Korruption ist ein weltweites Phänomen – und geschieht oft im Verborgenen. Der jährliche Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International versucht, Licht ins Dunkle zu bringen. Drei Erkenntnisse aus dem aktuellen Bericht.
Bericht von Transparency International
1. Korruption ist weltweit auf dem Vormarsch
Korruption nimmt laut Transparency International weltweit zu. Deutliche Rückschritte seien mittlerweile nicht nur in autoritären Staaten, sondern auch in Demokratien zu verzeichnen.
«Dort, wo der Rechtsstaat geschwächt ist, die Freiheit der Medien und der Zivilgesellschaft beschnitten werden, breitet sich Korruption rasch aus, weil es keine Kontrollinstanzen mehr gibt», sagt Alexandra Herzog, Vorsitzende von Transparency International Deutschland.
Besonders frappant zeige sich dies am Beispiel von Ungarn: Innerhalb der letzten zwölf Jahre habe das Land im Index stetig an Punkten eingebüsst und sei mittlerweile das Schlusslicht innerhalb der EU.
2. Musterschüler in Sachen Korruptionsbekämpfung
Dänemark erreicht von allen ausgewerteten 182 Ländern zum achten Mal in Folge den Spitzenplatz. Es folgen Finnland und Singapur. Die Schweiz hat im Vergleich zum letzten Jahr einen Platz eingebüsst und liegt neu auf Rang 6, zusammen mit Schweden.
Der Schweizer Ableger von Transparency International sieht darin einen beunruhigenden Abwärtstrend: Die neue Anti-Korruptionsstrategie des Bundes sei zwar ein wichtiges Instrument, weise aber Lücken auf.
So fehle etwa die Förderung der Transparenz im Lobbying auf Verwaltungsebene. Zudem gebe es in der Schweiz keine Antikorruptionsbehörde an sich, sondern nur eine interdepartementale Arbeitsgruppe ohne Durchsetzungsbefugnisse.
3. Autokratische Regime als Nährboden für Korruption
Obwohl auch Demokratien zunehmend als korrupt wahrgenommen würden, verfügten sie im Vergleich zu anderen Regierungsformen weiterhin über deutliche Vorteile bei der Bekämpfung von Korruption. In den meisten Autokratien der Welt sei Korruption systematisch und in jeder Ebene des öffentlichen Bereichs verankert.
In fast zwei Dritteln der Länder, die im Index in den vergangenen zehn Jahren an Plätzen eingebüsst haben, sei gleichzeitig auch die Meinungs- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt worden. Als Beispiele nennt der Bericht Georgien, Indonesien, Peru oder Tunesien, wo Gesetze eingeführt worden seien, die die Korruptionsbekämpfung erschwerten, etwa durch das Verbot zivilgesellschaftlicher Organisationen.