Am vergangenen Samstag ereignete sich vor der grönländischen Westküste bei Nuuk ein Zwischenfall in einem US-amerikanischen U-Boot. Ein Mitglied der Besatzung benötigte medizinische Nothilfe und wurde von einem Helikopterteam des grönländisch-dänischen Arktischen Kommandos ins nahe Zentralspital der grönländischen Hauptstadt geflogen. Dort wird die Person jetzt versorgt.
Die unkomplizierte und speditive Hilfe für den US-amerikanischen Militär wurde vom Weissen Haus jedoch nicht verdankt. Im Gegenteil: In einem Post auf seinem Social-Media-Kanal erklärte US-Präsident Donald Trump in der Nacht auf Sonntag, dass in Grönland viele Menschen keine Gesundheitsversorgung haben. Deshalb habe er angeordnet, eines von zwei Spitalschiffen der US-Marine in die Arktis zu entsenden.
Die Ankündigung des US-Präsidenten wird in Fachkreisen zwar als Ablenkungsmanöver von der geglückten Rettungsaktion vom Samstag betrachtet.
Gleichzeitig ist es Trump damit aber auch gelungen, einen Keil in den zuletzt so starken grönländisch-dänischen Schulterschluss gegenüber Washington zu treiben: So kommentierte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen den trumpschen Post mit den Worten, dass «in Grönland jede und jeder jederzeit medizinisch versorgt werden kann». Eine Wahrheit mit Einschränkungen, wie viele kritische Kommentare aus Grönland beweisen.
40 Prozent der Bevölkerung ohne direkte Spitalversorgung
Tatsächlich befindet sich das Gesundheitswesen auf der grössten Insel der Welt am Anschlag: Seit gut dreissig Jahren ist das Gesundheitswesen eine Angelegenheit der grönländischen Autonomieregierung, bleibt aber finanziell und personell stark von Dänemark abhängig.
Verteilt über das über 2 Millionen Quadratkilometer grosse, aber von nur gerade einmal 57'000 Menschen besiedelte Land gibt es neben dem Zentralspital in der Hauptstadt Nuuk fünf Regionalspitäler, in denen es auch Geburtsabteilungen und Operationssäle gibt.
Fast 40 Prozent der Bevölkerung leben in kleineren Siedlungen weit weg von diesen Spitälern: Je nach Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner wird hier die gesundheitliche Versorgung von Krankenschwestern oder Hilfspersonal besorgt. Da es in Grönland keine Strassen gibt, ist vor allem im dunklen Winter die Versorgung im Notfall prekär: Helikopter können nur bei guter Witterung und Tageslicht fliegen, Schiffe können wegen Eis nicht verkehren.
Es fehlt überall an Personal
Gemäss einem neuen Untersuchungsbericht der Grönländischen Gesundheitskommission fehlt es in Grönland vor allem an Personal, das Grönländisch spricht und sich über eine längere Zeit im Land aufhält. Fast die Hälfte aller bewilligten Stellen sind zeitweise unbesetzt, hält der Bericht fest.
Umgekehrt gelingt es nicht, genug Grönländerinnen und Grönländer für eine Ausbildung als Ärztinnen und Ärzte zu gewinnen: Dafür müssen sie sich nämlich zeitweise im Ausland weiterbilden. Nur die Hälfte dieser Medizinstudierenden schliesst die Ausbildung ab – und nur ein Viertel kehrt schliesslich nach Grönland zurück.
Mit der allfälligen Entsendung eines Lazarettschiffes, wie es US-Präsident Trump angekündigt hat, würde jedoch keine dieser grönländischen Probleme «auch nur ansatzweise gelöst», sagt der Vizepräsident der Gesundheitskommission, Kjeld Møller Pedersen.