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«Text me when you get home»
Aus News Plus vom 15.03.2021.
abspielen. Laufzeit 20:33 Minuten.
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#TextMeWhenYouGetHome Der Blick über die Schulter als ewiger Begleiter

Am 3. März verschwand die Britin Sarah Everard abends auf dem Heimweg, eine Woche später fand man ihre Leiche. Der Vorfall löste eine Social-Media-Debatte um die Sicherheit von Frauen aus. Tausende Frauen teilen seither unter dem Hashtag #TextMeWhenYouGetHome ihre Erfahrungen.

Der Mord an Sarah Everard bewegt viele Menschen weltweit. Ein Polizist wurde wegen mutmasslicher Entführung und Mordverdacht festgenommen. Die Tragödie führt nun zu Diskussionen um die Sicherheit von Frauen: Über die sozialen Medien tauschen Frauen ihre Erfahrungen aus und geben sich Tipps, wie man sich vor Übergriffen schützen kann.

Wie aktuell das Thema ist, zeigt der Instagram-Post der Influencerin Lucy Mountain, welcher momentan über 2 Millionen Likes und 15 Tausend Kommentare zählt. Auch die Proteste vom vergangenen Wochenende in Grossbritannien zeigen: Die Problematik ist aktueller denn je.

«Dieser Satz ist die Essenz eines jeden Abschieds»

Wir haben die Community auf den sozialen Medien von SRF gefragt, wie sie mit solchen Situationen umgeht und welche Erfahrungen sie mit Übergriffen durch männliche Täter gemacht hat. Mehrere hunderte Frauen haben sich zu Wort gemeldet und bestätigt, dass der Satz «Schreib mir, wenn du zu Hause bist» bei nahezu jedem Abschied ausgesprochen wird.

Doch selbst diese Nachricht, und die damit verbundene Absicherung, bietet vielen nicht die gewünschte Sicherheit auf dem Heimweg. So schreibt Lorri G. auf Facebook, dass sie jeweils so tut, als ob sie telefonieren würde und dabei laut sagt, dass sie gleich da sei. SRF-Userin @enigmaticaljea schreibt auf Instagram, dass sie zusätzlich auch noch jeweils ihren Live-Standort mit einer Freundin teilt.

Wenn ich nichts gehört habe, dann ruf ich sie am nächsten Morgen gleich an oder schreib nochmals. Immer.
Autor: @strandedmermaid_SRF-Userin Instagram

«Der Blick über die Schulter als ewiger Begleiter»

Doch nicht nur nachts machen sich SRF-Userinnen Sorgen um ihre persönliche Sicherheit. Userin @frutafresca30 beschreibt, dass sie auch schon beim morgendlichen Joggen sexuell belästigt wurde, indem sich ein Mann vor ihr entblösst hat.

Auch @steffimarla berichtet, dass sie schon bei Tageslicht bei einer Fahrradfahrt von Männern im Auto verfolgt wurde. Isabelle M. beschreibt auf Instagram, wie sie auf dem Nachhauseweg an eine Wand gedrückt wurde und an ihren Brüsten angefasst wurde. Retten konnte sie sich nur durch das Klingeln bei Fremden und der Aussage, dass ihr Freund an dieser Adresse wohne.

Ich wünschte, jeder könnte sich zu jeder Tageszeit ohne Furcht im öffentlichen Raum bewegen.
Autor: Sari G.SRF-Userin Facebook

Die Tipps der Community

Neben emotionalen und sehr offenen Gesprächen rund um Erfahrungen hat die Community auch verschiedene Tipps ausgetauscht, um die Sicherheit auf dem Heimweg zu erhöhen:

  • Sich von einer bekannten Person begleiten lassen
  • Eine Nachricht versenden, wenn man zu Hause angekommen ist
  • Den Live-Standort teilen
  • Mit einer bekannten Person telefonieren
  • Applikationen wie WayGuard, enCourage oder KommGutHeim verwenden

Meinung einer Expertin zu Ratschlägen gegen sexuelle Übergriffe

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Agota Lavoyer, stellvertretende Leiterin der Lantana Opferhilfe für sexuelle Gewalt, sieht solche Ratschläge kritisch, denn diese würden das Kernproblem der sexuellen Übergriffe nicht lösen. Ratschläge könnten nach einem Übergriff zudem dazu führen, dass sich das Opfer für den Übergriff schuldig fühle, wenn es die Ratschläge nicht umsetzen konnte. Wichtig sei es, den Fokus weg von den Frauen hin zu den übergriffigen Männern zu richten. Zudem müsse man gezielt Aufklärung betreiben und den gegenseitigen Respekt fördern, um so künftige Übergriffe zu vermeiden.

Trotz verschiedener Applikationen und Tipps zur Erhöhung der Sicherheit stellt sich aber die grundlegende Frage: Welche gesellschaftlichen und politischen Veränderungen sind notwendig, um diese Fälle so gut als möglich zu verhindern?

Erzählen Sie uns in den Kommentaren von Ihren Erfahrungen: Sagen Sie Ihren Freundinnen beim Verabschieden: «Schreib mir, wenn du zu Hause bist»? Welche Strategien wenden Sie an, um sicher nach Hause zu kommen? Wie könnte man künftig viele solcher Fälle verhindern und was können Männer tun, um Frauen mehr Sicherheit zu geben?

Hier finden Sie Hilfe bei sexueller Belästigung und Missbrauch

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Bei sexueller Belästigung und sexuellem Missbrauch stehen folgende Stellen zu Ihrer Unterstützung und Beratung zur Verfügung:

SRF 4 News, 17:15 Uhr, 15.03.2021

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43 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Stocker  (BeaSt)
    Ich wünsche niemandem das antrainierte Defensivdenken aus 35 Jahren auf Motorrädern; aber die Tatsache, dass ich mit Fehlern meiner Verkehrspartner gerechnet habe, retette mir oft das Leben. Ich konnte schneller reagieren, weil ich auf Anzeichen von erwartetem Verhalten geachtet habe und Llsungen im Ärmel bereithielt.
    Auch Frauen könnten die ihrem Geschlecht eigene (allzu) positive Erwartungshaltung (was grundsätzlich sympathisch ist) für ein ein kritischeres Denken aufgeben.
  • Kommentar von Alessandro Maurer  (Maurerbua)
    Schöne, zivilisierte Welt, in der Frauen sich immer noch fürchten müssen, ungewollt an den Haaren in eine Höhle geschleppt zu werden (bestenfalls).

    Ein erster Schritt und ein wichtiges Signal wäre doch von staatlicher Seite, dass Delikte gegen Leib und Leben endlich härter bestraft werden als Vermögensdelikte (6M bis 10 J bei schwerer Körperverletzung, das gleiche gilt bei Raub). Mir ist bewusst, dass bei Raub auch schwere Körperverletzung enthalten sein kann...ja aber eben kann...
    1. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      Vermögensdelikte können genau so schlimm sein wie Körperverletzung (oder noch viel schlimmer) - es kommt auf die Höhe der Geldsumme und die Anzahl der Betroffenen an.
  • Kommentar von Verena Bensaddik  (V. Bensaddik)
    Ich habe des öftern meine alte Schiri-pfeife dabei, je nach Ort sogar einsatzbereit im Mund. Das Ding ist laut und schrill. Ich hoffe, dass es bei Bedarf genug Aufmerksamkeit erregen würde, um einen Angreifer zu vertreiben und Hilfe anzufordern.
    Wenn möglich vermeide ich aber, nachts allein durch eher menschenleere Strassen oder Pärke zu gehen.