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Sipri zur Lage in Afghanistan: Was bringt das eroberte Arsenal den Taliban?
Aus HeuteMorgen vom 06.09.2021.
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Sipri zur Lage in Afghanistan Was nützt den Taliban das eroberte Waffenarsenal des Westens?

Mit der Machtübernahme wechselt auch ein immenses Waffenlager die Besitzer. Werden die Taliban nun zur Militärmacht?

Die Taliban haben massenhaft Waffen erbeutet, die die USA und andere Länder während zwei Jahrzehnten an die afghanischen Sicherheitskräfte geliefert haben. Entsprechend wird nun – auch von den Taliban selber – der Eindruck erweckt, als sei das neue Regime in Kabul eine Militärmacht. Doch das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri relativiert.

Legende: Artillerie, Panzerfahrzeuge, Helikopter, Drohnen, Nachtsichtgeräte und dergleichen erhielten die afghanische Armee und die Polizei für insgesamt 28 Milliarden Dollar in den vergangenen 20 Jahren. Nun posieren die Taliban damit am Kabuler Flughafen. Keystone

Grossmehrheitlich kam die Ausrüstung von den USA, aber auch aus Russland, Italien, Brasilien und weiteren Ländern, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri ermittelt hat. Aus der Schweiz wurden 18 PC12-Mehrzweckflugzeuge geliefert. Diese wurden wohl vor der Lieferung nach Afghanistan in den USA für Aufklärungszwecke umgerüstet.

Die afghanischen Sicherheitskräfte besassen gesamthaft 75'000 Fahrzeuge, davon 22'000 gepanzerte. 600'000 Schusswaffen, Mörser, Lenkbomben, weit über hundert Helikopter und sogar 26 Super-Tucano-Kampfflugzeuge. Schliesslich sollte Afghanistan möglichst bald selber für seine Sicherheit sorgen können – so lautete das Ziel des Westens.

Taliban mit neuem Inventar – was nun?

Nun befindet sich ein guter Teil dieses Materials in den Händen der Taliban. Stolz posieren sie auf Videos und Fotos vor erbeuteten Helikoptern und langen Reihen von Panzerfahrzeugen. Das wirkt durchaus eindrucksvoll, obschon es sich, so die Sipri-Experten, nicht um wirklich hoch entwickelte Waffensysteme handelt.

Legende: Es fragt sich bei den komplexeren Elementen in den Arsenalen, etwa bei den Drohnen oder Hubschraubern, was die Taliban damit tatsächlich anfangen können. Viele sind schwierig zu fliegen und anspruchsvoll im Unterhalt. Sie brauchen ständig Ersatzteile. Vieles wurde zudem zerstört hinterlassen. Keystone

Die Islamisten sind also auf allfällige chinesische oder russische Militärunterstützung angewiesen, allenfalls durch Söldner, um diese Waffen tatsächlich zu nutzen. Vorläufig sind es für sie eher Trophäen als unmittelbar einsetzbare Waffen.

Mehr Vorteile durch leichtes Arsenal

Hinzu kommt, dass viele Helikopter sich längst ausser Landes befinden, weil sich afghanische Politiker, Generäle und Piloten gleich reihenweise mit ihnen abgesetzt haben.

Wichtig und kampfentscheidend könnten eher einfachere Dinge wie Gewehre, Sprengstoffe, Kommunikationsgeräte sowie Nachtsichtgeräte für die Taliban sein. Bedeutend ist dies im Innern des Landes für den Kampf gegen andere Milizen oder Terrororganisationen.

Beim Friedensforschungsinstitut Sipri geht man hingegen davon aus, dass die Rüstungsgüter die neuen Herren in Kabul nicht in die Lage versetzen, die Region zu destabilisieren. Sie stellen entsprechend vorläufig keine unmittelbare Bedrohung für die Nachbarstaaten Afghanistans dar.

HeuteMorgen, 05.09.2021, 06:00 Uhr

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54 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Lindenberg  (LindenTh)
    Was beim Arsenal an leichten Waffen vergessen geht ist, dass diese für die Taliban auch ein Handelsgut sind. Etablierte Schmugglerrouten nach Europa bestehen und es würde mich nicht wundern, wenn der nächste Bataclan oder offene Bandenkrieg diesmal mit erbeuteten amerikanischen (statt ex-jugoslawischen) Waffen verübt bzw. ausgetragen wird.
  • Kommentar von Claus Prochazka  (Verfalsdatum1007)
    Nun ja, jetzt sind die Steuergelder der Bürger wieder sinnlos verschleudert worden.
    Denn Russland hatte den Westen gewarnt, dass man in diesem Land kein Bein auf den Boden bekommt. Privat investiert man sein Geld dann in etwas, wenn man auch eine Sicherheit hat, dass es gelingt. Das Gleiche ist die Ukraine, hat der Präsidentin damals das Geld in den Rachen geworfen, das Volk hat nichts, sie ein fettes Bankkonto. Aber mit anderleuts Geld ist immer leicht umgehen.
  • Kommentar von Janusz Kaltenbacher  (anti_sozialist)
    Die Mujaheddin konnte noch nie mit schweren Waffen umgehen. Und die Taliban auch nicht, von denen viele nicht einmal lesen können. Bei den Fluggeräten fehlt es den Taliban an Wartungspersonal und bald auch an Ersatzteilen. Nur die vielen erbeuteten Handfeuerwaffen und Munition verschafft ihnen mittelfristig einen Vorteil.