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UNO-Konferenz in Genf Afghanistan wird zum Tummelfeld der Grossmächte

Legende: Audio Fredy Gsteiger: «Der Afghanistan-Konflikt entwickelt sich zum Stellvertreterkrieg» abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
01:48 min, aus HeuteMorgen vom 28.11.2018.

Es ist eine seltsame Afghanistan-Konferenz, die zurzeit am Genfer UNO-Sitz tagt. Die einen, vor allem die Hilfswerke, weisen auf Not und Gewalt hin und fordern mehr Hilfe. Andere, angeführt von der afghanischen Regierung, betonen Fortschritte und Stabilisierung und empfehlen Investitionen im Land.

Die ausländischen Akteure wiederum verlangen Frieden in Afghanistan, meinen aber ganz Unterschiedliches damit. Und die radikalislamischen Taliban, zentrale Akteure im Land selber, sind in Genf gar nicht dabei.

Stellvertreterkrieg der Mächtigen

Das Problem für Afghanistans Zukunft sind nicht länger nur die gewaltigen inneren Spannungen. Der Afghanistan-Konflikt entwickelt sich zum Stellvertreterkrieg mächtiger Staaten. Am einflussreichsten waren bisher die USA, die immer noch mehr als zehntausend Soldaten im Land haben, deren Präsident sie aber nach 17 Jahren Erfolgslosigkeit abziehen will. Einen Abzug ihrer Truppen begrüssen auch die Nato-Partnerländer. Das führt dazu, dass der starke westliche Einfluss in Afghanistan rapide schwindet.

Dafür ist auf einmal Russland wieder präsent, dreissig Jahre nach seinem traumatischen Scheitern. Moskau will sich, auch in Afghanistan, als Grossmacht beweisen, den Westen herausfordern und zugleich verhindern, dass sich der sogenannte «Islamische Staat» von Afghanistan aus Richtung Zentralasien ausbreitet.

Einfluss der Afghanen schwindet

Dann sind da auch noch die Chinesen, denen es um afghanische Rohstoffvorräte geht und ebenfalls darum, den Westen möglichst dauerhaft aus dem Land zu vertreiben. Dazu kommen Pakistan, Indien und Iran – also weitere grosse Mächte, die einander misstrauisch gegenüberstehen, aber allesamt um Einfluss in Afghanistan und um die Gunst der Taliban buhlen. Gegen sie ist ein Friede kaum zu haben.

Je stärker aber das Land am Hindukusch zum Tummelfeld von Grossmächten wird, umso weniger haben die Afghanen selber die Suche nach dem Frieden in der Hand. Grossmachteinfluss und vor allem Grossmachtrivalität jedoch haben kaum je in einem Land zu einer Lageberuhigung beigetragen.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Zu Beginn der Zerstörung dieses Landes stand der Brzezinski-Plan. Ein Land mehr von unzähligen, welche von den USA einer besseren Zukunft beraubt wurden.
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  • Kommentar von Alexander Ognjenovic (Alex)
    Frieden in Afghanistan kann es nur geben wenn die Amerikaner, Deutschen und Russen sich komplett raushalten aus dem Land! Gleiches gilt auch für Syrien, Libyen, Korea, Mali, Somalia, Jemen, Pakistan und viele weitere Staaten die zur Zeit von Amerikanern, Russen und Deutschen besetzt werden! Die Besatzer müssen weg und die jeweiligen Länder dürfen nur noch von den einheimischen Volksgruppen selbst beeinflusst werden! Aber ich zweifle dass die Besatzer so schnell gehen.. müssen sie aber!
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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Unglaublich, dass heute noch Menschen gibt welche glauben, dass USA Terroristen bekämpft? Und dann diese Menschen finden kein Antwort auf Fragen, wieso Terrorismus in von US besetzten Gebieten immer erstärkt. Sogar in Syrien feiert IS seine Wiedergeburt auf Nord Seite von Euphrat wo SAA nicht angreifen darf. In letzten Wochen hat IS dort mehrere Dörfer und Öl Felder zurückerobert.
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    1. Antwort von Alexander Ognjenovic (Alex)
      Falls es Ihnen noch nicht klar ist: Russland, Deutschland und die USA stecken unter einer Decke! Alle 3 haben kein Interesse für Frieden sondern wollen kleinere Länder destabilisieren! Nur ein kompletter Truppenabzug der Russen, Amerikaner, Deutschen, Türken und auch Briten und Franzosen kann den momentan noch besetzten Ländern den Frieden zurückbringen! Im Balkan treiben auch Putins und Trumps Truppen ihr Unwesen! Das gefällt mir gar nicht! Das erinnert an dunkle Zeiten in Europa!
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