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Treffen Xi–Putin Für Putin bleibt der schnelle Erfolg bei Xi aus

Wladimir Putin hat in Peking Xi Jinping besucht. Es war ein Besuch unter Freunden. Doch hinter rotem Teppich, warmen Worten und militärischen Ehren werden knallharte Interessen verfolgt. Die SRF-Korrespondenten in China – Samuel Emch – und in Russland – Calum MacKenzie – ordnen ein.

Samuel Emch

Ostasien-Korrespondent

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Samuel Emch ist seit Sommer 2022 Ostasien-Korrespondent für SRF. Zuvor war er während mehrerer Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF.

SRF News: Wie ist es um die russisch-chinesische Freundschaft bestellt?

Samuel Emch: Aus chinesischer Perspektive steht es gut um diese Freundschaft – und genau das wollte man bei Putins Besuch in Peking unterstreichen. Es wurden Dutzende Abkommen unterzeichnet und gemeinsame Ziele formuliert – etwa beim Schutz der sibirischen Tiger, bei der Bekämpfung von Geldwäscherei, in der Weltraumforschung oder bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Zudem formulierten Xi und Putin gemeinsame Positionen zu Gaza, zum Krieg im Iran und zu weiteren geopolitischen Themen. Damit unterstrichen sie ihre ideologische Nähe.  

Calum MacKenzie

Russland-Korrespondent

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Calum MacKenzie ist Russland-Korrespondent von Radio SRF. Er hat in Bern, Zürich und Moskau Osteuropa-Studien studiert.

Und was ist das russische Hauptinteresse in den Beziehungen zu China?

Calum MacKenzie: China ist seit Russlands Bruch mit dem Westen zum wichtigsten Partner Moskaus geworden. Zum einen sieht Moskau Peking als Mitstreiter für eine «multipolare Welt». Zum anderen soll China den Westen in vielen Bereichen ersetzen: China ist Russlands Hauptlieferant für wichtige Technologien oder Konsumgüter, zudem soll China Öl, Gas und Kohle kaufen, das Westeuropa nicht mehr will. Darum war das Hauptthema der Gespräche wohl die neue Gaspipeline «Power of Siberia 2», die von Russland nach China führen soll.

China wird noch über Jahrzehnte auf Kohle, Erdöl und Gas angewiesen bleiben.
Autor: Samuel Emch SRF-Korrespondent in China

Wie gross ist das Interesse in China an den russischen Rohstoffen?

Samuel Emch: Günstige Rohstoffe sind durchaus im Interesse Chinas. Zwar baut China Solar- und Windenergie massiv aus. Gleichzeitig ist das Land aber nach wie vor der grösste Kohleimporteur und der grösste Erdölimporteur der Welt. Auf Kohle, Erdöl und Gas wird China wohl noch über Jahrzehnte angewiesen bleiben. China kauft die Rohstoffe in den letzten Jahren vermehrt in Russland – und versucht dabei vor allem beim Preis, seine Interessen durchzusetzen.

Putin und Xi bei der Ehrengarde.
Legende: Viel Pomp, schöne Bilder und viele, aber eher unspektakuläre Abkommen: Putin wurde von Xi in Peking mit allen Ehren empfangen. Keystone / Maxim Shemetov

Inwiefern verändert die Energieknappheit infolge des Iran-Kriegs die Gemengelage?

Calum MacKenzie: Moskau sieht den Iran-Krieg als neue, unerwartete Trumpfkarte. In der russischen Darstellung haben sich die Golfstaaten und der Nahe Osten nun endgültig als unverlässlich und instabil gezeigt. Auch sei die Strasse von Hormus keine sichere Handelsroute, daher sei die neue Pipeline aus Russland viel verlässlicher und attraktiver. Das dürfte Putin bei den Verhandlungen in Peking betont haben.

Putin dürfte am Ende eher frustriert nach Moskau zurückkehren.
Autor: Calum MacKenzie SRF-Korrespondent in Russland

Gibt es konkrete Vereinbarungen, wie man künftig zusammenarbeiten will?

Samuel Emch: Mit Blick auf den Einkauf russischer Rohstoffe blieben die Erklärungen vage. Und bei der geplanten neuen Pipeline gab es höchstens kleine Fortschritte. Peking möchte wohl ein russisches Klumpenrisiko bei den Energielieferungen vermeiden.

Was heisst das für Russland?

Samuel Emch: Die unterzeichneten Vereinbarungen werden in Russland als Erfolg verkauft. Doch das Treffen hat vor allem gezeigt, dass China am längeren Hebel sitzt und seine eigenen Interessen verfolgt. Und dabei spielt die Zeit für Peking. Ganz im Gegensatz zu Putin: Die russische Wirtschaft ist in Schwierigkeiten, das Defizit im Staatshaushalt explodiert. Man braucht schnell Zusatzeinnahmen. Doch bis eine Pipeline nach China Geld abwirft, wird es dauern. Und so dürfte Putin am Ende eher frustriert nach Moskau zurückkehren.

Die Gespräche führte Christina Scheidegger.

Echo der Zeit, 20.5.2026, 18 Uhr ; 

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