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Fussball-WM in Kanada Kanada geht auf Distanz zu den USA

Trump belastet die Beziehung zwischen Kanada und den USA. Die Fussball-WM wird für Kanada auch zur Bühne eines neuen Selbstbewusstseins.

«Let’s go Canada!» skandieren kanadische Fussballfans vor dem Stadion in Toronto. Später wird hier ein WM-Vorbereitungsspiel der Nationalmannschaft stattfinden. Jared ist aus einem Vorort angereist und sagt: «Ich konzentriere mich auf den Fussball und blende die politischen Spannungen aus.» Lehrerin Linda ist mit ihrer Freundin hier, auch sie will sich die WM-Stimmung nicht verderben lassen, findet aber deutliche Worte: «Trump soll ja nicht auf die Idee kommen, ein Spiel in Kanada zu besuchen, denn er ist nicht willkommen!»

Solche Aussagen hört man derzeit häufig in Kanada. Politikanalyst Jeff Nankivell sagt: «Viele Kanadierinnen und Kanadier distanzieren sich vermehrt von den USA, bedauern dies im Grunde aber tief.» Kanada und die USA sind wirtschaftlich und gesellschaftlich eng verflochten. Doch durch Trumps Verhalten hat dieses Verhältnis tiefe Risse bekommen.

Distanz zum grossen Nachbarn

Trump bezeichnet Kanada immer wieder als möglichen 51. Bundesstaat der USA. Auch ignorierte Trump das nordamerikanische Freihandelsabkommen und verhängte Strafzölle auf kanadische Produkte. Jeff Nankivell beobachtet eine neue Stimmung im Land: Kanada wolle den USA die Stirn bieten. «Kanadische Politikerinnen und Politiker werben inzwischen verstärkt dafür, neue Märkte in Europa und Asien zu erschliessen und Lieferketten breiter aufzustellen.»

Grosses Stadion mit leeren, roten Sitzreihen und einem markanten Dach.
Legende: Kanada nutzt die WM, um sich international neu zu positionieren, als offenes Land – im Gegensatz zum Nachbarn USA. Reuters / Sammy Kogan

Jeff Nankivell war über drei Jahrzehnte lang im kanadischen diplomatischen Dienst tätig. Heute ist er Leiter einer unabhängigen Denkfabrik, die sich auf die Beziehungen zwischen Kanada und der asiatisch-pazifischen Region konzentriert.

Die USA würden zwar immer Kanadas wichtigster Handelspartner bleiben, so Nankivell, doch Kanada werde in Zukunft nicht mehr alles auf die Nordamerika-Karte setzen: «In den letzten drei Jahrzehnten haben wir uns durch die Freihandelsabkommen zu sehr von den USA abhängig gemacht. Die aktuelle Situation zeigt, wie riskant das ist. Kanada hat sich so verwundbar gemacht, dass ein einziger amerikanischer Präsident der kanadischen Wirtschaft grossen Schaden zufügen kann.»

Willkommen in Kanada

Mit der Fussball-WM bekommt diese politische Entwicklung eine sichtbare Bühne. Kanada nutzt das Turnier, um sich international neu zu positionieren. Die Austragungsorte Toronto und Vancouver zählen zu den kulturell vielfältigsten Städten Nordamerikas.

Sie sollen das Bild eines offenen Kanadas transportieren, das Gäste aus aller Welt willkommen heisst, sagt Jeff Nankivell: «Kanada ist stolz auf die offene und einladende Haltung gegenüber Menschen aus aller Welt. Egal, ob sie aus kriegsgeschüttelten Ländern kommen oder aus den reichsten Ländern der Welt, sie sind willkommen. Mit dieser Haltung grenzt sich Kanada auch klar von den USA unter der aktuellen Regierung ab.»

Neuer Nationalstolz

Die Spannungen mit den USA haben auch einen verstärkten kanadischen Nationalstolz geweckt. Das ist bei den Fussballfans in Toronto deutlich zu spüren. Ben, der mit seinem Sohn Michael das Kanada-Spiel besuchen wird, sagt, es sei unerhört, dass Trump drohe, Kanada als 51. Bundesstaat annektieren zu wollen: «Wir sind und bleiben Kanadier.»

Die WM verdeutlicht, wie sich Kanada selbstbewusst, eigenständig und weniger im Schatten der USA präsentieren will. Die WM ist nicht nur ein Sportereignis, sondern auch eine politische Visitenkarte.

Rendez-Vous, 10.06.2026, 12.30 Uhr;sche

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