Benjamin Netanjahu trifft sich in Washington mit US-Präsident Donald Trump. Israels Ministerpräsident will persönlich sicherstellen, dass die USA bei ihren Iran-Gesprächen eine harte Linie fahren. Denn das iranische Atom- und Raketen-Programm wird in Israel als existenzielle Bedrohung angesehen. Das Treffen findet hinter verschlossenen Türen statt. SRF-Korrespondentin Barbara Colpi erklärt, warum.
Weshalb die Geheimniskrämerei in Washington?
Es ist nicht vorgesehen, die Öffentlichkeit über den Inhalt des Gesprächs zu informieren. Die Zurückhaltung ist vor allem strategisch begründet. Vor dem Gespräch gab es keinen gemeinsamen Auftritt vor dem Kamin im Oval Office, wie es sonst üblich ist unter Trump. Es handelt sich um einen eher überstürzten Besuch von Netanjahu.
Trump spricht nun von einem möglichen Abkommen mit dem Iran. Zwischen ihm und Netanjahu gibt es allerdings sehr unterschiedliche Einschätzungen, wie viel Druck auf den Iran nötig und wie viel Diplomatie möglich ist. Diese Differenzen möchten beide nicht vor laufenden Kameras austragen. Auch, um die Position gegenüber dem Iran nicht zu schwächen.
Wie gross ist das Misstrauen zwischen den USA und Israel?
Das Misstrauen betrifft in erster Linie die politische Bewertung des Irans. Israel betrachtet das iranische Raketen- und Atomprogramm als unmittelbare existenzielle Bedrohung. Entsprechend skeptisch ist es gegenüber diplomatischen Vereinbarungen mit Teheran. Washington bewertet den Iran stärker im globalstrategischen Kontext von Energiepreisen über regionale Stabilität bis hin zu Beziehungen zu China und Russland.
Bis vor Kurzem hat Trump von Militärschlägen gegenüber dem Iran gesprochen. Nun spricht er von einem möglichen Abkommen. Netanjahu ist wohl besorgt, dass Trump in seiner Unberechenbarkeit und Eile einem Abkommen zustimmen könnte. Er möchte sicherstellen, dass ein allfälliges Abkommen die Sicherheit Israels schützt. Es soll also nicht nur ein Atomabkommen sein, auch die Entwicklung und Reichweite von iranischen Raketen soll begrenzt werden.
Kann Netanjahu Einfluss auf ein mögliches Abkommen nehmen?
Das kann er durchaus, auch wenn er keine Entscheide diktieren kann. Israel liefert den USA etwa wichtige Geheimdienstinformationen. Insbesondere, was die Bewertung der iranischen Aktivitäten im Nuklear- und Raketenbereich angeht. Zudem verfügt Netanjahu über erheblichen politischen Einfluss in Washington, so etwa über enge Kontakte zu Kongressabgeordneten – und ein mögliches Abkommen könnte im Kongress blockiert werden. Netanjahu kann also Druck aufbauen, Bedingungen verschärfen oder zusätzliche Sicherheitsgarantien einfordern.
Welche Rolle spielt die Sicherheitslage in Nahost?
Sollte es zu einer Lockerung von Sanktionen kommen, könnte der Iran mehr Mittel in regionale Verbündete investieren. Das ist aus israelischer Sicht ein hochsensibles Thema. Gleichzeitig argumentieren die USA, dass klar definierte Inspektionen und Begrenzungen das Risiko eines offenen Konflikts reduzieren könnten.
Für Trump stellt sich daher die Frage, ob Diplomatie mit dem Iran zu mehr regionaler Stabilität führt oder ob sie das Problem nur verschiebt, wenn israelische Sicherheitsinteressen untergraben werden. Für Trumps Gaza-Friedensplan ist entscheidend, ob sich das regionale Klima entspannt oder ob neue Unsicherheiten entstehen.