Zum Inhalt springen
Inhalt

Streik in Griechenland Wer kann schon von 586 Euro leben?

Mit einem Generalstreik protestierten die Griechen gegen den tiefen Mindestlohn. Das Land ist grösstenteils lahmgelegt.

Legende: Audio Generalstreik in Griechenland abspielen. Laufzeit 04:29 Minuten.
04:29 min, aus Rendez-vous vom 28.11.2018.

Mit einem 24-stündigen Streik protestierten die griechischen Gewerkschaften am Mittwoch gegen bestehende und weitere Sparmassnahmen. Konkret fordern sie eine Erhöhung des Mindestlohns von 586 auf 751 Euro im Monat, die Rücknahme von Rentenkürzungen sowie Steuersenkungen.

Grössere Städte sind lahmgelegt

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der von den grössten griechischen Gewerkschaften ausgerufene Generalstreik hatte in Städten wie Athen und Thessaloniki zu einem Verkehrschaos geführt. Die Busse fuhren nur, um die Streikenden zu Demonstrationen zu bringen. Der übrige öffentliche Nahverkehr fiel aus, so dass viele Griechen versuchten, mit Autos zur Arbeit zu gelangen. Auch die Fähren blieben in den Häfen vertäut.

Anlass für den Generalstreik ist der Haushaltsplan der Regierung für das Jahr 2019, über den das griechische Parlament am 18. Dezember abstimmen will.

Zehntausenden droht die Obdachlosigkeit

Wogegen die Griechen mit dem Generalstreik ebenfalls protestieren, sind die Zwangsversteigerungen von selbst bewohnten Wohnungen und Häusern. Bis Ende Jahr sind diese Immobilien, wenn sie Geringverdienern gehören, noch vor den Zwangsmassnahmen geschützt. Dieser Schutz soll aber aufgehoben werden. So sollen in den nächsten drei Jahren schätzungsweise 130'000 Immobilien unter den Hammer kommen.

Männer demonstrieren mit Transparent.
Legende: Generalstreik in Griechenland. Es geht nicht mehr viel in den grösseren Städten. Reuters

«Die meisten Griechen müssen immer noch mit weit weniger auskommen als vor der Krise», sagt Rodothea Seralidou in Athen. Und mit der Aufhebung des Schutzes von Eigenheimen von Geringverdienern werde es für viele noch schlimmer kommen. «Viele stehen jetzt vor der Gefahr, deshalb obdachlos zu werden», so die Journalistin.

Ein Job allein reicht meist nicht

Zwar sei die Arbeitslosigkeit im Land laut offiziellen Zahlen seit langem erstmals unter 20 Prozent gefallen. Doch bei den neuen Jobs handle es sich meist nicht um langfristige Lösungen, sondern bloss um Gelegenheits- oder Teilzeitjobs.

Viele müssten daher zwei oder sogar drei Jobs annehmen, um über die Runden zu kommen, weiss Seralidou. «Viele gut ausgebildete Griechen ziehen es immer noch vor auszuwandern, und im Ausland nach besseren Chancen zu suchen.»

Rechte könnte Linke ablösen

Tsipras in einem Auto.
Legende:Alexis Tsipras forderte im Januar 2015 einen teilweisen Erlass der griechischen Staatsschulden.Reuters

Die Proteste gegen die Politik der linken Regierung könnte bedeuten, dass liberal-konservative Oppositionspartei Nea Dimokratia die Wahlen im nächsten Jahr gewinnen könnte. «Derzeit erscheint sie als einzige Alternative zu Tsipras' Linksregierung», sagt die Journalistin Seralidou. Schon seit längerem führt die Partei die Umfragen bei Wählern an. Doch: «Auch sie will an der Austeritätspolitik festhalten», sagt Seralidou. Immerhin verspreche die Nea Dimokratia, mehr ausländische Investitionen ins Land zu holen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

18 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    In GR gibt es wirklich Massenarmut. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und den niedrigen Löhnen bestimmen in GR Armut und soziale Abstieg den Alltag. Die Troika aus IWF, EZB und EU und Schäuble mit ihrem schonungslosen Sparprogramm haben das Land in die Armut getrieben, arbeitslose Jugendliche, hungernder Rentner, Obdachlose, schwerkranke Menschen, die ihre Medikamente nicht bezahlen können, sind gleichgültig. Tausende gut Ausgebildete sind ausgewandert. Das Land wird ausgeblutet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alexander Ognjenovic (Alex)
    Die EU hat einfach überall versagt wo sie nur konnte! Viele Menschen sind arbeitslos und können sich keine Lebensmittel und keine Mieten leisten! Solche Probleme gab es vor der Gründung der EU seltener! Zum Glück ist die Schweiz niemals der EU und auch niemals der NATO beigetreten! Eine sehr kluge Entscheidung! Hoffentlich lernen andere europäische Staaten dass jeder seine eigene Souveränität braucht und auch eine selbständig funktionierende Wirtschaft!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    So kommt es eben heraus, wenn ein Staat von "Vetternwirtschaft und Korruption" bestimmt wird! Bin froh in der Schweiz leben zu dürfen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Ernst Küng (NestorBS)
      Und wie ist es bei uns? Nicht viel anders, d.h. immerhin (noch nicht) NIE in einem solchen Ausmass, klar. Aber gewiss nicht ohne.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Florian Kleffel (Hell Flodo)
      Bei uns ist Vetternwirtschaft durch das Milizsystem nicht nur akzeptiert, sondern wird sogar als „Wirtschaftsnähe“ gelobt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Herr Heusser. Denken sie wirklich in der Schweiz leben die besseren Menschen. Dann warten sie ab, es wird in der Schweiz immer enger, Finanziell und Platzmässig, ich werde sie dann auch fragen ob sie immer noch so Überzeugt von der Schweiz und ihrer Unbestechlichkeit sind.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Edi Steinlin (Chäsli)
      Der Unterschied in Sachen Vetternwirschaft und Korruption zwischen uns und Griechenland ist derart riesig, dass Sie staunen würden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen