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Die vergessene Insel
Aus Rendez-vous vom 27.04.2021.
abspielen. Laufzeit 05:12 Minuten.
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Thailand Auf Koh Phayam gibts kein Corona – aber auch keine Touristen

Viele Inselbewohner haben Koh Payam verlassen. Die, die geblieben sind, machen das beste aus der Situation. Ein Besuch.

Der Sandstrand auf der Westseite von Koh Phayam erstreckt sich kilometerlang. Kein Mensch ist zu sehen, nur ein paar Krabben huschen über den Sand, um sofort in ihren Löchern zu verschwinden. Wenige Meter entfernt liegen die Hornbill Huts, einfache Holz- und Betonbungalows ohne Klimaanlagen.

Nur einer seiner 20 Bungalows sei zurzeit belegt, sagt Adisak Kawpong, der Besitzer der Anlage. «Bevor es mit Covid-19 losging, hatten wir nur europäische und amerikanische Touristen hier, wir nennen sie Farang.» Die Farang blieben meist einige Wochen oder Monate, doch seit Ausbruch der Pandemie kommen sie nicht mehr. Thailand vergibt zwar wieder Touristen-Visa, aber wer ins Land einreist, muss zwei Wochen in die teure Hotelquarantäne.

Jetzt kämen nur noch die Einheimischen, sagt Kawpong und seufzt: «Die thailändischen Touristen, die auf die Insel kommen, haben keine Zeit und bleiben nur eine oder zwei Nächte. Anders als die Ausländer fürchten sich die Thailänder vor allem: der Dunkelheit, den Spinnen und Geckos. Und sie wollen ein klimatisiertes Zimmer. Für uns bedeutet das viel mehr Arbeit.»

Einige Besitzer der meist kleinen Hotelanlagen haben die Insel längst verlassen, sodass einfache Hotels und Restaurants an manchen Orten bereits verfallen. Andere, die auf die Insel gekommen sind, weil sie explizit ein anderes Leben suchten, sind geblieben. Zum Beispiel die Japanerin Chiyoko Yamaguchi. Am Südende der Insel, mitten auf einer Gummi-Plantage, führt sie ihr kleines Restaurant.

Die Japanerin kam vor 30 Jahren auf die Insel, um sich ein Ferienhaus zu bauen. Als sie kurz darauf einen Hund adoptierte, blieb sie. Jetzt besitzt sie eine Gummi- und Cashewnuss-Plantage mit 6000 Bäumen, ein Gästehaus und ein Restaurant. Erst seit einem halben Jahr hat sie rund um die Uhr Strom, Wasser holt sie aus einem Brunnen.

Sie liebe Herausforderungen, sagt Yamaguchi: «Die Pandemie sehe ich nicht als etwas Schlechtes: Wir haben keine Corona-Fälle hier, wir sind sicher – und ich habe Zeit, neue Projekte anzupacken.» Wie viele auf der Insel mache sie nun wieder möglichst alles selbst: Brot, Pasta, Mayonnaise. Ihre Plantage will sie in eine Kokosnuss-Plantage umwandeln. «Das bringt mehr Geld», so Yamaguchi.

Überall auf der tropischen Insel riecht es nach den überreifen Früchten der Cashewbäume. Früher förderte die Regierung den Anbau von Cashew- und Gummibäumen, aber seit die Preise ins Bodenlose gefallen sind, haben die Inselbewohner auf Tourismus umgeschwenkt. Die ganze Insel ist jedoch weiterhin Landwirtschaftszone, alle Hotels sind damit offiziell illegal. Deshalb bekommt niemand Hilfe von der Regierung.

Vor den Hornbillhütten hat auch Adisak Kawpong Cashewnüsse zum Trocknen ausgelegt. «Viel verdienen kann man damit nicht, aber Gärtner sind ja auf der ganzen Welt nicht reich», sagt der Inselbewohner. Er zeigt auf die Zitronen, Papaya und Bananenstauden, die er nun angepflanzt hat, um über die Runden zu kommen. Sie sehen eher kümmerlich aus. Seit Monaten hat es nicht mehr geregnet, es fehlt überall auf der Insel an Wasser.

Beklagen will sich Kawpong aber nicht: «In anderen Ländern werden die Leute verrückt, wenn sie kein Geld und keine Arbeit haben. Hier sagen wir: Kein Problem, jetzt gehen wir einfach mehr spazieren und geniessen die Vögel, die zurückgekommen sind. Andere Leute müssen viele Jahre sparen, um auf eine Insel wie die unsere zu kommen. Ich lebe hier. Das macht mich glücklich.»

Rendez-vous, 27.4.2021, 12:30 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Semat Özen  (Semat)
    @srf: Hippy Bar ist ein schlechtes Beispiel für euer Bericht. Drogen höhle und für Frauen nicht geeignet. Ich war dort und es gibt schönere Plätze dort
  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Alle "Ferienparadise" weltweit erleben aufgrund dieser Corona-Virus-Pandemie wirtschaftlich schwierige Zeiten. Doch viel besser, Covid-19-frei zu sein, ohne die ganzen zusätzlichen Einschränkungen. Sobald diese Pandemie wieder einigermassen unter Kontrolle gebracht sein wird, so bleibt jedenfalls zu hoffen, werden die Ferienhungrigen besonders gerne dorthin reisen wollen, wo Covid-19 nicht derart grausam zugeschlagen hat. Eine Insel ohne Covid-19 ist heute "das wahre Paradies unter der Sonne"!
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    ...und so muss es auch bleiben, das ist doch wohl logisch! Wer während der weiter aktiven Pandemie herumreist, handelt verantwortungslos und egoistisch!
    1. Antwort von Max Weiss  (Zitadelle)
      Wer von anderen verlangt, dass sie sich für seine eigene Sicherheit einschränken handelt genau so egoistisch.
    2. Antwort von Michael Gutmeyr  (Cambodia)
      Wenn man sich auch im Ausland an die Richtlinien hält (was selbstverständlich sein sollte), macht es keinen Unterschied, wo man ist. Oder kann man sich in der Schweiz nicht anstecken?
    3. Antwort von Joel Karrer  (Joel Karrer)
      Ich sehe kein grosses Problem, wenn man reist und sich an die Gesetze und Vorschriften handelt. Aber Hr. Weiss es ist ein Unterschied, ob ich Einschränkungen erwarte um nur mich alleine zu schützen, oder doch die Allgemeinheit und das Volk. Inwiefern ist das egoistisch?
    4. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Das sehe ich anders. Wer nach Thailand reist, die zwei Wochen Hotelquarantäne absitzt, die übrigens nicht sooo teuer ist, und dann längere Ferien auf einer Insel macht, bietet den wirtschaftlich arg gebeutelten Thai Arbeit und Einkommen. Für den Rückflug braucht es einen negativen Test, und wer weiss? vielleicht ist der Passagier ja auch schon geimpft.
    5. Antwort von Conny Hasler  (conhas)
      @ Max Weiss
      was genau wollen Sie sagen?wenn ich während einer Pandemie von meinen Mitmenschen wünsche,dass sie sich und mich mit ihrem Verhalten schützen,was genau ist daran egoistisch?