Darum geht es: 5000 US-Soldaten sollen aus Deutschland abgezogen werden. Dies hat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth gemäss Angaben seines Ministeriums angeordnet, wie unter anderem CBS News berichtet. Die Soldaten sollen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten verlegt werden. Der offizielle Grund: eine Prüfung der Truppenpräsenz in Europa, der Bedingungen vor Ort und der Anforderungen der Einsatzgebiete insgesamt.
Die Vorgeschichte: US-Präsident Donald Trump hatte bereits vor einigen Tagen mit einem Abzug gedroht – dies nach Spannungen mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz rund um den Iran-Krieg. Allerdings hatte Trump auch schon in seiner ersten Amtszeit mehrfach mit einem Abzug von US-Soldaten aus Deutschland gedroht.
US-Soldaten in Europa: Gut 68'000 US-Soldaten waren im Dezember 2025 laut Daten des Pentagons auf europäischen Stützpunkten stationiert. Über die Hälfte davon – etwa 36'400 – befanden sich in Deutschland. Für Mitte April werden die Zahlen 86'000 in Europa und 39'000 in Deutschland angegeben – die Zahlen verändern sich regelmässig, etwa wegen Rotationen und Übungen. Deutschland ist damit nach Japan der zweitgrösste US-Militärstandort ausserhalb der USA.
Wozu Stützpunkte? Der Ursprung dieser US-Stützpunkte in Europa liegt im Kalten Krieg. Doch auch heute schützen die US-Stützpunkte Europa vor möglichen russischen Aggressionen. Zudem sind sie strategisch sinnvoll für ein Land wie die USA, das von vielen Konfliktregionen der Welt weit entfernt liegt. Mit ihrer Präsenz sind die US-Stützpunkte also sowohl ein Wirtschafts- als auch ein Sicherheitsfaktor für Deutschland.
Die deutsch-amerikanische Krise: Die Beziehungen zwischen Trump und Merz haben sich im Zuge des Iran-Kriegs dramatisch verschlechtert – und das binnen weniger Tage. Ausgangspunkt war offenbar Merz' scharfe Kritik am Montag am Vorgehen der USA im Iran-Krieg. Der US-Präsident feuerte daraufhin heftig zurück: Merz habe keine Ahnung, wovon er rede, und sei mit Blick auf den Ukraine-Krieg «völlig wirkungslos geblieben», sagte Trump. «Ich meine, er hat einen schrecklichen Job gemacht.» Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte Trump angekündigt, er wolle 12'000 der damals rund 35'000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte diese Pläne.
Was bedeutet ein Abzug für Deutschland? Der Abzug einiger Soldaten könne zeitlich begrenzt sein, die Schliessung ganzer Militärstandorte wäre hingegen ein erheblicher Schritt. Für die Sicherheit Deutschlands hätte dies keine unmittelbaren Folgen, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagt. Jedoch stehe schnell die Frage im Raum, ob auch das Beistandsversprechen der USA in der Nato erodieren könnte. Zudem stellt sich die Frage, welche Truppen aus Deutschland abgezogen werden sollen. Details waren zunächst nicht bekannt.
Gesetzliche Hürden: Der US-Kongress hatte vergangenes Jahr einen Sicherheitsmechanismus beschlossen: Die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, darf nicht länger als 45 Tage unter 76'000 liegen. Nach aktuellem Stand würden die USA diese Mindestanzahl nicht unterschreiten. Allerdings hatte Trump zuletzt auch einen Teilabzug in Italien und Spanien ins Spiel gebracht.