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USA greifen Iran an Weshalb sich Trump zum Angriff entschloss

Tagelang schien der Präsident der USA zu schwanken. Sagte, er würde ein Abkommen bevorzugen, und schickte seine Unterhändler an den Verhandlungstisch. Drohte gleichzeitig mit Angriffen und liess seine Generäle und Admirale die grösste US-Streitmacht seit dem Irakkrieg zusammenziehen. Stellte mal das iranische Atomprogramm als vorrangiges Ziel der Amerikaner dar, dann das Raketenprogramm, dann die Grausamkeit des Regimes.  

Das alles liess darauf schliessen: Die US-Regierung tat sich schwer, ein kohärentes strategisches Ziel zu definieren.

Sturz des Regimes obliegt Iranerinnen und Iranern

Und auch jetzt sind Trumps Ziele nicht vollständig klar. In seiner knapp achtminütigen kurzen Ansprache an die Amerikanerinnen und Amerikaner, die er in den frühen Morgenstunden auf seinem eigenen sozialen Kanal «Truth Social» veröffentlichte, sprach Trump alle drei früher angeführten Gründe an. Um dann aber auch den ganzen Zorn und Groll der USA gegenüber Iran seit der Revolution 1979 vorzubringen. Und um am Ende gleichzeitig klarzumachen, dass es nicht an den USA, sondern an den Iranerinnen und Iranern sei, das Regime zu stürzen.

Diese Unklarheit über das eigentliche Ziel nach dem Ende der Angriffe sowie die wenig kohärente Begründung beeinträchtigen die Möglichkeiten der USA, einen wahrscheinlichen militärischen Sieg für einen langfristigen politischen Gewinn zu nutzen.

Trump schafft Risiken

Schon im Januar schien der Präsident, der im Wahlkampf noch damit angetreten war, die ewig währenden Kriege der USA im Nahen Osten zu beenden, mehr zu einem Angriff zu tendieren, als dass er an eine Verhandlungslösung zu glauben schien.

Mit seinen markigen Worten an die protestierende iranische Bevölkerung – «Hilfe ist unterwegs» – und dem Aufbau einer mächtigen Seestreitmacht im Persischen Golf brachte er sich in eine Lage, in der er Risiken schuf, wie auch immer er sich entscheiden würde.

Irans Regime unter Druck

Der Entscheid zum Angriff fiel wohl, nachdem die amerikanische Regierung zum Schluss kam, dass die jahrzehntelang verfolgte Strategie aus Diplomatie, Sanktionen, Sabotage und zuletzt auch Angriffen auf das iranische Atomprogramm das Verhalten des Regimes nicht ändern würde. Deshalb umfasst der heutige Angriff alle Machtzentren der iranischen Regierung und nicht nur militärische und nukleare Anlagen.

Gleichzeitig befand sich das iranische Regime schon vor den US-israelischen Angriffen dieses Morgens in einer äusserst schwachen Position. Aufständische Teile der Bevölkerung, eine kollabierende Wirtschaft und durch den Krieg im Juni offengelegte militärische Schwäche. Die von Trump an die Iranerinnen und Iraner gerichtete Aufforderung ist deutlich: Trump hofft, dass die Bevölkerung das Regime stürzen wird. «Es ist vielleicht eure einzige Gelegenheit auf Generationen hinaus», so Trump.

Pascal Weber

USA-Korrespondent

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Pascal Weber arbeitet seit 1999 für SRF. Er studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Völkerrecht an der Universität Zürich (Lizentiat). Von 2010 bis 2021 war er SRF‑Nahostkorrespondent und lebte über elf Jahre in Tel Aviv, Kairo und Beirut – unter anderem während des Arabischen Frühlings, des Syrienkriegs und des US‑Abzugs aus Afghanistan. Er hat zwei Bücher veröffentlicht und arbeitet heute als USA‑Korrespondent in Washington.

Tagesschau spezial, 28.02.2026, 13 Uhr

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