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Trotz eigener Raffinerien Weshalb rationiert die russische Regierung Diesel und Benzin?

An der Tankstelle anhalten, auffüllen und mit vollem Tank wegfahren – das geht in mehreren Teilen Russlands nicht mehr. In Moskau und im Nordwesten von Russland gibt es seit einigen Tagen Einschränkungen. Bei den Tankstellen gewisser Anbieter sind Käufe pro Auto auf 100 Liter beschränkt, aber an anderen darf man nur 20 Liter auf einmal tanken. Besonders betroffen von den Engpässen ist die von Russland völkerrechtswidrig annektierte Halbinsel Krim. Wieso das so ist, erklärt Russland-Korrespondent Calum MacKenzie.

Calum MacKenzie

Russland-Korrespondent

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Calum MacKenzie ist Russland-Korrespondent von Radio SRF. Er hat in Bern, Zürich und Moskau Osteuropa-Studien studiert.

Wieso werden Treibstoffe beschränkt?

Die Firmen erklären das teilweise mit Versorgungsengpässen. Offenbar gibt es diese bereits. Anderswo sieht es eher danach aus, als sei es eine präventive Massnahme, um Hamsterkäufe zu verhindern. Aber das lässt auch darauf schliessen, dass sich Engpässe zumindest abzeichnen. Zudem sind die Benzin- und Dieselpreise in gewissen Regionen gestiegen.

Wie ist die Lage auf der Halbinsel Krim?

Auf der von Russland besetzten Krim ist die Lage schwieriger. Dort wird Benzin und Diesel schon seit Ende Mai rationiert. Die Behörden sind zuerst auf ein Gutscheinsystem umgestiegen, um die Treibstoffverkäufe zu regulieren. Aber letzten Donnerstag hat man diese Verkäufe auf der ganzen Krim komplett gestoppt. Offenbar, weil es an den meisten Tankstellen einfach kein Benzin und keinen Diesel mehr gibt. Die russischen Behörden dort haben mitgeteilt, dass das Verbot sicher einige Tage andauern werde und die Engpässe allgemein noch mehrere Wochen bestehen würden.

Wieso ist der Engpass auf der Krim grösser?

Das Problem dort ist, dass die Versorgungsrouten unter ukrainischen Beschuss geraten. Im Prinzip gibt es zwei Autorouten, die die Halbinsel mit dem russischen Kernland verbinden: einerseits die grosse Krimbrücke nach Südrussland, andererseits eine neue Autobahn, die Russland durch die 2022 besetzten Gebiete bis zur Krim hat bauen lassen. Die Brücke ist in den letzten Jahren schon mehrmals von der Ukraine angegriffen worden. Deshalb wurde sie als zu verwundbar für wichtige Transporte betrachtet und man hat eher die Autobahn benutzt.

Aber in den letzten Monaten ist die ukrainische Drohnentechnologie so weit fortgeschritten, dass die ukrainischen Streitkräfte diese Autobahn mehr oder weniger konstant beschiessen können – auch gezielt militärische Ziele und Tankfahrzeuge. Das ist ein ernsthaftes Problem für die Versorgung der Krim. Die Behörden dort haben jüngst gewarnt, dass man wegen Spionage festgenommen werden kann, wenn man Tankfahrzeuge fotografiert oder über deren Standort informiert.

Was ist das Problem in Russland selbst?

Im Sommer kommt es in Russland oft zu solchen Engpässen, weil es dann für Diesel und Benzin eine höhere Nachfrage gibt. Einerseits fahren dann die Leute in die Ferien, teils über sehr weite Strecken. Andererseits ist der Sommer die Zeit, in der es viel landwirtschaftliche Aktivität gibt, wo die Bauern viel zu tun haben. Dann gibt es saisonale Probleme bei der Versorgung. Im Sommer, wenn das Wetter gut ist, werden oft Wartungsarbeiten durchgeführt bei den Raffinerien, die diese Ölprodukte herstellen. Das heisst, sie arbeiten nicht bei voller Kapazität.

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Ein anderer wichtiger Grund, den es in Friedenszeiten nicht gibt: Ukrainische Drohnen treffen regelmässig diese Raffinerien und andere Ölinfrastruktur. Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt etwa, dass ukrainische Angriffe jüngst Anlagen getroffen haben, die 30 Prozent der Treibstoffproduktion in Russland ausmachen.

SRF 4 News, 8.6.2026, 6:11 Uhr ; 

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