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Trumps Staatsbesuch in China Zweimal Kung Pao Chicken – und sonst?

Beim Galadinner wie auch beim Arbeitsmittagessen stand bei Trumps Besuch in Peking Kung Pao Chicken auf dem Menü. Der Klassiker aus der zentralchinesischen Sichuan-Küche balanciert verschiedene Geschmacksrichtungen: süss, scharf und sauer zugleich – ein bisschen wie die Themenliste, über die die beiden Staatschefs in den vergangenen Tagen debattiert haben.

Süss war die gegenseitige Wertschätzung, die sich die beiden vordergründig entgegenbrachten. Damit verbunden waren die Pläne, wie man gemeinsam die Zukunft gestalten wolle. Ein Miteinander statt ein Gegeneinander, wie in der jüngeren Vergangenheit, soll es werden. Dies werde der Welt Frieden, Wohlstand und Fortschritt bringen, heisst es aus Peking.

Als strategische Stabilität beschrieb Xi das künftige Verhältnis der Grossmächte. Ein augenfälliger Kontrast zu Trumps Vorgänger, unter dem die Beziehungen zwischen den beiden Ländern als strategische Rivalität beschrieben wurden.

Heikle Themen: Taiwan und Aussenhandel

Um ihre Ziele zu erreichen, müssen China und die USA jedoch einige scharfe Themen unter Kontrolle halten. So warnte Xi, dass beim Thema Taiwan eine Eskalation drohe. Wie Trump auf diese Mahnung reagiert hat, ist bislang nicht bekannt.

Auch im Handel steckt viel Pfeffer. Exportkontrollen und Handelshemmnisse auf beiden Seiten haben die vergangenen Jahre geprägt. Nach den Verhandlungen ist aber weiterhin unklar, wie die beiden Wirtschaftsmächte die Situation entschärfen wollen. Noch kurz vor Trumps Reise nach Peking wurden weitere chinesische Unternehmen wegen ihrer Verbindungen zum Iran sanktioniert. Und auf der anderen Seite bleibt China bestrebt, möglichst in allen Bereichen unabhängig vom Ausland zu werden.

Keine konkreten Abkommen bestätigt

Zwar sagte Trump, man habe noch mehr Abkommen verabschiedet als bei seinem letzten Besuch vor neun Jahren. Der Blick zurück zeigt jedoch: Damals gab China Kaufversprechen für US-Waren in Milliardenhöhe ab. Oft blieb es bei Versprechen. Die Ankündigung ist deshalb mit Vorsicht zu geniessen. Insbesondere weil die Aussagen von Peking besonders vage sind. Bislang wurden keine konkreten Abkommen bestätigt. Das Aussenministerium lässt lediglich verlauten, man sei bereit, an den wirtschaftlichen Vereinbarungen der Treffen zu arbeiten.

Sauer werden könnte Trump aber auch mit Blick auf die Hormus-Situation. Man sei sich einig, dass diese wichtige Transportroute offen bleiben müsse, sagte Trump noch in Peking. Zudem soll Xi seine Hilfe angeboten haben. Peking hingegen schweigt dazu bislang. Dort betrachtet man den Konflikt im Nahen Osten bisher vor allem als Problem der USA. Das Treffen dürfte daran grundsätzlich wenig verändert haben.

Trumps Staatsbesuch in Peking zeigt kurz nach seiner Abreise noch wenige konkrete Ergebnisse. Das Kung Pao Chicken muss – wie auch die Verhandlungen – wohl erst noch verdaut werden. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob tatsächlich zählbare Resultate erzielt werden. Schliesslich wollen sich die beiden Staatschefs dieses Jahr noch mehrmals treffen.

Samuel Emch

Ostasien-Korrespondent

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Samuel Emch ist seit Sommer 2022 Ostasien-Korrespondent für SRF. Zuvor war er während mehrerer Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF.

Tagesschau, 14.5.2026, 19.30 Uhr; herb

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