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Trump hat das Wirtschaftswachstum von Obama geerbt
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.11.2020. Bild: Reuters
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Trumps Wirtschaftspolitik Ökonom Mettler: «Das Wachstum war unter Obama grösser»

Die US-Wirtschaft lief gut – bis Corona kam. Doch dabei hat Trump vor allem die gute Ausgangslage geholfen.

US-Präsident Donald Trump rühmte sich im Wahlkampf gern als allein verantwortlich für den Wirtschaftsboom in den USA vor Corona. Doch Trump habe die gute wirtschaftliche Ausgangslage vom Vorgänger Barack Obama geerbt, sagt der Wirtschaftsprofessor Alfred Mettler.

Ausserdem liess Trump zugleich die US-Staatsschulden explodieren – unter anderem durch Steuersenkungen für Mittel- bis Besserverdienende sowie Unternehmen – notabene in Zeiten des Aufschwungs.

Alfred Mettler

Alfred Mettler

Finanzprofessor

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Der Ökonom Alfred Mettler war Finanzprofessor an der Universität von Miami, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen und lebte über 20 Jahre in den USA. Davor arbeitete Mettler am Bankeninstitut der Universität Zürich.

SRF News: Präsident Donald Trump hat Steuern gesenkt, die Arbeitslosigkeit ist zurückgegangen, die Börsenkurse haben neue Höchststände erreicht. Die Delle kam erst mit der Corona-Pandemie. Hat er seine Versprechen also gehalten?

Alfred Mettler: Auf den ersten Blick hat Trump seine Versprechen gehalten – auch wenn er sie sehr viel grossmundiger interpretiert, als sie tatsächlich sind. So sagte er, er sei jener Präsident, der am meisten Jobs kreiert habe. Klar aber ist: Das Wirtschaftswachstum war da, die Börse hat geboomt – all das wurde tatsächlich erst durch Corona gebremst.

In der US-Politik ist es Usus zu sagen, der Präsident sei verantwortlich dafür, wie die Wirtschaft läuft. Das stimmt so natürlich nicht. Zwar haben die USA einen dominierenden Einfluss, doch es spielen viele weitere Faktoren bei der Wirtschaftsentwicklung mit. Um die grossen Zusammenhänge zu verstehen, muss man zur Finanzkrise 2008 zurückgehen. Präsident Barack Obama erbte damals eine sehr desolate Situation, es dauerte einige Jahre, bis die Wirtschaft wieder lief. Schliesslich ging es in den USA ab 2012 wirtschaftlich aufwärts – also schon vier Jahre, bevor Trump ins Amt kam.

Trump ist keinesfalls allein dafür verantwortlich, dass die Wirtschaft vor Corona so gut lief.

Das Wachstum war in den letzten vier Obama-Jahren sogar höher als in den vergangenen vier Trump-Jahren. Insofern hat Trump eine sehr komfortable Situation geerbt. Die Wirtschaft wuchs unter ihm weiter, dadurch verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen – aber es war keineswegs Trump allein, der für die gute wirtschaftliche Lage vor Corona verantwortlich war.

Trump zettelte einen Handelsstreit mit China an – er führte Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporten ein, China verhängte deshalb Zölle auf US-Landwirtschaftsprodukte. Hat sich dieser Streit für die USA gelohnt?

Das ist noch offen – aber ich denke, am Schluss wird sich das für die USA kaum lohnen. So mussten US-Landwirtschaftsgüter, die nicht mehr nach China exportiert werden konnten, stark subventioniert werden.

Trump hat sich in ein höchst komplexes Feld manövriert.

Auch muss man sehen: Die US-Firmen waren in erster Linie deshalb nach China gegangen, weil sie dort ihre Produkte viel billiger herstellen konnten. Das bedeutete, dass die Produkte für die Amerikaner billiger wurden. Neben den tieferen Kosten spielten dabei auch die relativ lockeren Umweltvorschriften in China eine Rolle.

Diese Ausgangslage mit einem Wirtschaftskrieg ändern zu wollen, ist eine sehr verwegene Sache. Trump hat sich dabei in ein höchst komplexes Feld manövriert, aus dem herauszukommen es nicht einfach werden wird.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

SRF 4 News aktuell vom 4.11.2020, 06.15 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Wie ruhig es hier ist... Dieser Fakt ist wohl für Trumps Anhänger schwer zu verdauen. Und für Menschen ohne Trump-Brille sind es keine News. Allerdings ist es auch falsch, Obama wegen seiner Wirtschaftspolitik in den Himmel zu loben. Der Einfluss des Präsidenten wird von vielen masslos überschätzt. Andere Faktoren, allen voran die Weltkonjunktur, sind viel wichtiger, als wer gerade auf dem Stuhl sitzt. (Und wir messen Wohlstand sowieso auf falsche Art und Weise...)
  • Kommentar von Ed Jacobs  (AstonM)
    "Das Wachstum war in den letzten vier Obama-Jahren sogar höher als in den vergangenen vier Trump-Jahren". Tja die Kriegstreiberei und Anzahl Toten, verursacht durch Amerikanische Bomben, waren in den Obama Jahren auch höher. Ausserdem hat Obama seine Amtszeit in der Finanzkrise übernommen. Es ist keine Kunst, Wachstum zu erzeugen, wenn all Scherben am Boden liegen. Also bitte Äpfel mit Äpfeln vergleichen.
    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Bitte mal objektiv. Die Wirtschaftspolitik Reagans und Bushs mit ihren Steuersenkungen (= Trumps) ist längst von Ökonomen untersucht. Fazit:
      - Bezüglich Wirtschaftswachstum wirken sie wie ein Strohfeuer. Sieht kurzfristig gut aus, ist aber nicht nachhaltig.
      - Die schon von Reagan versprochen Mehreinnahmen für den Staat trotz Steuersenkungen sind (logischerweise) nie eingetreten
      - Die Firmen nutzen freigewordene Gelder kaum fur Innovation oder Arbeitsplätze, sondern für Aktienrückkäufe u.ä.
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Vorallem war er gerechter verteilt!
    Unter DT gibt es für die Reichen immer mehr und die Armen bleiben auf der Strecke!
    1. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Nö, war es nicht - war es noch nie.
      In der USA galt schon immer: Entweder vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft, oder man bleibt arm.
      Aber eigentlich schade, wird in westlichen Ländern Armut immer am Geld gemessen, welches Arme nicht haben & Reiche zu viel haben.