Eine US-Militäraktion auf kubanischem Boden? Seitdem die US-Justiz den kubanischen Ex-Präsidenten Raúl Castro angeklagt hat, werden solche Spekulationen lauter. Die Anklage bezieht sich auf einen Vorfall, der 30 Jahre zurückliegt.
Auch gegen den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro waren die USA zuerst juristisch vorgegangen, bevor sie ihn aus Venezuela entführten. Der Fall erinnert aber nicht nur an den US-Angriff auf Venezuela Anfang des Jahres. Er bietet auch Gelegenheit, auf eine ganz andere Episode US-amerikanischer Interventionspolitik zurückzublicken. Eine US-Militäraktion in Kuba? Das gab es schon einmal.
Schweinebucht, 1961
Seit zwei Jahren ist Revolutionsführer Fidel Castro an der Macht, als am 15. April 1961 amerikanische Flugzeuge drei kubanische Flughäfen bombardieren. Ziel ist es, Castros Luftwaffe auszuschalten.
Die Maschinen sind mit kubanischen Flaggen bemalt – es soll nach einem Aufstand aus dem Inneren der Insel aussehen. Noch am 12. April, drei Tage vorher, hat US-Präsident Kennedy erklärt, die US-Regierung würde «alles dafür tun, um sicherzustellen, dass keine Amerikaner in irgendwelche Aktionen innerhalb von Kuba involviert sind.»
Die eigentliche Invasion beginnt am 17. April. Rund 1400 Exilkubaner landen in der Schweinebucht. Logistische Unterstützung kommt von der US-Marine, das Kommando liegt bei CIA-Beamten.
Die Invasion scheitert
Die kubanische Armee wird überrascht, wehrt sich jedoch erfolgreich. Nach drei Tagen ist die Invasion gescheitert. Die bereitstehenden US-Marineeinheiten kommen auf Befehl von US-Präsident Kennedy nicht zum Einsatz.
Direkt nach den Luftangriffen streitet der US-Botschafter bei der UNO noch jegliche Involvierung ab. Wenige Tage später lenkt US-Präsident John F. Kennedy ein – und übernimmt persönlich die Verantwortung für die Niederlage.
Nach Maduro jetzt Castro?
US-Präsident Donald Trump fordert seit Wochen einen Regimewechsel in Kuba. Währenddessen hat sich auf der Karibikinsel eine lang anhaltende Wirtschafts- und Energiekrise zugespitzt. Kuba erhält kein Öl mehr von Venezuela, dem mit Abstand wichtigsten Lieferanten, seit die USA den Export dort kontrollieren.
Nun klagen die USA also den Revolutionär, Langzeit-Verteidigungsminister und Ex-Präsidenten Castro an. «Man sieht förmlich, dass es darum geht, einen Vorwand zu schaffen», sagt dazu Thomas Jäger, Professor für internationale Politik an der Universität zu Köln. Der Vorgang gäbe einer neuen Intervention, einer «Pseudo-Polizeiaktion» nach dem Modell Maduro, einen «formaljuristischen» Anstrich.
Wie weit die USA in Kuba gehen, ist offen. Thomas Jäger sagt jedoch, er halte es für «ziemlich wahrscheinlich», dass sich die Ereignisse in Venezuela wiederholen.
Trump ist nicht Kennedy
Eine regelrechte Invasion, eine Schweinebucht 2.0 – das wiederum wirkt aktuell nicht plausibel. Trump wolle die kubanische Regierung gefügiger machen – um so in eine Art «Geschäftsbeziehung» zu treten, erklärt Thomas Jäger.
Zudem sind nicht nur Trumps Ziele, sondern auch seine Motive anders als diejenigen Kennedys. «Trump will gewinnen, gewinnen, gewinnen», erklärt Jäger. Und aktuell brauche der US-Präsident einen Sieg besonders dringend. Der Krieg im Iran habe sich als militärischer Misserfolg entpuppt – egal, wie sehr Trump den Einsatz schönzureden versucht.