In der Hauptstadt Washington versammelten sich Protestierende vor dem Weissen Haus. «Keinen Cent und keinen Dollar für Krieg und Gemetzel», skandieren die Demonstrierenden. Viele sind wütend, dass mit Steuergeldern ein, wie sie sagen, unnötiger Krieg angezettelt wurde. Wütend ist auch der 25-jährige Steve. «Es geht nur um Öl und um die Interessen von Milliardären», ist er überzeugt. Und er wolle nicht, dass junge Menschen wie er dafür in den Krieg geschickt werden und sterben.
Auch Robin macht sich Sorgen. Die 40-Jährige befürchtet, dass der Konflikt im schlimmsten Fall zum dritten Weltkrieg führen könnte. Das Regime im Iran sei zwar unterdrückerisch, sagt sie. Doch die USA hätten eine schlechte Erfolgsbilanz bei erzwungenen Regimewechseln. Das mache alles nur noch schlimmer.
Ablenkung von innenpolitischen Problemen
Robin hat ein selbstgebasteltes Plakat dabei, darauf steht auch: «Release ALL Epstein Files».
Sie fordert die vollständige Freigabe der Epstein-Akten, denn sie hat den Verdacht, dass der Zeitpunkt des Iran-Angriffs auch auf die jüngsten Veröffentlichungen aus den Epstein-Dokumenten zurückzuführen sei und Trump davon ablenken wolle: «Es sieht so aus, dass es eine glaubwürdige Aussage einer jungen Frau gibt, die von Trump vergewaltigt wurde, als sie noch ein Mädchen war. Und das ist der Grund, warum wir nun das Militär einsetzen, um davon abzulenken.»
Nichts aus der Vergangenheit gelernt
Jackie sorgt sich vor allem darum, dass aus der Vergangenheit nichts gelernt wurde, etwa aus dem Irak-Krieg. Die 57-jährige Ärztin sagt, sie sehe täglich Veteraninnen und Veteranen mit schweren körperlichen Einschränkungen und psychischen Problemen.
«Warum kümmert Trump sich nicht stärker um sie und um die mentale Gesundheit junger Menschen?», fragt sie sich. Ihre Freundin Mayleen ergänzt: «America First, sagt Donald Trump immer. Warum setzt er das nicht um?». Das Geld sollte ihrer Meinung nach dafür ausgegeben werden, dass sich alle eine Krankenversicherung leisten könnten, dass niemand hungern müsse und Menschen ein besseres Leben hätten, nicht dafür, andere zu töten.
Und es gehe nicht nur um Amerikanerinnen und Amerikaner, sagt Jackie. Mit dem Geld könnte man weltweit Leid lindern, etwa in Afrika oder in Gaza, wo Kinder litten.
Unterschiedliche parteipolitische Haltung
Wie die Protestierenden denkt eine Mehrheit in den USA. Je nach Umfrage variieren die Zahlen, doch eine Mehrheit lehnt den Angriff auf den Iran ab. Unter demokratischen Wählerinnen und Wählern überwiegt die Ablehnung deutlich, unter republikanischen gibt es mehr Unterstützung. Doch selbst unter jenen, die die Luftangriffe grundsätzlich befürworten, würde nur eine kleine Minderheit auch den Einsatz von US-Bodentruppen im Iran unterstützen.
Gehört hat Donald Trump die mehreren hundert Demonstrierenden vor dem Weissen Haus an diesem Tag nicht. Der Präsident war in Delaware, wo die Särge der sechs beim iranischen Luftangriff in Kuwait Gefallenen in die USA zurückgebracht wurden. Die Menschen hier hoffen dennoch, dass ihre Botschaft ankommt.