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Zerstörte Tourismusindustrie in Thailand
Aus Rendez-vous vom 11.08.2020.
abspielen. Laufzeit 04:30 Minuten.
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Tourismusindustrie am Boden «Amazing Thailand» erstarrt in der Angst vor dem Virus

Für Thailand sind Touristen eine wichtige Einkommensquelle – oder besser: waren es. Corona hinterlässt verbrannte Erde.

Mit «Amazing Thailand», dem wunderbaren Thailand, bewirbt die thailändische Tourismusbehörde ihr Land. Mit einem Kameraflug führt das Werbevideo über grüne Reisfelder, Mönche und Tempel, auf Massagetische und in Thai-Box-Stadien bis zum Infinity Pool eines Nobelhotels.

«Alles vorbei», sagt Nida, die ein kleines Familienhotel mit 14 Zimmern in Krabi im Süden von Thailand führt, über Whatsapp. Von Februar bis April seien sie normalerweise immer ausgebucht, aber in diesem Jahr seien alle Buchungen storniert worden: «Ausländer können nicht mehr kommen, Hilfe von der Regierung gibt es keine. Ich musste die Löhne meiner Angestellten kürzen und verkaufe jetzt billiges Essen am Strand an einheimische Touristen.»

Aderlass für Tourismusindustrie

Im vergangenen Jahr kamen fast 40 Millionen ausländische Besucherinnen und Besucher nach Thailand. Ihre Ausgaben trugen mehr als 11 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei – doch seit März kann kein ausländischer Tourist mehr ins Land einreisen.

Koh Phangan
Legende: Tristesse auf Koh Phangan: Seit Monaten sind die Grenzen für ausländische Touristen geschlossen. Eine Ende ist nicht in Sicht. Keystone

Ein herber Schlag für die Tourismusindustrie in Thailand, sagt Tobias Fischer vom Reiseunternehmen «Go Vacation Thailand». Der Schweizer lebt seit zwanzig Jahren im Land: «Wir haben einige Krisen erlebt: da war Sars, der Tsunami, politische Demonstrationen. Wir hatten immer wieder Krisen, aber nie in diesem Ausmass. Das Sommerbusiness ist ausgefallen und wann das Winterbusiness kommt, können wir leider nicht abschätzen.»

Die Thais haben eine Angst vor dem Covid, das ist kaum zu glauben.
Autor: Luzi MatzigReiseunternehmen Asian Trails

Go Vacation musste seit März fast einen Drittel der Belegschaft entlassen, den restlichen Angestellten wurden die Saläre gekürzt. Ähnlich sieht es bei Luzi Matzigs Reiseunternehmen Asian Trails aus, wo den meisten der fast 700 Angestellten in Asien der Lohn um die Hälfte gekürzt wurde.

Der Schweizer lebt seit fast fünfzig Jahren in Thailand. Er hat nebst dem Reisebüro auch mehrere Luxushotels in Thailand und anderen Ländern Südostasiens aufgebaut – die meisten seien wegen Corona geschlossen.

Mit dem Rücken zur Wand

Nur dank Krediten der Bank könne er die Hotels halten, sagt Matzig: «Die Regierung hilft überhaupt nicht. Wir haben mit allen unseren Associations versucht, dass die Grenzen wieder geöffnet werden, dass die Touristen wieder kommen können. Aber bisher ohne Erfolg.»

Für die Tourismusindustrie sei das äusserst negativ. Die Regierung sei sehr, sehr strikt, beklagt Matzigs. «Die Thais haben eine Angst vor dem Covid, das ist kaum zu glauben.»

Noch hoffen wir, dass gegen Ende dieses Jahres die Touristen vielleicht, vielleicht zurückkommen können.
Autor: Tanes PetsuwanStaatliche Tourismusbehörde

Dabei ist Thailand in der Pandemie mit 58 Toten und etwas mehr als 3000 Ansteckungen bisher sehr glimpflich davon gekommen. Neuansteckungen gibt es seit Monaten nicht mehr – und das müsse auch so bleiben, sagt die thailändische Regierung und lässt deshalb die Grenzen geschlossen.

Sie versucht nun den lokalen Tourismus anzukurbeln, indem sie thailändischen Touristen einen Teil des Urlaubs im eigenen Land bezahlt. Noch aber weiss niemand, wann die Grenzen für ausländische Touristen wieder geöffnet werden.

Keine wirkliche Perspektive

Auch Tanes Petsuwan von der staatlichen Tourismusbehörde wagte Anfang Juli nur vorsichtige Prognosen. «Noch hoffen wir, dass gegen Ende dieses Jahres die Touristen vielleicht, vielleicht zurückkommen können», sagte er an einer Veranstaltung im Foreign Correspondents Club in Bangkok. «Aber auch dann wird sich alles verändern. Massentourismus und grosse Gruppenreisen wird es nicht mehr geben.» Viele Hotels und Reiseunternehmen wohl auch nicht mehr.

Rendez-vous vom 11.08.2020, 12:30 Uhr

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Joerg Lehmann  (lejo.moo3)
    Was ist falsch wenn man prioritär die restlichen 90% unterstützt. Ich lebe hier auf dem Land in mitten dieser 90% und sehe wie gut die Unterstützung ist.
    Die Wirtschaft wird auch hier unterstützt/gefördert wie in der Schweiz und überall.
    Die medizinische Versorgung in Thailand ist gut, für Thais ab 60 gratis. Öffentliche Spitäler können auch von Ausländer benutzt werden und sind sehr gut. Bitte nur Kommentare von Kennern! Nicht von Infos aus der Boulvardpr. und den Ferienhotspots,
    Danke!
    1. Antwort von Lars Benvenido  (Swisslars)
      Ich habe auch in Thailand gelebt und muss Ihre Lobhuddelei doch etwas korrigieren. Die staatlichen Hilfen sind geldmässig sehr bescheiden und beschränken sich mehr auf Hilfen für Grundnahrungsmittel für die Bevölkerung. Die medizinsche Versorgung in Thailand ist top. Wenn man Geld hat. Und als Ausländer wird man ziemlich abgezockt. Die staatlichen Spitaler, sind zwar relativ günstig, haben aber einen bescheidenen Standard. Im Tourismus sind ca. 4 mio Thais tätig. Ob die alle so happy sind ?
  • Kommentar von Joerg Lehmann  (lejo.moo3)
    Richtigstellung: Jeder Verstorbene aus dem kleinsten Dorf kommt ins Spital zur Diagnose der Todesursache. Freigabe erfollgt durch den Arzt, ab 60 kostenlos! Lebe hier in einem Dorf auf dem Lande mit Grossfamilie meiner Frau.
  • Kommentar von Daniela Langenauer  (Daniela L.)
    Thailand hat im Feb. + März ein vorbildliches Contact Tracing gemacht. Die Cluster wurden konsequent abgeklärt, getestet und isoliert. Nun einfach zu sagen, die hätten ohnehin ein schlechtes Gesundheitssystem, lässt die Entwicklung der letzten Jahrzehnte völlig ausser Acht. Vermutlich hilft auch die Thailändische Kultur, dass nicht so enge körperliche Kontakte mit Zufallsbekannten stattfinden wie bei uns.