Die USA und Israel haben den Obersten Führer des Irans getötet. Daraus folgen mehrere Möglichkeiten, wie es im Iran weitergeht. Der US-Präsident hat jedoch nie präzise formuliert und dargelegt, welche dieser Möglichkeiten er wie gewichtet. Noch, wie er sie zu nutzen gedenkt.
Klar ist: Mit Ali Chamenei an der Spitze war ein Wandel im Iran nicht möglich. Doch Luftangriffe allein haben in der Geschichte noch nie zu einem erfolgreichen Regimewechsel geführt. Ohne eine organisierte und fähige Opposition im Land ist ein solcher Wandel unmöglich. Die USA scheinen jedoch keinen klar ausformulierten und durchdachten Plan zu haben, wie sie nach einem Ende der Angriffe weiter vorgehen wollen. Weil sie das Ziel nicht klar formuliert haben und weil sie keine Instrumente haben, mit den Iranerinnen und Iranern wirklich zu kommunizieren.
Anders als in Venezuela – und doch ähnlich
Trump will in Teheran einen Machtwechsel. Doch er lässt offen, wie tiefgreifend dieser in seinen Augen sein soll. In Venezuela hat sich die Trump-Regierung damit begnügt, Diktator Maduro zu entführen und durch die den amerikanischen Interessen offener gegenüberstehende Delcy Rodriguez zu ersetzen. Das Regime als solches blieb weitgehend bestehen. Im Iran sind die Dinge anders, komplizierter und doch ähnlich.
Selbst wenn die amerikanischen und israelischen Luftangriffe das iranische Regime soweit schwächen, dass nicht nur Chamenei selbst fällt, sondern auch sein innerster Zirkel, ist nicht unmittelbar klar, dass dies zu einem tiefgreifenden Wandel führt. Das zurzeit wahrscheinlichste Szenario ist, dass die neue Führung in Teheran ausgefochten wird in einem Ringen zwischen den konservativen Kräften innerhalb des Regimes und den reformorientierten Kräften, die sich aber immer noch innerhalb des Regimes bewegen und dieses als Ganzes nicht infrage stellen. Dabei ist aber klar: Auch wenn die Konservativen dieses Ringen gewinnen, werden sie in ihrer Macht angesichts der militärischen Niederlage, des ideologischen Kollapses und der wirtschaftlichen Not deutlich eingeschränkt sein.
Appell an die Opposition greift zu kurz
Donald Trump liegt richtig, wenn er erkennt, dass ein Regimewechsel nicht von aussen diktiert werden kann. Doch nach 47 Jahren Indoktrination und Unterdrückung kann es die iranische Opposition auch nicht selber bewerkstelligen. Deshalb greift es zu kurz, wenn Trump dieser Opposition einfach zuruft, dass sie die Dinge selbst in die Hand nehmen und die Gelegenheit ergreifen soll. Das Regime hat immer noch genügend Machtinstrumente in seiner Hand, die durch Luftangriffe nicht beseitigt werden können.
Die Frage, was Donald Trump wirklich erreichen will, ist entscheidend für die Frage, wie und wie lange dieser Krieg weitergeht. Ob der US-Präsident eine Antwort auf diese Frage hat, legte er bislang nicht dar.