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Unterhauswahlen in Japan Nicht auf dem Ticket und doch im Fokus: Sanae Takaichi

Japans Premierministerin Sanae Takaichi erklärt die Unterhauswahlen vom Sonntag zum Referendum über ihre Regierung.

Bei einer kurzfristig einberufenen Wahlveranstaltung in einer Turnhalle im Zentrum Tokios kämpft der LDP-Politiker Kiyoto Tsuji um seine Wiederwahl. Als Staatsminister für Umwelt gehört er zur Regierung Takaichi – und wurde vom frühen Wahltermin selbst überrascht. «Niemand hat damit gerechnet», sagt er.

LDP-Politiker Kiyoto Tsuji
Legende: LDP-Politiker Kiyoto Tsuji muss nach der Auflösung des Unterhauses seine Sitze verteidigen. Die Kammer hat 465 Sitze und wird regulär alle vier Jahre gewählt. Vorgezogene Neuwahlen sind jederzeit per einfachem Kabinettsbeschluss möglich, was in der Nachkriegszeit bis auf eine Ausnahme auch jedes Mal passierte. SRF/Samuel Emch

Obwohl Prognosen auf eine Mehrheit für die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) hinweisen, bleibt Kiyoto vorsichtig. Das kalte Wetter, die kurze Vorbereitungszeit und verspätet verschickte Stimmzettel könnten die Wahlbeteiligung drücken.

Takaichi im Hoch – LDP im Tief

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Während Regierungschefin Takaichi persönlich hohe Zustimmungswerte erreicht, ist ihre Partei belastet. Spendenaffären und Korruptionsskandale drücken auf die Beliebtheitswerte der LDP.

Auf den Wahlzetteln steht jedoch nicht die Regierungschefin selbst, sondern Parteikolleginnen und -kollegen wie Kiyoto.

Unterstützung der Jungen

Vor allem junge Wählerinnen und Wähler zeigen sich hin- und hergerissen. Die 19-jährige Studentin Hanako wünscht sich Veränderung. Sie will «etwas anderes, als was wir bisher hatten.»

Hanako.
Legende: Die 19-jährige Hanako hofft auf Veränderung in Japan und zählt dabei auf die neue Ministerpräsidentin. SRF/Samuel Emch

Ihre Hoffnung verbindet sie überraschend dennoch mit Takaichi. Mit ihr habe sich etwas geändert. Für viele symbolisiert die Regierungschefin ein Bruch mit der bisherigen politischen Ästhetik in Japan.

Auch die 23-jährige Haruka schwankt: Sie setzt auf die Ministerpräsidentin, fürchtet aber, mit ihrer Stimme andere Kräfte innerhalb der Regierungspartei LDP zu stärken.

Erzkonservative Takaichi

Laut dem Politologen Koichi Nakano von der Sophia-Universität in Tokio profitiert Takaichi besonders von ihrer starken Medienpräsenz, ihrem unkonventionellen Auftreten und einer gezielten Social-Media-Strategie.

«Natürlich spielt auch eine Rolle, dass sie die erste weibliche Regierungschefin Japans ist – in einem Land, das lange Zeit von eher farblosen Männern in grauen Anzügen regiert wurde», so Koichi Nakano.

Professor Koichi Nakano
Legende: Politologie-Professor Koichi Nakano meint, dass die Jungen oft nicht wissen, wie erzkonservativ Takaichi ist. SRF/Samuel Emch

Gleichzeitig werde dabei oft übersehen, dass Takaichi politisch streng konservativ sei. Er zweifelt daran, ob sie wirklich für Veränderung steht. Tatsächlich kandidieren nun wieder zahlreiche LDP-Kandidatinnen und Kandidaten, die ihre Posten im Zuge der Partei-Skandale verloren haben.

Viele Kandidaten – eine zentrale Figur

Takaichi sei es aber gelungen, sich als Figur zu inszenieren, die gewissermassen über der Parteipolitik stehe, meint Politologe Nakano. Und so könnte sie es schaffen, ihre Partei zu einer starken Mehrheit zu führen – trotz Hürden.

Sanae Takaichi.
Legende: Die 64-jährige Sanae Takaichi wurde am 21. Oktober 2025 zur japanischen Regierungschefin gewählt. Sie ist auch Vorsitzende der Liberaldemokratischen Partei LDP. Hier am 3. Februar 2026 an einer Wahlveranstaltung der LDP in Urawa nahe Tokio. Keystone/EPA/FRANCK ROBICHON

Für den 22-jährigen Tamako ist die Entscheidung bereits gefallen: Er will Takaichi unterstützen, weil diese umsetze, was sie verspreche. Seine Aussage unterstreicht: Obwohl fast 1300 Kandidierende zur Wahl antreten, wird vor allem über eine Person abgestimmt, die nicht auf dem Wahlzettel ist – Sanae Takaichi.

Tamako und Haruka.
Legende: Auch der 22-jährige Tamako und die 26-jährige Haruka mögen Regierungschefin Takaichi, aber nicht unbedingt ihre Partei LDP. SRF/Samuel Emch

Echo der Zeit, 6.2.2026, 18 Uhr; noes

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