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Wie hat sich die Kriminalität in der Corona-Pandemie verändert?
Aus SRF 4 News aktuell vom 03.06.2021.
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Straftaten während Lockdown Darum sank die Kriminalität in Zürich weniger als anderswo

Die Kriminalität in Städten ist durch die Corona-Massnahmen weltweit zurückgegangen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Cambridge. Die Forschenden untersuchten, wie viele Straftaten vor und während der Corona-Beschränkungen registriert wurden.

Sie nahmen dafür 27 Städte unter die Lupe – darunter Barcelona, Chicago, Sao Paolo und Zürich. Manuel Eisner ist Mitautor der Studie und erklärt, inwiefern die Coronakrise helfen kann, Verbrechen in Zukunft besser verhindern zu können.

Manuel Eisner

Manuel Eisner

Kriminologe

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Manuel Eisner ist Kriminologie-Professor an den Universitäten Zürich und Cambridge.

SRF News: In Zürich sank die Zahl der Straftaten weniger als in den anderen untersuchten Städten. Warum ist das so?

Manuel Eisner: Die Zahl der Straftaten ist am stärksten in diesen Städten gesunken, in welchen der Lockdown am rigidesten war. In Barcelona oder in Lima, wo massive Bussen ausgesprochen wurden, wenn man sich auf die Strasse begeben hat. In Lateinamerika hat auch das Militär und die Polizei darauf geachtet, dass die Ausgangssperre eingehalten wurde. In Zürich gab es zwar einen Shutdown, aber es gab doch einen Spielraum für die Leute, rauszugehen. Deshalb war vermutlich auch der Rückgang weniger stark.

Die Kriminalität ist nicht generell zurückgegangen.

Es gab keinen Rückgang bei den Tötungsdelikten. Gibt es dafür eine spezielle Begründung?

Die Kriminalität ist nicht generell zurückgegangen. Es sind besonders diejenigen Delikte zurückgegangen, die sich auf der Strasse ereignen, die in das öffentliche Leben eingebunden sind. Ladendiebstähle, Raubüberfälle auf der Strasse, Taschendiebstähle, Einbrüche in Wohnhäuser – diese Delikte sind zurückgegangen. Andere Delikte, die sich eher in der Privatsphäre ereignen oder auch Delikte, die sich im Cyberspace ereignen, sind nicht zurückgegangen. Sie haben vielleicht sogar zugenommen.

Tötungsdelikte in Zürich sind sehr, sehr selten. Es lässt sich hierzu fast keine Trend-Aussage machen. Aber international ist es interessant zu sehen, dass Tötungsdelikte nicht zurückgegangen sind. Wir vermuten, dass bei denjenigen Leuten, die in Tötungsdelikten verwickelt sind, vor allem Gangmitglieder, dass die Ausgangssperre da keine Verhaltensänderungen nach sich gezogen hat.

Nach der Lockerung der Massnahmen sind die Zahlen der Delikte wieder hochgegangen. Warum war der Corona-Effekt nicht nachhaltiger?

Den Corona-Effekt, den wir nachweisen, ist vor allem ein Effekt der Veränderung der täglichen Verhaltensweisen. Sobald der Lockdown beendet ist, die alltäglichen Routinen wieder zurückkehren, nehmen auch die Gelegenheiten wieder zu. Die Kriminalität geht zurück auf ihr ursprüngliches, vorheriges Niveau. Zum Teil rechne ich sogar damit, dass Teil-Phänomene von Kriminalität über den Ausgangswert hinausgehen werden und es zu einer Zunahme in den nächsten Monaten kommen könnte.

Die Coronakrise hat gezeigt, dass Gelegenheiten eine grosse Rolle dabei spielen, dass Delikte sich ereignen.

Kann man etwas aus der Lockdown-Zeit mitnehmen für die Zukunft?

Es gibt in der Kriminalprävention zwei grundsätzliche Ansätze: Der eine Ansatz versucht, die Menschen zu ändern. Menschen, die eine Neigung zur Kriminalität haben, sollen verändert und verbessert werden und man soll frühzeitig eingreifen sowie Persönlichkeitsmerkmale verändern. Es gibt aber auch einen anderen Ansitz, der darauf abzielt, Gelegenheiten zu verändern und Chancen zu verhindern, dass Gelegenheiten auftauchen, ein Delikt zu begehen. Die Coronakrise hat gezeigt, dass Gelegenheiten eine grosse Rolle dabei spielen, dass Delikte sich ereignen – und dass gelegenheitsbezogene Präventionsmassnahmen eine wichtige Rolle spielen in unseren Bemühungen, Kriminalität einzudämmen.

Das Gespräch führte Susanne Stöckl.

SRF 4 News, 3.6.2021, 10:05 Uhr;

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