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US-Aktion in Venezuela «Spielt nicht mit uns»: Maduros Sturz als Warnung an die Welt

Die USA wollen den amerikanischen Doppelkontinent uneingeschränkt dominieren – und statuieren ein Exempel an Venezuela.

«We will run this country»: Nach der Gefangennahme von Nicolás Maduro wählte US-Präsident Donald Trump klare Worte. Die USA würden Venezuela fortan kontrollieren. Was das genau bedeutet, war jedoch unklar. Und ist es bis heute.

Wollen die USA einen Regimewechsel herbeiführen, das Land sogar besetzen? Dieses Szenario stünde in krassem Widerspruch zu Trumps Wahlversprechen, das kostspielige und verlustreiche «Nation Building» wie im Irak oder in Afghanistan zu beenden.

Regime- oder «Ölwechsel»?

Denkbar ist auch, dass die USA bloss die Ölindustrie im Land kontrollieren wollen – mit einer willfährigen Regierung in Caracas. Dies würde die Hoffnungen vieler Menschen im Land auf ein Leben in «Freiheit und Gerechtigkeit» zunichtemachen. Worte, die Trump am Samstag ebenfalls verwendete.

Trump in der Air Force One.
Legende: Am Sonntagabend (Ortszeit) sagte Trump mit Blick auf die Ölressourcen: «Wir ⁠holen uns zurück, was sie gestohlen haben.» Er ‍fügte hinzu: «Wir haben das Sagen.» Getty Images / Joe Raedle

Was also hat die Trump-Administration in Venezuela vor? Und wie fügt sich das in den historischen Kontext ein? Schliesslich haben die USA in der Vergangenheit immer wieder versucht, ausländische Regierungen zu stürzen.

Brachiale Gewalt

«Die USA setzen das Zeichen in die Welt, dass sie ihre Interessen mit brachialer Gewalt durchsetzen wollen», sagt Gerlinde Groitl, Professorin für internationale Politik an der Universität Regensburg.

Der Wille, die eigene Nachbarschaft zu dominieren, hat Bezüge zur Geschichte. Das Stichwort ist die Monroe-Doktrin.
Autor: Gerlinde Groitl Politikwissenschaftlerin an der Universität Regensburg

Ebendiese Interessen hat die US-Regierung im November in ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie formuliert: Sie betrachtet die westliche Hemisphäre – also den amerikanischen Doppelkontinent – als ihre Einflusssphäre.

Von der Monroe- zur «Donroe-Doktrin»

«Der Wille, die eigene Nachbarschaft zu dominieren, hat Bezüge zur Geschichte», erklärt Groitl. «Das Stichwort ist hier: Monroe-Doktrin.» Von 1889 bis 1990 habe es etwa 40 US-Interventionen in lateinamerikanischen Staaten gegeben. Dabei sei es nicht immer darum gegangen, Regime zu stürzen; es kamen auch weniger martialische Mittel zum Einsatz, um den US-Einfluss abzusichern.

Die Monroe-Doktrin – kurz erklärt

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Die «Monroe-Doktrin» geht auf eine Rede von US-Präsident James Monroe im Jahr 1823 zurück. Damals war sie zuallererst an die europäischen Mächte gerichtet: Diese sollten ihre Kolonialisierungsbestrebungen auf dem amerikanischen Kontinent einstellen und die Souveränität der USA anerkennen.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Monroe-Doktrin weiter und umschrieb den Anspruch der USA, die westliche Hemisphäre geopolitisch zu dominieren. Im Kalten Krieg rechtfertigte sie militärische Interventionen, um den Kommunismus in Lateinamerika einzudämmen.

Trump selbst sprach nach Maduros Gefangennahme von einer «Donroe-Doktrin» – in Anlehnung an seinen Vornamen «Donald»: «Die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre wird niemals wieder infrage gestellt.» 

Den Begriff «Donroe Doctrine» hat die New York Post schon vor einem Jahr geschöpft. Der amerikanische Präsident findet offenbar Gefallen daran.

Gesetzmässigkeiten des Kalten Krieges

Für Politologin Groitl ist Maduros Sturz auch eine globale Machtdemonstration: «Die USA senden ein Signal an Russland, China oder auch den Iran, dass man nicht mit ihnen spielen kann.» Genau diese Botschaft hatte am Samstag auch US-Aussenminister Marco Rubio.

Groitl sieht also Parallelen zwischen den US-Interventionen in Lateinamerika während des Kalten Kriegs und Maduros Gefangennahme. «Die Amerikaner versuchten damals, den Einfluss der Sowjetunion zu brechen – und das ebenfalls mit brachialen Methoden. Heute sehen wir ein ähnliches Vorgehen.»

Adressat sei aber nicht mehr nur Moskau, sondern auch Peking und weitere Akteure. Ihnen allen solle klargemacht werden, sich nicht in der Nachbarschaft der USA zu tummeln, schliesst Groitl. «Insofern erleben wir womöglich so etwas wie einen neuen Kalten Krieg.»

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SRF 4 News, 5.1.2026, 6:47 Uhr ; 

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