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George Floyd-Urteil: 22 Jahre und 6 Monate Haft für Chauvin
Aus 10 vor 10 vom 25.06.2021.
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Strafmass verkündet Fall George Floyd: 22.5 Jahre Haft für Ex-Polizist Chauvin

  • Im Prozess um die Tötung des Afroamerikaners George Floyd hat das zuständige US-Gericht eine Haftstrafe von 22.5 Jahren gegen den verurteilten weissen Ex-Polizisten Derek Chauvin verhängt.
  • Das verkündete das Gericht in Minneapolis.
  • Im April hatten die Geschworenen Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Der schwerwiegendste Anklagepunkt lautete Mord zweiten Grades ohne Vorsatz.
  • Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe für den 45-Jährigen gefordert, die Staatsanwaltschaft dagegen 30 Jahre Haft.

Kurz vor der Strafmassverkündung gegen Chauvin meldeten sich mehrere Angehörige Floyds vor Gericht zu Wort und forderten die Höchststrafe für den Ex-Polizisten. Er dürfe nicht mit einem blauen Auge davonkommen, mahnten sie. Floyds Neffe, Brandon Williams, sagte: «Unsere Familie ist für immer zerbrochen.»

Floyds Bruder Philonise sagte unter Tränen, er habe seit dessen Tod keine Nacht ruhig schlafen können, weil er von Alpträumen geplagt sei und den gewaltsamen Tod seines Bruders immer und immer wieder vor sich sehe. Floyds kleine Tochter Gianna sagte per Videobotschaft an ihren Vater gerichtet: «Ich vermisse dich und liebe dich.»

Keinerlei Regung von Chauvin

Auch Chauvins Mutter, Carolyn Pawlenty, äusserte sich emotional und sagte mit brüchiger Stimme, die Öffentlichkeit kenne nur ein Zerrbild ihres Sohnes. Dieser sei ein guter Mensch: liebevoll, fürsorglich, ehrenhaft und selbstlos. «Er hat ein grosses Herz.» An ihren Sohn gerichtet sagte Pawlenty: «Ich habe immer an deine Unschuld geglaubt und werde davon niemals abrücken.»

Mann in grauem Anzug und mit Gesichtsmaske (Derek Chauvin) sitzt in einem Gerichtssaal.
Legende: Derek Chauvin liess während der Wortmeldungen nach aussen hin keine Regung erkennen. Reuters

Chauvin, in hellgrauem Anzug und mit Gesichtsmaske, liess während der Wortmeldungen nach aussen hin keine Regung erkennen. Er äusserte sich nur knapp: «Ich möchte der Familie Floyd mein Beileid aussprechen», sagte er. Wegen eines gerichtlichen Bundesverfahrens und einer möglichen Berufung könne er zurzeit keine vollständige Stellungnahme abgeben. Er hatte in dem Prozess die Aussage verweigert.

Biden nennt Urteil «angemessen»

US-Präsident Joe Biden begrüsste die Haftstrafe am Freitag in einer ersten Reaktion. Er kenne zwar nicht alle Umstände, die berücksichtigt worden seien. Das Strafmass erscheine ihm aber «angemessen».

Die Anwälte der Floyd-Familie zeigten sich mit dem Strafmass zufrieden und sprachen von einem «historischen Schuldspruch». Einige Mitglieder der Familie äusserten dagegen Enttäuschung. Das Urteil sei zu milde ausgefallen.

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Joe Biden: «Das Urteil scheint mir angemessen»
Aus News-Clip vom 26.06.2021.
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Der afroamerikanische Bürgerrechtler Al Sharpton betonte, das Strafmass sei kein Grund, zu feiern. Gerecht wäre nur die Höchststrafe gewesen. Sharpton war auf Wunsch der Familie Hauptredner auf der Trauerfeier für George Floyd im August 2020.

Grösste Protestbewegung seit Jahrzehnten

Floyd war am 25. Mai vergangenen Jahres in Minneapolis bei einem brutalen Polizeieinsatz ums Leben gekommen. Beamte nahmen den 46-Jährigen fest, weil er eine Schachtel Zigaretten mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt haben soll. Videos von Passanten dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser immer wieder flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor das Bewusstsein und starb wenig später.

Wie es jetzt weitergeht

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Beendet ist der Fall mit der Entscheidung zum Strafmass nicht. Chauvin kann noch Berufung einlegen. Unabhängig von dem Verfahren in Minnesota ist ausserdem vor einem Bundesgericht Anklage gegen ihn erhoben worden. Das US-Justizministerium teilte zur Begründung mit, dem Beschuldigten werde vorgeworfen, Floyd vorsätzlich seiner verfassungsmässigen Rechte beraubt zu haben.

Neben Chauvin wurden ausserdem drei weitere Ex-Polizisten angeklagt. Sie waren ebenfalls am Einsatz gegen Floyd beteiligt. Sie werden in einem Verfahren in Minneapolis ab März nächsten Jahres vor Gericht stehen. Ihnen wird Beihilfe zur Last gelegt. Auch ihnen könnten mehrjährige Haftstrafen drohen.

Die Videoclips der Szene verbreiteten sich damals rasant. Floyds Tod wühlte die USA auf. Er clöste mitten in der Corona-Pandemie eine Welle an Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt aus, die sich zur grössten Protestbewegung seit Jahrzehnten auswuchsen. Der Prozess gegen Chauvin wurde live auf vielen Fernsehkanälen übertragen. Die Erwartungen an das Verfahren waren immens.

10vor10. 25. Juni;

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72 Kommentare

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  • Kommentar von Hans H. Hirt  (AndromedaAxiomis)
    Ich halte diesen Prozess für alles andere als gerecht. Dieser ist rein politisch motiviert.
    1. Antwort von Arthur Häberli  (Arthur Häberli)
      ich nehme an, sie haben den Prozess minutiös verfolgt und Videoaufzeichnungen studiert, den beruf des Verurteilten verstanden? So könnten Sie das begründen, wieso der Prozess nicht gerecht verlaufen sei?
    2. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Hirt: Das mit "politisch motiviert" vermute ich, könnte eine Spiegelung Ihrer eigenen politischen Färbung sein. Ihre Gefühle scheinen beim Polizisten zu sein, das ist durchaus berechtigt. Aber kaum berechtigt ist, dass die Gefühle nicht auch beim grausam Ermordeten sein dürfen. Sonst stimmt etwas nicht. Stellen Sie sich vor, einer von uns müsste das 8-minütige Knien auf dem eigenen Hals erdulden. Das muss schrecklich sein. Also, das Urteil war durchaus gerecht.
    3. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      Der Bürgermeister von Minneapolis (also der Stadt in dem die Tat geschah) und somit der oberste Boss von Chauvin ist übrigens ein DEMOKRAT. (Schon seit 1978).

      Was in der Presse halt oftmals verschwiegen wird.
    4. Antwort von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
      Oh mein Gott, er ist Demokrat.....
      Wie die Hälfte der US Bürger. Frage Frau Müller; können Demokraten keine fairen Urteile fällen( ich weiss, Bürgermeister hat eigentlich nichts damit zu tun aber ich greif es jetzt auf ;-)?
      Was ist das den für ne Logik. Bitte um Erklärung.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Ich bin dankbar über die Kommentare, wo zum Ausdruck kommt, dass es nicht einfach ein Versehen war des Polizisten. Dass es nicht Vorsatz war - vor dem Eingreifen -, ist wahrscheinlich auch so. Aber dass der Polizist acht Minuten auf den Hals von Floyd kniete, bis es zu spät war, ist äusserst verwerflich und ist Mord - aus einem rassistisch geprägten Umfeld. Gegen die schlechte Polizeiausbildung und gegen Rassismus tat Trump&Co nichts. Hoffentlich jetzt. Aber Rassismus gibt es leider bis in CH.
    1. Antwort von thorsten Koopmann  (Koopmann)
      Sie stört es also wieder weil Menschen es wagen nicht gänzlich ihre Meinung zu teilen. Soll jeder für dich bewerten. Ja rassismus gibt es in den USA und in der Schweiz. Linksextreme Gewalt und hetze durch linksextreme gibt es in den USA und in der Schweiz
    2. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Koopmann: Darf ich Sie zuerst darum bitten, zuerst richtig zu lesen? Wo schreibe ich, dass es andere Menschen nicht wagen dürfen, meiner Meinung zu widersprechen? Und was ich schreibe, ist nicht einfach "meine Meinung", sondern entspricht den sozialen-geschichtlichen Gegebenheiten wie sie sind bzw. waren um den Mord an Floyd herum.
    3. Antwort von Adrian Meyer  (Sapient)
      Herr Koopmann, wieviele Leute wurden im letzten Jahr durch Linksextreme auf offener Strasse zu Tode gewürgt?

      Ja, Gewalt gibt es an vielen Orten. Aber nicht alle Gewalt ist gleich brutal und und tödlich. Vielleicht wäre es angebracht, anhand der Schwere der Tat zu differenzieren.

      "Er hat es auch gemacht" mag im Kindergarten funktionieren, aber als Erwachsene sollten wir differenzierter urteilen.
    4. Antwort von thorsten Koopmann  (Koopmann)
      Danke für die Klarstellung! Und meine Angaben entsprechen auch den Tatsachen! Wie die Ermittlungsbehörden und bei uns der Nachrichtendienst des Bundes feststellte
    5. Antwort von thorsten Koopmann  (Koopmann)
      A . Meyer würden sie bitte richtig lesen ? Das habe ich nicht behauptet! Kennen die rechtsextreme welche sowas in dr ch machten ? Eben meine Antwort war auf die Bemerkung wie es rassismus leider auch in der Schweiz gibt . Wie eben auch linksextreme Gewalttaten
    6. Antwort von thorsten Koopmann  (Koopmann)
      „ "Er hat es auch gemacht" mag im Kindergarten funktionieren, aber als Erwachsene sollten wir differenzierter urteilen.“ müssen sie provozieren mit Unterstellungen was ich nie geschrieben habe . Das kenne ich auch vom Kindergarten
  • Kommentar von Severin Nussli  (Der Nachbar)
    "Er clöste mitten in der Corona-Pandemie eine Welle an Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt aus"
    Wohl löste :)