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USA-Iran-Konflikt «Bislang traut sich da keiner, offene Friktion zu zeigen»

Die USA haben gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen. Als Gründe nennt US-Präsident Donald Trump unter anderem das iranische Atomprogramm, das iranische Raketenprogramm und die Grausamkeit des Regimes. Marco Overhaus forscht unter anderem zur US-Sicherheitspolitik im Nahen Osten an der «Stiftung für Wissenschaft und Politik» in Berlin und ordnet ein, wie breit der US-Angriff in der amerikanischen Politik abgestützt ist.

Marco Overhaus

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Der Politikwissenschaftler Marco Overhaus ist bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik in Berlin zuständig für Nordamerika und die transatlantischen Beziehungen. Die SWP berät u.a. die deutsche Regierung in aussenpolitischen Fragen.

Dr. Marco Overhaus – Stiftung Wissenschaft und Politik

SRF News: Wie geeint ist die US‑Administration in ihrer Iran-Politik?

Marco Overhaus: Bislang gibt es für mich keine Anzeichen dafür, dass es offene Brüche gibt in der Trump-Regierung. Diese zweite Trump-Administration ist weitgehend auf der Linie des Präsidenten. Das ist ein grosser Unterschied zur ersten Amtszeit von Trump. Es gibt zwar unterschiedliche Sichtweisen, Vizepräsident JD Vance ist zum Beispiel dichter dran am klassischen Isolationismus der MAGA-Bewegung als Aussenminister Marco Rubio.

Der höchste militärische Berater des Präsidenten hat auf die Risiken eines Krieges gegen den Iran hingewiesen. Er ist aber nicht gehört worden.

Aber bislang traut sich da keiner, offene Friktion zu zeigen. Das könnte sich natürlich ändern, wenn dieser Krieg andauert und mehr US-amerikanische Opfer kostet. Aber wenn Dissens aufbricht, dann wird das eher bei den Republikanern im Kongress passieren als innerhalb der Trump-Regierung.

Gab es Kräfte im Umfeld von Präsident Trump, die gegen die US-Angriffe waren?

Öffentlich gibt es keinen offenen Bruch in der Regierung. Was intern diskutiert wird, kann ich natürlich nicht beurteilen. Was allerdings im Vorfeld der US-Angriffe deutlich geworden ist, ist, dass es zumindest kritische Stimmen gegeben hat aus dem US-Militär. Der höchste militärische Berater des Präsidenten hat sich durchaus skeptisch geäussert und auf die Risiken eines Krieges gegen den Iran hingewiesen. Er ist letztendlich aber nicht gehört worden. Zudem gab es kritische Stimmen aus dem amerikanischen Kongress.

Trump hat gesagt, dass er mit kostspieligen Auslandseinsätzen Schluss mache. Was für Folgen hat seine Kehrtwende?

Die innenpolitischen Folgen lassen sich bislang noch nicht absehen. Das hängt ganz entscheidend davon ab, wie es weitergeht und wie erfolgreich oder nicht erfolgreich das israelisch-amerikanische Eingreifen im Iran sein wird.

Es ist nicht ganz klar, was das eigentliche Ziel der USA ist. Diese Unklarheit könnte aber auch ein Mittel von Trump sein.

Als Parallele kann der Militärschlag gegen Venezuela Anfang dieses Jahres dienen: Da gab es innenpolitische Debatten, es gab auch aus MAGA-Kreisen kritische Anmerkungen, aber letztendlich hat es Trump nicht geschadet, weil es eine kurze Militäroperation war.

Das Ziel des Angriffs sei es, das iranische Atom- und Raketenprogramm zu stoppen, so Trump, und die Bevölkerung vom Regime zu befreien. Sehen Sie noch andere Beweggründe?

Es ist nicht ganz klar, was das eigentliche Ziel der USA ist. Diese Unklarheit könnte aber auch ein Mittel von Trump sein. Diese Flexibilität bei der Zielsetzung könnte ihm später nämlich zugutekommen. Beispielsweise wenn er zu einem späteren Zeitpunkt den Krieg von US-amerikanischer Seite her für beendet erklärt, weil bestimmte Teilziele erreicht worden sind. Trump könnte dann sagen: Das iranische Atomprogramm wurde weiter zurückgeworfen oder der Iran wurde militärisch weiter geschwächt. Insofern scheint das eine bewusste Flexibilisierung der Ziele zu sein seitens der US-Regierung.

Das Gespräch führte Katrin Hiss.

Heute Morgen, 3.3.2026, 06:00 Uhr ; 

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