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SRF-Korrespondent: «Es drohen ethnische Konflikte»
Aus Tagesschau vom 07.10.2019.
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Türkischer Vormarsch in Syrien Verrat am Euphrat

Wie weit die Türkei bei ihrer von langer Hand geplanten Invasion vorrücken wollen, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar. Es kann sein, dass sich die Türken – beziehungsweise die von der Türkei geführten syrischen Milizen, die Ankara als Bodentruppen dienen – nur an wenigen Orten festsetzen. Oder es kann sein, dass sich die Türkei und die kurdischen Verteidiger einen langen, blutigen Kampf liefern.

Es drohen ethnische Konflikte

Im Kern will türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Nordsyrien eine 15 bis 35 Kilometer tiefe «Sicherheitszone» schaffen und dort möglichst viele der dreieinhalb Millionen in die Türkei geflüchteten Syrer ansiedeln. Doch die Flüchtlinge, die Erdogan dorthin zurückverfrachten will, stammen zumeist gar nicht aus dem Nordosten Syriens, sondern aus Homs, Aleppo und anderen arabischen Gebieten.

Auch die von der Türkei ausgerüsteten und gelenkten syrischen Verbündeten, die den Kampf hauptsächlich führen, stammen nicht aus dem Norden Syriens, sondern sind Araber, teilweise mit einem Hang zu islamistischem Gedankengut. Damit dringt eine von Türken geführte arabische Armee in hauptsächlich von Kurden bevölkertes Gebiet vor, um dieses für Flüchtlinge aus den arabischen Teilen Syriens zu «sichern». Sollte Erdogan diesen Plan tatsächlich umsetzen, wird dies auf lange Zeit hinaus ethnische Konflikte zur Folge haben.

Raum für Assad-Loyalisten

Die Kurden, die in den letzten Jahren als Bodentruppen der internationalen Anti-IS-Koalition die Hauptlast im Kampf gegen die Terrormiliz getragen haben und mit ihrem Projekt «Rojava» das bislang stabilste Gebiet im Bürgerkriegssyrien von Präsident Assad geschaffen haben, werden sich gegen diesen Versuch eines ethnischen Bevölkerungsumbaus mit all ihren bescheidenen Mitteln wehren. Sie werden ihre Kräfte auf den Kampf gegen die Türkei und ihre Verbündeten konzentrieren.

Das schafft im Süden des bislang von den kurdisch geführten «Syrian Democratic Forces, SDF» zusammen mit amerikanischen «Beratern» (und der amerikanischen Luftwaffe) kontrollierten Gebietes Raum für Vorstösse von Assad-Loyalisten sowie vom Iran unterstützten Milizen, die nicht zögern werden, sich die Ölfelder rund um Deir Ezzor zu sichern.

Gleichzeitig sind der Rückzug der Amerikaner und die drohende Invasion der Türkei ein grosses Geschenk für den IS. Die Kurden halten etwa 10'000 Männer und 75'000 Frauen und Kinder des ehemaligen sogenannten «Islamischen Staats» gefangen. Um diese Gefangenen werden sich die Kurden in ihrem Kampf gegen die türkischen Invasoren zuletzt kümmern. Für die Dschihadisten hingegen ist das sich entfaltende Chaos einer ethnischen und religiösen Konfliktzone die ideale Grundlage, um wieder Fuss fassen zu können.

Pascal Weber

Pascal Weber

Nahost-Korrespondent, SRF

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Seit 1999 arbeitet Weber für SRF. Als Redaktor und Produzent war er zunächst in der Sportredaktion tätig, danach bei «10vor10». Seit September 2010 ist er Korrespondent im Nahen Osten. Folgen Sie ihm auf Twitter, Link öffnet in einem neuen Fenster.

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46 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Die UNO müsste eigentlich, so sie ihre eigene Charta beachten würde, den Kurden im Irak, in Syrien im Iran und in der Türkei einen eigenen Staat zubilligen. Letztlich sind es ja nicht einfach die Amis, die die Kurden angeblich einfach im Stich gelassen haben. Aber eben, Schlagzeilen gegen die USA sind halt sowas von sexy, da vergisst man schon mal so einiges, was man eigentlich wirklich nicht übersehen dürfte.
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  • Kommentar von Sascha Freitag  (SF)
    Immer wieder interessant diese westlichen berichte. Es gibt kurden und kurdische miliz. Kurden waren schon immer dort, und sind ein teil syriens, wie viele andere volksstämme auch. Kurdische miliz ist was ganz anderes, mit dem ziel eines eigenen staates. Hier wird aber einfach nur immer von kurden gesprochen. Das thema würde noch viel weiter gehen, die meisten westlichen medienbeiträge dazu sind nicht korrekt dargestellt.
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    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Nicht so ernst nehmen, diese Gesamtberichterstattung in so manchen Medien, wird von Leuten geschrieben, die selber nie Militärdienst geleistet haben, Vom Krieg und Konfrontationen nichts verstehen oder kaum eine Ahnung haben und nun glauben mit "nur 1'000 Mann" könne man einen türkischen Vormarsch aufhalten. Wirklich saublöd was da einige rauslassen. - Solche Leute sollten vielleicht mal selber als Soldat vor Ort den Kopf herhalten müssen.
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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Ja Beat Reuteler
    Russland gehört zu Europa schon vor der Revolution 1919 empfehle Ihnen einige Seiten in der
    europäischen Geschichte zurück zu blättern Sie werden
    Erstaunt sein was Sie
    finden ( die Sovietzeiz ist sehr
    kurz in der Russischen Historia
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Russland gehört zum größten Teil zu Asien. Gucken Sie sich mal die Landkarte an und der Kreml ist an einem schwachen Europa interessiert.
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