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Teil-Rückzug der US-Truppen «Die USA wollen Iran in Schach halten»

200 Soldaten will Trump in Syrien belassen. Israel kann aufatmen, die Kurden hingegen nicht, so ein Sicherheitsexperte.

Legende: Audio Guido Steinberg: «Ergebnis israelischer Lobby-Arbeit» abspielen. Laufzeit 04:57 Minuten.
04:57 min, aus SRF 4 News aktuell vom 22.02.2019.

Gross war die Aufregung kurz vor Weihnachten, als US-Präsident Donald Trump per Tweet ankündigte, sämtliche Truppen aus Syrien zurückzuziehen. Nun relativiert die Regierung: Die USA würden nun doch mit rund 200 Soldaten in Syrien präsent bleiben, erklärte die Sprecherin des Weissen Hauses.

Das ist ein Zehntel der ursprünglich in Syrien stationierten US-Soldaten. Sicherheitsexperte Guido Steinberg ist überzeugt: Diese 200 Mann können durchaus noch etwas im Land bewirken. Er geht davon aus, dass diese auf der Basis Al-Tanf an der irakisch-syrischen Grenze stationiert sind. US-Sicherheitsberater John Bolton sei es ein grosses Anliegen gewesen, diese Militärbasis zu bewahren. «Und wenn sich die These mit Al-Tanf bewahrheitet, geht es den USA im Südosten Syriens vor allem darum, Iran in Schach zu halten.»

Karte von Syrien, Jordanien und Irak, eingezeichnet al-Tanf
Legende: Die USA unterhalten in der Nähe des syrischen Grenzübergangs Al-Tanf eine Militärbasis. SRF

Die Iraner spielen in Syrien eine wichtige Rolle. Sie kommandieren Milizen, die aus Libanesen, Afghanen, Irakern und Iranern bestehen und das Assad-Regime unterstützen. In den letzten zwei Jahren haben die iranischen Milizen versucht, eine Landverbindung zu schaffen: Vom Iran über den Irak nach Syrien bis zur israelischen Grenze, um militärisches Gerät und Truppen zu verschieben. «Und diese Landverbindung wird nur an einer Stelle empfindlich gestört: An der Al-Tanf-Basis», so Steinberg.

Guido Steinberg

Guido Steinberg

Islamwissenschaftler an der SWP Berlin

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Steinberg ist Sicherheitsexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, Link öffnet in einem neuen Fenster in Berlin. Bis 2005 arbeitete er als Terrorismusreferent für die deutsche Regierung. Jetzt forscht er zur Politik des Nahen Ostens und zum islamistischen Terrorismus.

Steinberg hält es für möglich, dass die 200 Soldaten ausreichen, um Iran davon abzuhalten, die Landverbindung weiter auszubauen. Die europäischen Verbündeten – Frankreich und Grossbritannien – haben in den letzten Wochen wiederholt gesagt, dass sie bereit wären, Spezialkräfte in Syrien zu belassen, wenn auch die USA weiterhin ein Kontingent dort stationieren. «Wir sprechen also von einigen hundert Mann mehr.»

Flugzeuge auf einem Flugzeugträger im Persischen Golf
Legende: Die in Syrien stationierten US-Soldaten können Luftangriffe vom Persischen Golf her anleiten. Reuters

Zudem seien die US-Soldaten in der Lage, Luftangriffe von amerikanischen Flugzeugen anzuleiten, die im Persischen Golf oder in der Türkei auf Flugzeugträgern stationiert sind. «Das kann bedeuten, dass die Iraner das Ziel, eine Landverbindung zu schaffen zwischen ihren Einsatzgebieten, nicht erreichen können.» Und darum scheine es der Trump-Administration zu gehen, glaubt Steinberg.

Wir sehen in den verbleibenden US-Soldaten das Ergebnis israelischer Lobby-Arbeit.

Israel hat die USA dazu aufgefordert, Truppen in Syrien zu belassen. «Die Israelis fühlen sich von den Iranern bedroht», so Steinberg. Diese bauen seit Jahren an einer militärischen Infrastruktur in Syrien: Sie besitzen Waffenfabriken und Raketenbasen, die sie ausbauen möchten – nach dem Muster der libanesischen Hisbollah. «Wir sehen das Ergebnis der israelischen Lobby-Arbeit.» Aber die USA stehen den Israelis so freundlich gegenüber, dass sie automatisch berücksichtigen, was in Tel Aviv gedacht werde, erklärt der Experte.

Vier sitzende Männer mit Waffen pausieren vor einem Gebäude
Legende: Die kurdischen Kämpfer im Norden können nicht aufatmen – sie müssen befürchten, dass sie von der Türkei angegriffen werden, so Steinberg. Keystone

Dass 200 US-Soldaten in Syrien bleiben sollen, ist also vor allem eine gute Nachricht für Israel. Doch die Kurden im Norden können nicht aufatmen: «200 Soldaten werden nicht genügen, die Kurden vor den Türken zu schützen», so Steinberg. Wenn die 200 Mann, wie er annimmt, in Al-Tanf stationiert sind, werden die Basen im Norden geräumt. «Dann haben die Türken weitgehend freie Hand.»

Karte Syrien

Die Türkei müsste zwar sicherlich mit dem Regime in Syrien und vor allem mit den Russen verhandeln. Aber die Kurden werden auch nach dem Teil-Abzug in einer gefährlicheren Umgebung leben, schätzt Steinberg. «Sie müssen befürchten, dass sie angegriffen werden.» Oder, dass sie sich zurück in die Obhut des Regimes in Damaskus begeben müssen.

Legende: Video Stunde der Wahrheit am Euphrat abspielen. Laufzeit 29:10 Minuten.
Aus #SRFglobal vom 07.02.2019.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Es gibt unzählige Frage auf welche kein westliche Journalist sich bemüht hat ein Antwort zu geben. Wie kann sein, dass IS so viel Toyota wagen nach Syrien gebracht hat unter totale Us Lüftüberwachung? Wie hat IS geschaft so viel Gebiete zu erobern wo US Truppe present sind? Was machen IS Kämpfer in Al Tanaf Base? Wieso Assad gesamte Kriegszeit keine C Waffen benutzt hat aber wo er nah war Krieg zu gewinnen zu C Waffe griff? Wieso Chlor Gas benutzen welche kaum Menschen umbringt?...
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    1. Antwort von Stanic Drago (Putinversteher)
      Ich habe noch Frage auf welche mir ein Journalist Antwort geben soll. An welchen Recht basiert US Presentz in Syrien auf? Welche Angrife haben Französe in letzte 6 Jahre in Syrien durchgeführt? Wieso oft nach einen US Luftangriff auf SAA Positionen sofort eine Ofensive von IS folgte? Wie ist möglich IS 6 Jahre lang Truppe und Material durch Wüste zu fahren ohne Angst von Luftangriffen? Wie ist möglich SDF in eine Nacht ohne Kämpfe alle grösse Öl Felder von IS zu erobern und dabei 114km vorrücken
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Die USA haben nach jedem Krieg Militärbasen zurück gelassen, sei es in Deutschland, Italien, Japan, Kosovo, Libyen, Afghanistan, Georgien, uvm- selbstverständlich immer auf Kosten des "Gastlandes". In diesem, von den USA verlorenen Krieg, geht es nun um den Schutz Israels vor der Hisbollah, die schon seit Jahrzehnten versucht eine Landbrücke vom Iran bis nach Israel herzustellen, um endlich die Israelischen Angriffe auf Syrien zu stoppen. Ebenso verlangen Syrien und Libanon die Golanhöhen zurück
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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Hundert Soldaten will er dort lassen? Dann kann er sie gleich abziehen, dies kommt aufs gleiche an. Wie sollen 100 Soldaten die Einheimischen gegen den IS und andere Terroristen unterstützen?
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    1. Antwort von Stanic Drago (Putinversteher)
      Glauben Sie wirklich, dass Toyotas Wagen in Wüste wachsen? USA hat in Irak 26 Militär Base und dort ist IS entstanden. Mit ilegalen Einmarsch USA in Syrien ist auch IS in Syrien einmarschiert. Nach 2 Jahren US Luftüberwachung ist IS gelungen 60% Syrien zu erobern. Können Sie mir erklären wie militärisch das möglich ist? Oder denken Sie, dass IS kann sich von Ort zu Ort beeben? Wieso heute noch in Al Tanaf gibt Milizen welche IS nah stehen?
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