In der bisher längsten Präsidentschaftsrede von fast zwei Stunden versuchte Trump, die Welt zu überzeugen, die USA seien «grösser, besser, reicher und stärker als je zuvor». Doch stimmt das? Wir haben vier Aussagen unter die Lupe genommen.
1. Aussage: «Ich nutzte die Zölle, nahm Hunderte von Milliarden Dollar ein, um grossartige Abkommen für unser Land zu erzielen.»
So einfach ist es nicht. Die USA nahmen zwar Milliarden von zusätzlichen Dollar ein. Allerdings untersuchte die Federal Reserve Bank of New York, wie viel von den von Donald Trump erhobenen Zöllen die USA selbst gezahlt haben. In der im Februar 2026 veröffentlichten Studie fand sie heraus, dass fast 90 Prozent der wirtschaftlichen Belastung durch die Zölle auf US-Unternehmen und US-Verbraucher entfielen.
Auch das Congressional Budget Office (CBO) schreibt in einer neuen Studie, dass höhere Zölle zu höheren Preisen von Importwaren führen. Diese Preise zahlen die US-Verbraucher und US-Unternehmen. Das CBO rechnet damit, dass kurzfristig 30 Prozent der Importpreiserhöhungen die US-Unternehmen durch sinkende Gewinnmargen auffangen werden. Die restlichen 70 Prozent werden durch Preiserhöhungen an die Verbraucher weitergegeben.
2. Aussage: «In meinen ersten zehn Monaten habe ich acht Kriege beendet.»
Stimmt nicht ganz. Laut BBC Verify wird in manchen Fällen der Begriff «Krieg» möglicherweise zu weit gefasst. Auch sei die Rolle Trumps teilweise umstritten und in anderen flammten die Kämpfe wieder auf. Bei anderen ist unklar, ob die Friedensabkommen langfristig halten.
So beispielsweise der Konflikt in Gaza: Obwohl Trumps Friedensplan den Weg für einen Waffenstillstand ebnete, dauern die Angriffe im Gazastreifen an.
Trotz der Unterzeichnung eines Friedensabkommens im Weissen Haus im Juni brachen im Juli erneut Kämpfe zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo aus. Ebenso setzte Thailand trotz eines im Juli nach Trumps Handelsdrohungen vereinbarten Waffenstillstands die Friedensgespräche mit Kambodscha im November aus und die Auseinandersetzungen flammten wieder auf. Indien bestreitet Trumps Rolle bei der Beendigung der Kämpfe mit Pakistan, welche im vergangenen Frühling ausgebrochen waren.
3. Aussage: «Der Eierpreis ist um 60 Prozent gesunken. Die Kosten für Hühnerfleisch, Butter, Obst, Hotels, Autos und Mieten sind heute deutlich niedriger als zu Beginn meiner Amtszeit. Und selbst Rindfleisch wird nun merklich günstiger.»
So einfach ist es nicht. Laut den Daten des US-Arbeitsministeriums liegen die Lebensmittelpreise im Januar 2026 insgesamt immer noch 2.9 Prozent höher als im Januar 2025. Die Inflation hat sich bei vielen Grundnahrungsmitteln zwar abgeschwächt, darunter auch bei Eiern. Die Preise sind von Januar 2025 bis Januar 2026 um rund 35 Prozent gesunken, nicht um 60 Prozent. Der Preisanstieg ist grösstenteils auf einen Ausbruch der Vogelgrippe zurückzuführen. Die Preise für andere Produkte wie Rindfleisch sind hingegen weiterhin sehr hoch. Rindfleisch ist im Januar im Jahresvergleich um 15 Prozent teurer geworden.
4. Aussage: «Heute arbeiten mehr Menschen als jemals zuvor in der Geschichte unseres Landes.»
So einfach ist es nicht. Im Januar 2026 arbeiteten tatsächlich mehr Menschen als je zuvor. Doch auch die Bevölkerung ist gewachsen. Die Erwerbstätigenquote, also der Anteil der Menschen, die beschäftigt waren oder aktiv nach Arbeit suchten, lag unter Trump im Januar 2026 mit 62.5 Prozent fast gleich hoch wie unter Biden mit 62.6 Prozent im Januar 2024.