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Syrien Diplomatin: «Geflohene IS-Kämpfer sind eine Gefahr für Europa»

In Syrien sind IS-Kämpfer aus Gefängnissen geflohen. Unter ihnen sind keine Schweizer, sagt Top-Diplomatin Monika Schmutz Kirgöz. Sie erklärt: Vier Schweizer IS-Anhänger sitzen immer noch in syrischen Lagern.

Monika Schmutz Kirgöz

Diplomatin und Botschafterin

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Nach dem Studium der Politikwissenschaft an der Universität Lausanne doktorierte Monika Schmutz Kirgöz in Entwicklungsökonomie am Nadel Zentrum für Entwicklung und Zusammenarbeit der ETH Zürich. Seit 1996 arbeitet sie im EDA und war Schweizer Botschafterin im Libanon und in Italien. Seit 2025 leitet sie die EDA-Abteilung Mittlerer Osten und Nordafrika.

SRF News: Bei den Kämpfen in Syrien sollen IS-Kämpfer aus kurdischen Gefängnissen geflohen sein. Was wissen Sie über die Schweizer IS-Anhänger?

Monika Schmutz Kirgöz: Unsere Informationen besagen, dass drei Schweizer Männer und eine Frau mit ihrem Kind weiterhin in den Lagern im Nordosten von Syrien inhaftiert sind. Sie sind nicht unter den Geflohenen. Wir wissen, wo sie sind und dass es ihnen den Umständen entsprechend geht. Die Bedingungen in diesen Lagern sind natürlich alles andere als gut.

Was ist die Perspektive für diese Schweizer? Eine Rückkehr ist ausgeschlossen?

Sie haben im Moment keine Perspektive. Eine Rückkehr in die Schweiz ist für uns aus Sicherheitsgründen nicht denkbar, das stützt sich auf einen Bundesratsbeschluss von 2019.

Zwei bewaffnete Personen vor einem Tor auf einem Wüstenweg.
Legende: Das Camp in Nordosten Syriens wird streng bewacht. Keystone / MOHAMMED AL-RIFAI

Wir verfolgen aber eine neue Entwicklung: Die Amerikaner haben angekündigt, zusammen mit der syrischen Übergangsregierung die Inhaftierten in irakische Hochsicherheits­gefängnisse zu transferieren. Wir beobachten genau, ob dies auch die Schweizer betreffen wird.

Besteht durch die Geflüchteten eine Gefahr für Europa?

Ja, es ist eine Gefahr für Europa. Das muss man nicht schönreden.

Ein weiterer Brennpunkt ist der Iran. Die USA haben Flugzeugträger in die Region verlegt. Braut sich dort ein Krieg zusammen?

Die USA zeigen dem Iran sehr deutlich: Wir sind da und können jederzeit losschlagen. Neu ist aber die Haltung der Golfstaaten. Sie haben klargemacht, dass sie für eine weitere Intervention im Iran nicht zur Verfügung stehen und Angriffe nicht über ihr Territorium erfolgen dürfen. Ich stehe täglich mit unserem Botschafter in Kontakt. Die Lage ist unberechenbar.

Trump droht und der Iran wendet sich an Verbündete

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Iranische Regierungsvertreter wandten sich wegen der Gefahr eines möglichen US-Militärschlags gegen ihr Land an den gesamten Nahen Osten. Zwei Länder, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, haben signalisiert, dass sie die Nutzung ihres Luftraums für einen Angriff nicht zulassen werden.

Der Iran weist mittlerweile die Forderungen von US-Präsident Donald Trump zurück, sein Atomprogramm einzuschränken.

Zuvor hatte Trump dem Iran mit einem militärischen Eingreifen wie in Venezuela gedroht. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump: «Hoffentlich wird der Iran schnell an den Verhandlungstisch kommen und ein faires und gerechtes Abkommen aushandeln – KEINE ATOMWAFFEN – das für alle Parteien gut ist.» Trump droht andernfalls mit einem Militäreinsatz.

Zuvor hatte Irans Aussenminister Abbas Araghtschi gesagt: «Diplomatie und gleichzeitig militärische Drohungen sind weder effektiv noch nützlich (...) Wenn die USA Verhandlungen führen wollen, müssen sie Drohungen und unlogische Forderungen beiseitelegen.» Der iranische Spitzendiplomat sagte weiter: «Es ist inakzeptabel und kann auch nicht als Diplomatie bezeichnet werden, wenn eine Seite ihre Ziele mit Gewalt erreichen will.» Ausserdem habe der Iran von den USA noch keinen Vorschlag für diplomatische Verhandlungen erhalten.

Wie fest sitzt das Regime nach dieser Gewaltwelle noch im Sattel?

Ich denke, immer noch relativ fest. Die Revolutionsgarden kontrollieren bis zu 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und stützen sich auf über eine Million Milizionäre im ganzen Land. Das ist ein gewaltiger Repressionsapparat. Analysten sagen auch, dass es im Moment keine glaubwürdige oder organisierte Opposition gibt, die einen Wechsel herbeiführen könnte.

Die Schweiz wurde zu Trumps «Board of Peace» eingeladen. Wann wird der Bundesrat entscheiden?

Ich bin sehr froh, dass unsere Mühlen langsam mahlen. Wir müssen das im Detail analysieren. Was mich erstaunt hat: In der Charta dieses Friedensrates kommen Gaza und der Nahe Osten gar nicht vor.

Der Bundesrat fällt bald eine Entscheidung.

Da gibt es Ungereimtheiten, bei denen man zurückfragen muss. Übrigens sind fast alle europäischen Länder in der gleichen Situation und zögern ebenfalls. Der Bundesrat fällt aber bald eine Entscheidung.

Das Gespräch führte David Karasek.

Tagesgespräch, 28.01.26, 13 Uhr ; 

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