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Die Taliban ernennen eine neue Übergangsregierung
Aus Echo der Zeit vom 07.09.2021.
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Übergangsregierung in Kabul «Die alte Garde der Taliban hat sich durchgesetzt»

Die ausländischen Truppen sind draussen, die alte Regierung weg, die Taliban zurück: Offen blieb allerdings die Frage, wie Afghanistan in Zukunft regiert werden soll. Nun haben die militant-islamistischen Taliban einen Teil ihrer Übergangsregierung bekanntgegeben. SRF-Korrespondent Thomas Gutersohn sagt, was über die neue Führung bekannt ist – und in welche Richtung das Land nun gehen könnte.

Thomas Gutersohn

Thomas Gutersohn

Indien- und Südasien-Korrespondent, SRF

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Thomas Gutersohn lebt seit 2016 im indischen Mumbai und berichtet für SRF aus Indien und Südasien. Gutersohn hat in Genf Internationale Beziehungen studiert.

SRF News: Wer ist in dieser Regierung?

Thomas Gutersohn: Wichtig ist erst einmal zu wissen, dass es sich um eine Übergangsregierung handelt, die die Taliban präsentiert haben. Diese besteht ausschliesslich aus Taliban-Anführern. Zum Zug kam vornehmlich die alte Garde, der eher religiöse, konservative Flügel der Taliban. Chef dieser Übergangsregierung wird Mohammed Hassan Achund sein. Im Westen ist er nicht sehr bekannt. Während der ersten Herrschaft der Taliban war er bereits Aussenminister und er ist ein enger Vertrauter von Hibatullah Akhundzada, dem Führer der Taliban-Bewegung.

Legende: Zu einem von zwei Stellvertretern Achunds wurde Mullah Abdul Ghani Baradar (vorne im Bild) ernannt, der bisherige Vizechef der Taliban, der 2020 für die Taliban das Abkommen mit den USA über ein Ende des US-geführten Militäreinsatzes in Afghanistan unterzeichnet hatte. Keystone/Archiv

Bekannter im Westen ist Abdul Ghani Baradar. Er soll nur Stellvertreter von Achund werden. Innenminister soll Siradschuddin Hakkani werden, der Anführer des Hakkani-Netzwerks. Die USA stufen das Hakkani-Netzwerk als terroristische Gruppierung ein.

Es sind also alles Mitglieder der Taliban. Heisst das, die Taliban sind nicht bereit, die Macht zu teilen?

Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Aber ich glaube, dass die Taliban nun eine Übergangsregierung gebildet haben, hat vorderhand damit zu tun, dass sie erst einmal Ruhe und Ordnung in Afghanistan schaffen wollen. Zeitweise ist die Situation in Kabul aus dem Ruder gelaufen, es gab immer wieder Zwischenfälle. Es fehlte an Führung und Leitlinien. Das versuchen die Taliban nun zu gewährleisten.

Es ist möglich, dass etwas anderes aus der Übergangsregierung entstehen kann. Ob es eine Demokratie wird, eine Republik oder ein Emirat – all das ist noch offen.
Autor:

Dass nun eine Übergangsregierung ernannt wurde, lässt Raum dafür offen, dass in Zukunft eine echte Regierung ernannt werden wird – in der womöglich nicht nur Taliban und auch Frauen vertreten sein werden. Das alles ist noch unklar. Aber es ist möglich, dass etwas anderes daraus entstehen kann. Ob es eine Demokratie wird, eine Republik oder ein Emirat – all das ist noch offen.

Drei Wochen hat es gedauert, um diese Übergangsregierung zu bilden. Warum so lange?

Es wurde viel diskutiert. Schon letzten Freitag war davon die Rede, dass die Regierung zustande kommen soll. Jetzt hat es einige Tage länger gedauert. Das hat damit zu tun, dass intensiv verhandelt wurde und es auch zu Spannungen zwischen den verschiedenen Flügeln der Taliban kam. Nun scheint sich der religiöse Flügel, die alte Garde der Taliban und die eigentlichen Anführer der Bewegung, durchgesetzt zu haben.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

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Taliban verkünden neue Regierung
Aus Tagesschau vom 07.09.2021.
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Echo der Zeit, 07.09.2021, 18 Uhr;

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Claude Helfer  (Geroni)
    Dieses fremdbesrimmte Land muss nun endlich die Chance haben die eigene Führung aufzubauen. Es hätte nach dem schnellen Anbzug der US Truppen auch noch viel schlimmer werden können. Ich drücke dem Land und allen Menschen alle Daumen für Frieden nach 200 Jahren Krieg.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Claude Helfer: Ich bin nicht sicher, ob Ihr Daumen drücken etwas nützt. Hätten wir in der Schweiz so einen Bundesrat wie die Taliban-Regierung, würde ich mich auch fremdbestimmt fühlen; am meisten wohl die 50% Frauen in Afghanistan.
    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      aber Afghanistan kann weder mit der Schweiz und auch nicht mit unserem demokratischen Verständnis verglichen werden.
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Christa Wüstner: Aber die Menschen kann man vergleichen. Wir sind alle etwa gleich und wollen uns nicht von Verbrechern regieren lassen. Wenn die Afghanen das Taliban-Regime toll finden würden, würden sie nicht versuchen zu flüchten. Im Gegenteil, bereits geflüchtete Afghaninnen und Afghanen würden in Scharen in ihr Heimatland zurückkehren.
    4. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Wüstner: ich glaube nicht, dass die afghanischen Frauen es toll finden, von einem autoritären Regime faktisch entmündigt und zum Hausarrest verdonnert zu werden.
    5. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Man kann doch nur einen Vergleich ziehen, wenn die Voraussetzungen
      die Gleichen sind. Herr Leuenberger und Herr Planta
    6. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Entschuldigung Herr Leu natürlich !
  • Kommentar von Wolfgang Bortsch  (a2b3c4d5)
    Ob sich diese "neue Regierung"
    ohne ausländische Hilfe ( China ),
    in welcher Angelegenheit auch immer , durchsetzen kann , wird
    man ja sehen !
  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    Wenn es scheint, dass sich der religiöse Flügel, die alte Garde der Taliban, die eigentlichen Anführer der Bewegung sich nun durchgesetzt haben, dann ist es kaum vorstellbar, dass etwas anderes daraus entstehen könnte, als ein radikal islamisches Kalifat, inklusive Scharia-Gesetz, welches eine Reihe von Grundsätzen zwar anführt (...), die jedoch gemäss der Überlieferung von Hadith, den Handlungen Muhammads (Sunnah), dem Koran, all das ja nicht geändert werden kann, gar nicht vom «Wertewesten»...
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Mit der Scharia lassen sich keine Kraftwerke/Stromleitungen bauen, oder Fahrzeuge/Flugzeuge warten und reparieren.
      Und auch für die Kommunikations-Infrastruktur reicht die Scharia ( alleine) nicht aus.
      Afganistan wird langfristig auch Spezialisten und Fachleute brauchen.
      Das heist auch die Taliban sind für die nächsten Jahre/Jahrzehne auf die Hilfe aus dem Ausland angewiesen.