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Zerstrittene Labour-Partei sucht nach klarem Kurs
Aus Echo der Zeit vom 25.09.2021.
abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.
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Streit überschattet Parteitag Labour: Geeint für eine bessere Zukunft? – von wegen

Die britische Oppositionspartei ist mitten in der Krise in erster Linie mit sich selbst beschäftigt.

Das Meer im Seebad Brighton ist grau und stürmisch. Passend zur Stimmung vor dem Labour-Konferenzzentrum. Zornige Genossinnen und Genossen fordern zum Auftakt der Parteikonferenz nichts weniger als die Abwahl von Labour-Chef Keir Starmer.

Die Stimmung will nicht so recht zum Motto der Parteikonferenz passen: «Geeint für eine bessere Zukunft». Und an dieser müsste tatsächlich gearbeitet werden. Dem konservativen Premierminister Boris Johnson läuft es nämlich zurzeit gerade nicht so rund: Leere Regale in Einkaufszentren, explodierende Energiepreise und Hamsterkäufe an Tankstellen prägen den britischen Alltag. Eigentlich ideale Voraussetzungen für eine Oppositionspartei, um sich zu profilieren.

Doch Labour ist mitten in der Krise in erster Linie mit sich selbst beschäftigt. Seit Tagen streitet man, ob der frühere Labour-Chef Jeremy Corbyn am Parteitag sprechen darf oder nicht und nach welchem Wahlmodus die Partei-Spitze künftig gewählt wird. Blamabel sei das, sagt die mächtige Gewerkschaftschefin Sharon Graham: «Warum um aller Welt reden wir mitten in einer Krise über unsere internen Probleme? Ich würde vorschlagen, dass wir unsere Grabenkämpfe möglichst schnell beiseite lassen.»

Streit statt Politik

Noch deutlicher wurde der frühere Labour-Schattenkabiniett-Minister John McDonald auf BBC: «Schauen Sie sich die Sorgen an, mit denen unsere Wählerinnen und Wähler in der realen Welt kämpfen.» Steigende Energiepreise, grassierende Inflation und Kürzung der Sozialhilfe – eigentlich Kernthemen von Labour.

Im Grunde haben wir in dieser Zeit einfach unsere Identität verloren
Autor: Lord Peter Mandelson Labor Party

Zwar hält der frühere Staatsanwalt Keir Starmer den Finger regelmässig mit forensischer Präzision auf alle Fehler, Unterlassungen und Irrfahrten der Regierung – die grosse Bühne überlasse er aber trotzdem Boris Johnson, sagt Lord Peter Mandelson, der frühere Kommunikationsdirektor des ehemaligen Labour Premierministers Tony Blair.

Kein Plan erkennbar

Seit 18 Monaten ist Keir Starmer im Amt. In weiteren 18 Monaten könnte es zu Neuwahlen kommen. Das Streben der Opposition müsse sein, die Regierung zu übernehmen, aber dazu müsse Starmer endlich in die Gänge kommen. Starmer müsse endlich seine Vision für das Land präsentieren. Mandelson fordert daher eine klare Kurskorrektur. «Die Labor Party wird sich nicht fit für die nächste Wahl machen, wenn sie nicht einen klaren Bruch mit den letzten 10 Jahren des Scheiterns vollzieht.»

Die Pandemie war in den vergangenen Monaten das alles dominierende Thema. Das Virus hat selbst der Politik den Sauerstoff entzogen. Mit der Rückkehr der Normalität möchten die Leute aber wieder wissen, wohin die Reise geht. In Brighton wird Keir Starmer in die Gänge kommen müssen und seinen Genossinnen und Genossen aufzeigen, woher der Wind unter seiner Führung weht. 

 

Patrik Wülser

Patrik Wülser

Grossbritannien-Korrespondent, SRF

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Patrik Wülser arbeitet seit Ende 2019 in London als Grossbritannien-Korrespondent für SRF. Wülser war von 2011 bis 2017 Afrika-Korrespondent und lebte mit seiner Familie in Nairobi. Danach war er Leiter der Auslandsredaktion von Radio SRF in Bern.

Echo der Zeit, 25.9.2021

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3 Kommentare

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  • Kommentar von James Klausner  (Harder11)
    Tony Blair hat LABOUR mit seinem Kurs nach rechts zu Mitte nachhaltig beschädigt. LABOUR ist keine richtige Sozialdemokratische Partei mehr. Richtungskämpfe werden noch lange anhalten. Die Neugründung einer mitte-links oder linken Partei ist wegen des unseligen Majorzwahlsystems in GB aussichtslos. Man kann nur frustriert darauf warten, bis LABOUR endlich wieder zu einer Identität und einem Programm findet. Derweil hat Boris Johnson höchstens in der eigenen Partei einzelne Oppositionelle.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Wenn LABOUR sich weiter nur mit sich selber beschäftigt, dann hoffe ich sehr, dass eine neue Kraft (als Gegenlkraft zu den Konservativen) auf der linken Seite entsteht.

      Oder aber die nationalen Kräfte der einzelnen brittischen Länder bekommen so viel Zulauf, dass England in Bedrängnis kommt, wegen der drohenden Spaltung.
  • Kommentar von Telemach Hatziisaak  (THI)
    Starmer ist ein neoliberaler Wolf im Labour-Schafspelz. Corbyn war besser, wurde aber von gewissen Kräften in und ausserhalb der Partei diffamiert und kaltgestellt.