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USA gegen Kuba 65 Jahre nach der Schweinebucht – droht eine neue Invasion?

1961 unterstützte die CIA die Invasion in der Schweinebucht. Jetzt scheint eine US-Aktion in Kuba wieder realistisch. Alles wie damals also?

Eine US-Militäraktion auf kubanischem Boden? Seitdem die US-Justiz den kubanischen Ex-Präsidenten Raúl Castro angeklagt hat, werden solche Spekulationen lauter. Die Anklage bezieht sich auf einen Vorfall, der 30 Jahre zurückliegt.

Was wird Raúl Castro vorgeworfen?

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Person in Uniform mit kubanischer Flagge.
Legende: Er war Verteidigungsminister, als kubanische Kampfjets zwei zivile Flugzeuge von Exilkubanern abschossen. Im Bild: Raúl Castro am 1. Mai 2025. Keystone / Ramon Espinosa

Im Zentrum der Anklage steht ein Ereignis im Jahr 1996: Kubanische Kampfjets schossen damals zwei zivile Flugzeuge von Exilkubanern ab.

Bei dem Vorfall vor 30 Jahren starben vier Menschen, darunter drei Personen aus den USA. Castro war zu dieser Zeit Ver­tei­digungs­minister. Die kubanische Regierung sprach stets von einer legitimen Reaktion darauf, dass der Luftraum verletzt worden sei. Die Internationale Zivil­luft­fahrt­orga­nisation kam später jedoch zum Schluss, dass sich der Abschuss über internationalen Gewässern ereignet hatte.

Raúl Castro war nach dem Sieg der Revolution 1959 fast 50 Jahre lang Verteidigungsminister, bevor er seinen erkrankten Bruder Fidel Castro an der Staatsspitze ablöste. Zunächst übernahm er das Amt des Präsidenten 2006 provisorisch, von 2008 bis 2018 dann offiziell. Nachdem er seinen Posten abgegeben hatte, blieb er noch bis 2021 an der Spitze der Kommunistischen Partei Kubas.

Auch gegen den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro waren die USA zuerst juristisch vorgegangen, bevor sie ihn aus Venezuela entführten. Der Fall erinnert aber nicht nur an den US-Angriff auf Venezuela Anfang des Jahres. Er bietet auch Gelegenheit, auf eine ganz andere Episode US-amerikanischer Interventionspolitik zurückzublicken. Eine US-Militäraktion in Kuba? Das gab es schon einmal.

Schweinebucht, 1961

Seit zwei Jahren ist Revolutionsführer Fidel Castro an der Macht, als am 15. April 1961 amerikanische Flugzeuge drei kubanische Flughäfen bombardieren. Ziel ist es, Castros Luftwaffe auszuschalten.

Die Maschinen sind mit kubanischen Flaggen bemalt – es soll nach einem Aufstand aus dem Inneren der Insel aussehen. Noch am 12. April, drei Tage vorher, hat US-Präsident Kennedy erklärt, die US-Regierung würde «alles dafür tun, um sicherzustellen, dass keine Amerikaner in irgendwelche Aktionen innerhalb von Kuba involviert sind.»

Drei Personen in Militärkleidung auf einem Panzer, im Wald.
Legende: Fidel Castro (rechts unten) während der Invasion der Schweinebucht. Er inszenierte die kubanische Revolution als Teil eines globalen antiimperialistischen Kampfes – und ging aus der gescheiterten Schweinebucht-Invasion mit gestärktem Rücken hervor. Keystone / Raul Corrales

Die eigentliche Invasion beginnt am 17. April. Rund 1400 Exilkubaner landen in der Schweinebucht. Logistische Unterstützung kommt von der US-Marine, das Kommando liegt bei CIA-Beamten.

Die Invasion scheitert

Die kubanische Armee wird überrascht, wehrt sich jedoch erfolgreich. Nach drei Tagen ist die Invasion gescheitert. Die bereitstehenden US-Marineeinheiten kommen auf Befehl von US-Präsident Kennedy nicht zum Einsatz.

CIA-Pläne aus der Eisenhower-Zeit

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Die CIA-Pläne für eine Geheimoperation in Kuba reichen bis in die Präsidentschaft von Kennedys Vorgänger zurück, von Dwight Eisenhower. Kuba sucht die Nähe zur Sowjetunion – und Eisenhower will die neuen Machthaber in Kuba deshalb stürzen – allerdings verdeckt, ohne eine offene US-Intervention. Schon unter Eisenhower unterstützte die CIA Anschläge und Sabotageakte von kubanischen Oppositionellen.

John F. Kennedy wird über die geplante Invasion im Januar 1961 informiert, kurz nach seiner Amtseinführung. Die Idee: Eine externe Militäraktion soll die Bedingungen für einen Aufstand im Inneren schaffen – eine Erwartung, die sich als falsch erweist.

Direkt nach den Luftangriffen streitet der US-Botschafter bei der UNO noch jegliche Involvierung ab. Wenige Tage später lenkt US-Präsident John F. Kennedy ein – und übernimmt persönlich die Verantwortung für die Niederlage.

Nach Maduro jetzt Castro?

US-Präsident Donald Trump fordert seit Wochen einen Regimewechsel in Kuba. Währenddessen hat sich auf der Karibikinsel eine lang anhaltende Wirtschafts- und Energiekrise zugespitzt. Kuba erhält kein Öl mehr von Venezuela, dem mit Abstand wichtigsten Lieferanten, seit die USA den Export dort kontrollieren.

Nun klagen die USA also den Revolutionär, Langzeit-Verteidigungsminister und Ex-Präsidenten Castro an. «Man sieht förmlich, dass es darum geht, einen Vorwand zu schaffen», sagt dazu Thomas Jäger, Professor für internationale Politik an der Universität zu Köln. Der Vorgang gäbe einer neuen Intervention, einer «Pseudo-Polizeiaktion» nach dem Modell Maduro, einen «formaljuristischen» Anstrich.

Wie weit die USA in Kuba gehen, ist offen. Thomas Jäger sagt jedoch, er halte es für «ziemlich wahrscheinlich», dass sich die Ereignisse in Venezuela wiederholen.

Person in Anzug spricht am Rednerpult.
Legende: Für US-Aussenminister Marco Rubio ist die Sache persönlich. Rubio ist das Kind kubanischer Eltern – und wandte sich am Mittwoch auf Spanisch an die kubanische Bevölkerung. Keystone / Jim Lo Scalzo

Trump ist nicht Kennedy

Eine regelrechte Invasion, eine Schweinebucht 2.0 – das wiederum wirkt aktuell nicht plausibel. Trump wolle die kubanische Regierung gefügiger machen – um so in eine Art «Geschäftsbeziehung» zu treten, erklärt Thomas Jäger.

Zudem sind nicht nur Trumps Ziele, sondern auch seine Motive anders als diejenigen Kennedys. «Trump will gewinnen, gewinnen, gewinnen», erklärt Jäger. Und aktuell brauche der US-Präsident einen Sieg besonders dringend. Der Krieg im Iran habe sich als militärischer Misserfolg entpuppt – egal, wie sehr Trump den Einsatz schönzureden versucht.

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SRF 4 News, 21.05.2026, 16:05 Uhr ; 

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