnahmen bewahren soll. Wenn es die Situation zulässt.
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    7. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Lei Luo et al.:

      ,Contact Settings and Risk for Transmission in 3410 Close Contacts of Patients With COVID-19 in Guangzhou, China : A Prospective Cohort Study'
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    8. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Danke!
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  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Habe mit einer Freundin aus London gesprochen. Ihre Ehemann wurde vom Spital angerufen sich von seinem Vater zu verabschieden der sterben muss.
    Der Vater hat Krebs und Coronavirus und es begibt keine Beatmungsgeräte.
    Der behandelnde Arzt hat gemeint dass man bitte nicht geschockt sein soll denn im Spital sehe es aus wie in einer Kriegszone.
    An alle Ignoranten, dies ist die Realität und die Konsequenz, wenn man eine Sache nicht ernst nimmt und das Gesundheitssystem kaputt gespart ist.
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    1. Antwort von Conny Hasler  (conhas)
      @zuber
      so sieht es nicht nur in England aus,sondern auch in vielen Orten in Italien und in vielen andern Ländern auch;aber viele Menschen in unserem Land interessiert es ja nicht,wie es in unseren Spitälern aussieht,resp. wie es unserem Spitalpersonal geht oder dass Hunderte von Personen schon seit Wochen/Monaten auf Grund der vielen hospitalisierten Covid 19 Patienten auf einen OP Termin warten müssen;es wird täglich über unfähige Behörden oder was auch immer gejammert und gemeckert.
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  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Es war Sonntag, der 20.12.2020 als wir von den Beobachtungen erfuhren. Heute haben wir, den 05.01.2021. Damals war das mutierte Virus hauptsächlich im Raum London in Ausbreitung.
    Seit wir davon erfuhren sind 16 Tage vergangen.
    Hat jemand noch Fragen zum Verlauf der Pandemie?
    Es wurde genug aufgeklärt, geschrieben, gewettert, gestritten, beleidigt.
    Jetzt sind wir alle eine Stufe höher gestiegen mit unserer Verantwortung.
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    1. Antwort von Peter Zuber  (Hä nuuh)
      Ich glaube eher dass genug Schi gefahren wurde.
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