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Streit um grösste Insel Deutsche in Grönland: «Die Stimmung hat sich deutlich verändert»

Die auf der Insel lebende Deutsche Birgitta Kammann Danielsen schildert, wie sich die Menschen in Grönland fühlen.

Seit US-Präsident Donald Trump unverhohlen seine Hand nach Grönland ausgestreckt hat, vergeht kaum ein Tag, ohne dass die grösste Insel der Welt Thema in den Medien ist.

Bislang wenig gehört hat man dabei allerdings jene Menschen, welche die ganze Diskussion konkret betrifft: die Grönländerinnen und Grönländer.

Schon vor einem Jahr, direkt nach Amtsantritt, hatte Trump davon gesprochen, er wolle Grönland kaufen. Damals habe man in Grönland noch Witze darüber gemacht, sagt Birgitta Kammann Danielsen. Die gebürtige Deutsche lebt seit fast 20 Jahren in Grönland. «Inzwischen hat sich die Stimmung hier deutlich geändert.»

Sorgen und sogar Angst

Viele Leute sorgten sich jetzt, was das Ganze für sie bedeute. «Manche haben auch Angst», so Kammann Danielsen. «Einige sagen aber auch, sie würden die Sache auf sich zukommen lassen und sich nicht schon jetzt sorgen.» Das sei eine typische Haltung vieler Grönländerinnen und Grönländer: Leben im Hier und Jetzt.

Wegen ihrer Sorgen verändert sich der Gesichtsausdruck und ihre Körpersprache.
Autor: Birgitta Kammann Danielsen Deutsche, lebt seit 20 Jahren in Grönland, ist dort Leherin

Manchen sehe man die Sorgen aber geradezu physisch an, so Kammann Danielsen, die in einem Dorf im Nordwesten Grönlands als Lehrerin arbeitet. «Ihr Gesichtsausdruck und ihre Körpersprache verändern sich – auch wenn sie nicht über das Thema sprechen.»

Verschneite Strasse mit Mopeds und Flaggen in Grönland.
Legende: Seitdem Trump seinen Anspruch auf Grönland bestärkt hat, sind in Grönland vermehrt grönländische Flaggen zu sehen – wie hier in Nuuk. Keystone/Evgeniy Maloletka

Eine militärische Invasion Grönlands habe bis vor Kurzem niemand für möglich gehalten. Doch jetzt seien diese Ängste plötzlich da. Und auch für sie selbst als Zugewanderte sieht Kammann Danielsen das Ganze als potenzielle Bedrohung.

Ich habe auch schon schlecht davon geträumt, was hier als Nächstes passieren könnte.
Autor: Birgitta Kammann Danielsen Deutsche, lebt seit 20 Jahren in Grönland, ist dort Lehrerin

«Auch ich bin nachts schon aufgewacht, weil ich einen schlechten Traum darüber hatte, was hier als Nächstes passieren könnte.» Wenn man sehe, was derzeit in den USA abgehe, müsse man mit allem rechnen, so Kammann Danielsen.

Europäische Soldaten in Grönland – neue Entwicklung

Nachdem die Gespräche zwischen den USA, Grönland und Dänemark gescheitert sind, haben in den vergangenen Tagen mehrere Nato-Staaten Militärangehörige nach Grönland geschickt. Das beobachte sie mit Sorge, sagt die Deutsche.

Das Verhalten Dänemarks gegenüber Grönland ist viel besser geworden.
Autor: Birgitta Kammann Danielsen Deutsche, lebt seit 20 Jahren in Grönland, ist dort Lehrerin

Bis vor Kurzem sei man sich international einig gewesen, dass die Arktis eine militärfreie Zone sei. «Doch mittlerweile geht die Entwicklung in eine völlig andere Richtung.»

Trotz allem, gebe es auch einen kleinen positiven Aspekt am Ganzen: «Durch den Druck aus den USA ist das Verhalten Dänemarks besser geworden.» Kopenhagen zeige jetzt viel mehr Respekt gegenüber Grönland.

Ausserdem könnte es den Tourismus ankurbeln, wenn Grönland jetzt ständig in den internationalen Schlagzeilen sei. «Grönland hat eine Tourismusindustrie, die weiterentwickelt werden möchte», so Kammann Danielsen.

SRF 4 News aktuell, 16.01.2025, 6:55 Uhr ; 

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