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US-Senator John McCain ist tot Ein richtungsweisender Patriot

Der Republikaner John McCain war eine der prägendsten Figuren in der US-Politik. Seit 1987 sass er für den Teilstaat Arizona im US-Senat. Nun ist er im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Hirntumors gestorben.

Legende: Video John McCain ist gestorben – eine Würdigung abspielen. Laufzeit 02:23 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.08.2018.

Bis zuletzt war er in der US-Politik präsent – und richtungsweisend. Bis zuletzt blieb er eine politische Persönlichkeit. Er empfing seine Weggefährten auf seiner Ranch in Arizona, wohin er sich wegen seiner Krankheit zurückgezogen hatte.

Ob wir unsere Ansichten teilen oder nicht, wir schulden uns gegenseitigen Respekt
Autor: John McCainVerstorbener US-Senator

Und er las im National Public Radio NPR aus seinen frisch gedruckten Memoiren, es war eine letzte Botschaft. «Ich möchte nochmals mit meinen amerikanischen Mitbürgern sprechen, wenn ich darf», sagt McCain höflich. «Ich möchte die Amerikaner so lange wie ich kann daran erinnern, dass unsere gemeinsame Hingabe den Menschenrechten gilt». Und er fuhr fort: «Ob wir unsere Ansichten teilen oder nicht, wir schulden uns gegenseitigen Respekt», so seine Mahnung an ein polarisiertes Volk.

Eigensinn als Markenzeichen

Die alles blockierende Parteipolitik und die ideologische Hetze trieben John McCain schon in seinen letzten Monaten im Kongress um. Im Sommer 2017, bereits von der Krankheit gezeichnet, redete John McCain seinen Kollegen im Senat ins Gewissen: «Wir kriegen nichts hin», so die beissende Selbstkritik. Und danach sagte er «Nein» zur republikanischen Gesundheitsreform, und brachte sie zu Fall.

Legende: Video «I will not vote for this bill»: McCains Rede zur US-Gesundheitsreform vom Juli 2017 (englisch) abspielen. Laufzeit 01:22 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.07.2017.

Eigensinn war John McCains Markenzeichen als Politiker: The Maverick – den Einzelgänger – nannte man ihn, der oft vom republikanischen Weg abwich. So ging er etwa gegen die Macht des grossen Geldes in der Politk vor, oder er bemühte sich viele Jahre um einen Konsens in der Immigrationspolitik.

Kompromiss als Instrument der Politik

Er war ein Politiker der alten Schule, für den der Kompromiss noch zum politischen Instrumentarium gehörte. Für die radikal-populistischen Bewegungen in seiner Partei hatte er nichts übrig, «Hobbits» nannte er einmal die Teaparty-Anhänger im Kongress.

Für Donald Trump legte er seine Stimme nicht ein. Dennoch war John McCain in vielen Hinsichten ein klassischer Konservativer, er war für wenig Steuern, für viel Militär und eine kämpferische US-Aussenpolitik.

Land vor Parteizugehörigkeit

Und der Vorsitzende des Militärausschusses im Senat war natürlich ein Patriot. Als Patriot kandidierte er 2008 gegen Barack Obama. Er habe immer das Land vor die Parteizugehörigkeit gestellt, das wisse man ja, betonte er. Das waren bei ihm keine leeren Worte.

John McCain begann seine lange Laufbahn als Kriegsheld in Vietnam. Der junge Navy-Pilot stürzte 1967 über Hanoi ab – mehr als fünf Jahre verbrachte er in brutaler Kriegsgefangenschaft. Die Vietnamesen filmten ihn – in einer bewegenden Szene verspricht der verletzte McCain seiner Frau bald nach Hause zu kommen. Legendär ist, dass er auf eine vorgezogene Rückkehr nach Hause verzichtete. Aus Rücksicht auf andere Gefangene, die schon länger auf eine Befreiung gewartet hatten.

Glücklich mit seinem Leben

Die existenzielle Erfahrung in jungen Jahren verlieh dem späteren Erfolgspolitiker eine aussergewöhnliche Glaubwürdigkeit und Integrität. Seine tiefe Lebensbejahung behielt er bis zuletzt. Er sei sehr glücklich mit seinem Leben, sagte er in einem CNN-Interview. Er könne sein Leben zelebrieren und sei dankbar für die Zeit, die ihm noch bleibe.

Nun ist seine Zeit abgelaufen. Der Senat, die USA, haben eine bedeutende Persönlichkeit verloren – und einen Mann, der streiten konnte und doch den Frieden suchte.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

Legende: Video John McCain ist tot abspielen. Laufzeit 02:25 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 26.08.2018.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Ich hoffe, dass Supertrump der Beerdigung fern bleibt. So wie McCain es gewünscht hat!
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Naja, von Trump nicht gewürdigt zu werden ist schon eine Würdigung.
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  • Kommentar von Henri Jendly (Henri Jendly)
    McCain war zwar ein Republikaner, aber einer der Respekt verdiente. Dass er hier derart verunglimpft wird, ist unterste Schublade. Die Besserwisser sind reine Spekulanten, die versuchen, ihre fraglichen Interpretationen als Wahrheit zu verkaufen. McCain war sicher kein Engel, das ist jedoch kein einziger Politiker auf der Weltbühne. Ich war auch nie ein Freund seiner Ansichten, er tat jedoch etwas, was viele Rep's nicht taten und tun: er handelte und dachte für sein Land. RIP, John McCain.
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  • Kommentar von Nico Rossi (Doglover)
    Also ich habe Respekt vor seinem Anstand und politische korrektheit, leider wird viel falsches über ihn behauptet, in Amerika wie auch hier, ich habe viele reden von ihm gesehen, er hatte nicht nur Trump kritisiert auch vieles das Bush gemacht hat wie Guantanamo, natürlich auch Demokraten er ist und bleibt nunmal ein konservativer. Ich verfolge die US Medien täglich daher bin ich gut Vertrauet mit dem was nahmenhafte US Politiker so von sich geben.
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    1. Antwort von Martin Meier (M.Meier)
      @Rossi: kritisieren ist eine Sache, aber er hat als sehr einflussreicher Senator z.B. auch nichts gegen die Foltermethoden der Bush-Regierung getan, oder hat wie viele für den Irakkrieg gestimmt. Ihn jetzt als "Engel" darzustellen ist ein absoluter Witz!
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