Zum Inhalt springen

Header

Audio
Der Sturm auf das US-Kapitol war ein Sicherheitsdebakel
Aus Echo der Zeit vom 09.01.2021.
abspielen. Laufzeit 04:24 Minuten.
Inhalt

Sturm auf Kapitol Ein Sicherheitsdebakel der Sonderklasse in den USA

Wie war es für Tausende Trump-Anhänger möglich, das Kapitol zu stürmen? Zwei Sicherheitsexperten geben Antworten.

Die ganze Welt konnte zuschauen, wie am Mittwoch Tausende von Trump-Anhängern durch die Barrikaden vor dem US-Kongress-Gebäude brachen und wie Hunderte von ihnen das Kapitol stürmten. Es war ein Sicherheitsdebakel der Sonderklasse. Ausgerechnet in der Hauptstadt jenes Landes, das stolz ist auf die Schlagkraft der Polizei und des Militärs. Wie konnte das geschehen?

Für den Sicherheitsexperten Rodney Parks ist klar: Verantwortlich für das Sicherheitsdebakel ist primär die Parlaments-Polizei, die Capitol Police. Sie habe das Risiko völlig falsch eingeschätzt. Man habe gewusst, dass eine gewaltbereite Gruppe nach Washington kommen würde, sogar die Zeitung Washington Post habe darüber geschrieben, so Parks. Er sei von der Polizei erst über den Angriff informiert worden, als bereits Schüsse fielen, sagt Parks.

Weniger Polizisten als bei BLM-Protesten

Rodney Parks, der einstige Vize-Chef der Polizei des Hauptstadtbezirks District of Columbia, ist heute für die Sicherheit einer Bibliothek zuständig, die nur wenige Schritte vom Kapitol entfernt ist. Ganz anders seien die Sicherheitskräfte mit den linken Black-Lives-Matter-Protesten umgegangen, was der Afroamerikaner Parks als klaren Beweis einer Doppelmoral ansieht. Das Polizeiaufgebot sei viel kleiner ausgefallen bei den weissen Trump-Protesten, so Parks.

Das rächte sich. Als die wütende Menschenmasse die Barrikaden vor dem Kapitol durchbrach, war es bereits zu spät. Die Capitol Police war überfordert. Sie ist für solche harten Masseneinsätze nicht ausgebildet. Sie rief nach Verstärkung, aber viel zu spät. Schliesslich rückte die Polizei des District of Columbia ein und begann das Gebäude zu räumen.

Experte: Kapitol ist ein Löchersieb

Das Kapitol zu schützen, sei grundsätzlich eine unmögliche Aufgabe, sagt Danny Coulson. Er arbeitete einst als FBI-Agent auf dem Kapitolshügel, heute besitzt er eine Sicherheitsfirma in Texas. Das Kapitol sei ein Löchersieb, konzipiert als offenes Haus des Volkes, nicht als Festung. Jeder Ansturm werde erfolgreich sein, so Coulson. Man hätte die Massen also gar nicht erst an das Gebäude heranlassen sollen.

Er sieht die Verantwortung bei den Sicherheitschefs des Parlaments, beide sogenannten «Seargent-at-Arms» sind inzwischen zurückgetreten. Aber auch die Trump-Regierung hätte mehr tun können, sagt der bekennende Trump-Wähler. Eine Ungleichbehandlung von linken und rechten Gruppierungen sieht Coulson jedoch nicht – die Strafverfolgung sei auch gegenüber der Antifa zu lasch – und nun würden deren Taktiken von rechts kopiert.

Weitere gewaltsame Aktionen angekündigt

Rechtsradikale Gruppen rufen bereits zur nächsten gewaltsamen Aktion auf, am Tag der Amtseinweihung von Joe Biden in zwei Wochen, im Rahmen einer Gegenveranstaltung von Ex-Präsident Trump. Coulson hält es für eine schlechte Idee, die Amtseinweihung wie üblich vor dem Kapitol im Freien abzuhalten. Er würde die Veranstaltung in ein Sport-Stadion verlegen, wo man besser Sicherheits-Perimeter definieren, sowie Zäune und Hunde einsetzen könne.

Rodney Parks, der ehemalige Vize-Chef der Stadtpolizei des Districts of Columbia, hält das nicht für nötig. Diesmal wisse man, wozu die Trump-Anhänger fähig seien, und die nötigen Ressourcen würden bereitgestellt.

Echo der Zeit, 09.01.2020, 18:00 Uhr ;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

88 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Im Artikel geht es eigentlich um die Sicherheit. Ist ein echtes Problem. Und es ist kein Trump-Problem, sondern ein Grundsätzliches, welches auch nach Trump gelöst werden muss. Ich frage mich gerade, warum es den meisten Kommentarschreibern - ich inklusive - hier so schwer fällt beim Thema zu bleiben, und man stattdessen gebetsmühlenartig ins Trumpbashing verfällt obwohl der Mann bald abgeht, aber das Sicherheitsproblem immer noch einer Lösung harrt. Sind wir alle plämpläm?
    1. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      Ich würde sagen ja! Einige von uns mit Sicherheit.... ;-))
    2. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Die Massnahmen bei den BLM Demos zeigen, dass es nicht ein Sicherheitsproblem per se ist, sondern dass das "Sicherheitsproblem" in Abhängigkeit der Demo aufgetreten ist.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Jetzt ehrlich: Kann nicht am 21. Januar Trump festgenommen werden wegen Anstiftung zu „handfesten“ Protestzügen aufs Kapitol.Ich als gewöhnlicher Bürger - angenommen in den USA - und andere wären wohl schon längst von Trumps Polizei ergriffen und „der gsiblete Luft“ zugeführt worden? Es ist horribel und gefährlich für die USA und die Welt, wenn Trump und ähnlich problematische Potentaten, weil Unfrieden stiftend,frei herumlaufen. Es ginge doch um eine mögl. gerechte und friedliche Gesellschaft.
    1. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      Soviel ich weiss ist das nicht so einfach weil auch ein Ex-Präsi noch Immunität "geniesst". Diese müsste durch Impeachment aufgehoben werden. Ex-Präsis ohne Impeachement können wieder ins Amt rutschen, sofern der Amtierende Präsi, der(die) Vize; und der Präsi des Repräsentantenhauses allesamt gleichzeitig "ausfallen". In dem Fall amtiert wieder der letzte Präsi, wenn der "ausfällt" der Vorletzte usw. Daher diese Immunitätsregelungen.... ;-))
    2. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Danke, Herr Waeber, für Ihre Antwort. Ja, da habe ich auch den Eindruck, dass es nicht leicht wäre, den sogenannten „Hochwürden“ „einzubuchten“ - wegen der von Ihnen erwähnten Immunität. Aber gerecht finde ich es nicht.
    3. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      "Jetzt ehrlich: Kann nicht am 21. Januar Trump festgenommen werden wegen Anstiftung zu „handfesten“ Protestzügen aufs Kapitol."

      Wir werden sehen, ob das geht.
      Es reicht ja schon, wenn er im Frühling ins Gefängnis muss, es muss nicht der 21.01.2021 sein.
    4. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      @Waeber: Gemäss meinem Stand des Irrtums hat ein Ex-Präsident keine präsidiale Immunität mehr. Es könnte sein, dass er ein etwas erweitertes Zeugnisverweigerungsrecht hat, da er nach wie vor Geheimdienstberichte erhält.

      Letzteres ist IMHO ein weiterer Grund für ein Impeachment von Trump. Bedingt durch seine finanzielle Situation (etc.) ist er potentiell sehr anfällig für Geheimnisverrat. Ein "impeachter" Präsident erhält diese Berichte nicht (mehr).
    5. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      @ Wyss - wie "weit" seine Immunität nach der Amtsübergabe noch geht weiss ich nicht. Hauptsache der Typ geht, und kommt nicht wieder..... ;-))
    6. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Mit Beendigung der Amtszeit endet auch die Immunität eines
      amerikanischen Präsidenten ( Quelle die Zeit)
    7. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      @Christa Wüstner - das müsste eigentlich bedeuten er könnte DOCH verhaftet werden sobald Biden vereidigt ist. Wir werden sehen..... ;-))
    8. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      richtig Herr Waeber, die Strafverfolgung kann somit eröffnet werden.
    9. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      @Waeber: Wenn ein Haftbefehl vorliegt, dann ja, sofort.
  • Kommentar von Erich Deiss  (Erich Deiss)
    Wie würde so etwas ähnliches wohl bei uns ausgehen? Unsere Polizei war ja schon überfordert mit dem Zeltlager auf dem Bundesplatz letztes Jahr.
    1. Antwort von Christoph Stadler  (stachri)
      Es war nicht die Polizei die in Bern überfordert war, sondern die linke Stadtregierung.
    2. Antwort von Sam Meier  (tsam39947)
      So ein Quatsch, die Berner Polizei war keineswegs überfordert. Einerseits haben die Demonstranten keine Gebäude gestürmt und auch sonst keinen Schaden angerichtet, was wohl ein grosser Unterschied zu Washington ist. Andererseits war es die Politik (Berner Stadtregierung), die sich mit dem Befehl zur Räumung lange schwer getan hat.
    3. Antwort von Charles Morgenthaler  (ChM)
      @E.Deiss: die Geschehnisse beim Capitol können nicht mit dem Zeltlager auf dem Bundesplatz verglichen werden. In Bern blieb alles friedlich und niemand vesuchte das Bundeshaus zu stürmen. Die Zurrückhaltung der berner Regierung und der Polizei hat dazu beigetragen dass es nicht eskalierte. Alles richtig gemacht!
    4. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Wohl nette Verharmlosung, Herr Deiss, Zwecks „Rettungsfallschirm“ für Trump.
    5. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      Äpfel - Birnen.... ? Oder hat Glättli durch Hass Reden und Fake-News zu dieser Aktion angestiftet? Wann mussten die Bundes-Parlamentarier/Innen evakuiert werden? Ist im Bundeshaus Sachschaden durch Randale entstanden? Wurde die Kriegsflagge des "Sonderbunds" gezeigt? etc.....;-))