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Syrische Flüchtlinge vor der erneuten Umsiedlung
Aus Tagesschau vom 12.10.2019.
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Syrer in der Türkei Hunderttausende vor der Umsiedlung – Doch wollen sie das?

Syrische Flüchtlinge sollen aus der Türkei in die neue Sicherheitszone umgesiedelt werden. Die Bereitschaft der Syrer dazu ist jedoch klein.

Allein in Sanliurfa, einer türkischen Stadt unweit der Grenze zu Syrien leben gegen 300'000 syrische Flüchtlinge. Es sind Menschen, die von der Türkei nach Abschluss der Militäraktion in die neugeschaffene «Sicherheitszone» umgesiedelt werden sollen. Ein Besuch in Sanliurfa zeigt: Es dürfte ein schwieriges Unterfangen werden, sie zu einer erneuten Umsiedlung zu bewegen.

Harte Arbeit auf den Baumwollfeldern

Zehn Stunden am Tag pflücken sie in mühsamer Handarbeit, die syrischen Flüchtlinge, die als Tagelöhner auf den Baumwollfeldern arbeiten. Für jedes Kilogramm der federleichten Roh-Wolle erhalten sie gerade einmal 50 Rappen. Immer an der Seite der Arbeiter und Arbeiterinnen: ihre Kinder. Sie sind in der Türkei geboren und sollen jetzt mit ihren Eltern wieder zurück nach Syrien.

Dorthin zurück gehen wir nur, wenn die Lage wirklich wieder ganz befriedet ist. Solange wollen wir hier in der Türkei bleiben – hier fühlen wir uns sicherer.
Autor: Nassir AliSyrischer Flüchtling

Nassir Ali, ein syrischer Flüchtling auf dem Baumwollfeld bringt auf den Punkt, was seine Landsleute und er davon halten: «Dorthin zurück gehen wir nur, wenn die Lage wirklich wieder ganz befriedet ist. Solange wollen wir hier in der Türkei bleiben – hier fühlen wir uns sicherer.»

Arabische Schriftzüge nicht erwünscht

Allein in der Stadt Sanliurfa mit fast zwei Millionen Einwohnern gibt es mittlerweile ganze syrische Quartiere. Araber leben neben Kurden und Türken – auch wenn jetzt viele arabische Schriftzüge wieder verschwinden. Die Stadtverwaltung verhängt nämlich Strafen, wenn die Geschäfte nicht in türkischer Sprache Werbung machen. Man spürt, dass es mit der Integration der Syrer harzt.

So viele Tote, so viele Verletzte, soviel Zerstörung – das haben wir Syrer wirklich satt.
Autor: Abdullah El-GadabSyrischer Flüchtling

Dazu kommt: viele Syrer sehen im neuen Grenzkonflikt keine Lösung. Abdullah El-Gadab klagt: «Was hier jetzt wieder passiert, ist schlimm. So viele Tote, so viele Verletzte, soviel Zerstörung – das haben wir Syrer wirklich satt. Wir selbst haben in den letzten zehn Jahren so viel Schlimmes erlebt, Angehörige verloren, wir mussten fliehen. Das darf sich jetzt nicht wiederholen.»

In der türkischen Backstube lebt der Nationalismus

Beim Besuch beim türkischen Bäcker Ahmet Kaya in Sanliurfa tönt es ganz anders. Der Bäcker sagt: «Mittlerweile bin ich hier von Syrern umzingelt. Deshalb hängt bei mir die türkische Fahne. Die sollen sehen, dass wir für unsere Nation auch sterben!»

Mittlerweile bin ich hier von Syrern umzingelt.
Autor: Ahmet KayaBäcker

Seine Backwaren sind auf alle Fälle sowohl bei Türken als auch bei Syrern beliebt. Doch die Liebe geht im türkisch-syrischen Grenzgebiet leider nicht durch den Magen.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Hunderttausende vor der Umsiedlung – Doch wollen sie das?
    Hatten wir Solches nicht schon mal... im 3ten Reich???
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  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Die Frage ist: "Darf die Türkei das völkerrechtlich?" Man kann doch nicht einfach Menschen aus Ihren Häusern vertreiben, um dort andere Flüchtlinge anzusiedeln. Das ist ja wie im 2. Weltkrieg. Wo ist der UNO-Sicherheitsrat? Seit 10 Jahren herrscht dort Arbeitsverweigerung in Bezug auf den Krieg in Syrien. Wo sind die "Bewegten" welche gegen den russischen Einmarsch auf der Krim vorgegangen sind?
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
      Es ging in Israel wieso nicht in Syrien. Wieso darf es Israelische Regierung, aber Erdogan nicht? das ist die Spannende frage? Es ist nicht immer wichtig was gemacht wird sondern wer es tut!
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  • Kommentar von S. Borel  (Vidocq)
    Offensichtlich haben die meisten Kommentatoren hier nicht verstanden um was es hier geht: Erdogan will Millionen von nicht-kurdisch-syrischen Flüchtlingen auf dann besetztes Kurdengebiet ansiedeln um ein mögliches Kurdistan zu verunmöglichen... sowas nennt sich ethnische Säuberung und Vertreibung.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Indem Sie die Durchmischung der Bevölkerung als ethnische Säuberung bezeichnen, legitimieren Sie die Bestrebungen der Kurden, sich vor anderen Völkergruppen abzuschotten. Wenn eine Völkergruppe ihr Territorium derart geschlossen halten will, dass sie Zugehörige keiner anderen dort zulässt, wie nennen Sie das denn?
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    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Und was macht Erdogan mit den kurdisch-syrischen Flüchtlingen die
      sich Irgendwo in der Türkei aufhalten ? Ist das dann eine nächste Säuberung? Ich nehme an, jetzt sind es die Flüchtlinge vor allem aus
      Lagern.Und Kurdistan im Osten der Türkei, ab Diyabakir, die er schon seit Jahren ständig angreift.
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