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Wie sicher ist sich Putin seiner Macht?
Aus SRF 4 News aktuell vom 18.01.2021.
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Verhaftung des Kremlkritikers «Offenbar fürchtet der Kreml Nawalny»

Alexej Nawalny ist nach seiner Landung in Moskau am Sonntagabend umgehend verhaftet worden. Der Putinkritiker hatte die vergangenen Monate in Deutschland verbracht, wo er nach einem Giftanschlag mit dem Nervenkampfstoff Novitschok behandelt wurde. Wie es mit Nawalny in Russland weitergehe, sei völlig offen, sagt SRF-Korrespondent David Nauer.

David Nauer

David Nauer

Russland-Korrespondent, SRF

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David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

SRF News: Weiss man in Moskau mehr darüber, weshalb genau Nawalny am Sonntagabend verhaftet wurde?

David Nauer: Es ist das passiert, was die Behörden im Vorfeld angekündigt hatten: Nawalny wurde festgenommen, weil er gegen Bewährungsauflagen verstossen hat. Der Kreml-Kritiker war 2017 in einem politisch motivierten Prozess zu einer langjährigen Hafstrafe verurteilt worden und soll nun 3.5 Jahre ins Gefängnis. Zudem hätte er sich regelmässig bei seinem Bewährungshelfer melden sollen. Das aber hat Nawalny nicht getan.

Die russischen Behörden wollen, dass Nawalny seine bedingte Strafe absitzen muss.

Deshalb verlangen die russischen Behörden jetzt, dass Nawalny die Haft im Gefängnis absitzen muss. Ein Gericht wird darüber am 29. Januar entscheiden. Bis dann bleibt Nawalny vorerst in Haft.

Nawalny und uniformierte Sicherheitskräfte.
Legende: Bei seiner Ankunft in Moskau wurde Nawalny vom Fleck weg verhaftet. Keystone

Wie reagieren die Russen auf Nawalnys Rückkehr und seine sofortige Verhaftung?

Sehr unterschiedlich. Bei Nawalnys liberalen Unterstützern ist das Entsetzen gross. Manche schimpften in den sozialen Medien ziemlich unverblümt über den Kreml und Putin. Andere Stimmen sind eher nachdenklich. So schrieb ein Moskauer Künstler etwa, Russland sei zu einem «schrecklichen Land» geworden.

Nawalnys liberale Unterstützer sind entsetzt.

Die kremlnahen Kanäle dagegen reagierten ganz anders: So berichtete das Staatsfernsehen am Sonntagabend überhaupt nicht über Nawalny. Eine regierungsnahe Boulevardzeitung schrieb, so sei halt nun mal die Rechtslage in Russland. Die Behörden hätten nicht anders gekonnt, als Nawalny festzunehmen.

Nawalnys Flug wurde kurz vor der Landung auf einen anderen Moskauer Flughafen umgeleitet, vermutlich, damit ihm seine Anhänger keinen grossen Empfang bereiten konnten. Hat der Kreml Angst vor seinem Kritiker?

Das kann man durchaus so deuten: Ein Flugzeug umzuleiten, Hundertschaften Polizei aufzufahren, den Politiker vom Fleck weg zu verhaften – der Kreml fürchtet offenbar um seine Macht.

Offenbar traut der Kreml seiner eigenen Stärke nicht – und fürchtet Nawalny.

Das steht durchaus in einem gewissen Widerspruch von Putins Image. Er präsentiert sich als beliebter Vater der Nation. Da kann man sich schon fragen, weshalb ein politischer Gegner wie Nawalny mit einem solchen Aufwand bekämpft wird, wenn doch Putin derart sicher im Sattel sitzt. Offenbar traut der Kreml seiner eigenen Stärke nicht – und fürchtet Nawalny.

Gibt es Anhaltspunkte, wie es mit Nawalny weitergeht?

Er selber und seine Anhängerinnen und Anhänger wollen gegen die Verhaftung vorgehen. Sie sagen, diese sei widerrechtlich erfolgt. Doch der Staat meint es diesmal offenbar ernst – und Nawalny muss diesmal vielleicht tatsächlich für längere Zeit hinter Gitter bleiben.

Nawalnys politisches Leben war stets von Überraschungen geprägt – vielleicht auch diesmal.

Man darf nicht vergessen: Mutmasslich standen hinter dem Mordversuch mit Gift an Nawalny staatliche Strukturen, Geheimdienstler. Da ist es schwer vorstellbar, dass dieser Staat Nawalny einfach frei herumlaufen lässt. Allerdings war Nawalnys politisches Leben bislang immer wieder von Überraschungen geprägt. Vielleicht erwartet ihn auch diesmal eine.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

SRF 4 News aktuell vom 18.1.2021, 06.20 Uhr;

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Ziegler  (Urs Ziegler)
    Der Mann hat Mut, das muss man anerkennen. Aber seien wir doch realistisch. In einem Land wie Russland, in dem Willkür der Behörden an der Tagesordnung ist, die Leute vor allem damit beschäftigt sind, irgendwie zu überleben. Hat da ein Despot wie Putin tatsächlich etwas zu befürchten, wenn er einen kleinen Oppositionsführer für einige Wochen ins Gefängnis stecken lässt? Nein, und über das uneinige Europa kann der nur lachen. Leider.
    1. Antwort von Mike Pünt  (Scientist)
      Offenbar hat Putin eben doch Angst. Sonst würde er nicht versuchen, Nawalny mit allen Mitteln aus dem Weg zu räumen.
      Und einer der Hauptgründe, weshalb es den Menschen in Russland nicht gut geht, ist ja genau das System Putin, mit seiner wuchernden Korruption.
    2. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      Ja, Herr Ziegler. Mutig ist Nawalny, aber ob dies intelligent ist, darf man bezweifeln. Putin hat nicht grundlos die Verfassung geändert (kann bis 2036 an der Macht bleiben) und sich seines, zu gemäßigten, "Freundes" Dimitri Medwedew, entledigt. Putin wird nicht zweimal einen solchen Fehler machen. Ergo passiert in den nächsten 15 Jahren nichts. Und - ein eingesperrter oder toter Nawalny nützt niemandem. Im Exil hätte er Zeit gehabt die Nach-Putin-Zeit zu planen.
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Wie ein einzelner Regimegegner doch ein, vermeintlich fest im Sattel sitzendes (übrigens Reiten kann Putin definitiv nicht), Staatsoberhaupt drunter und drüber bringen kann. Ein Putin der Schwächen und eine gewisse Angst zeigt, seine Macht zu verlieren? Arme Despoten, wenn Mann nicht mehr «sorglos» regieren kann. Ich frage mich schon lange, ob Männer wie Putin überhaupt ohne Schlafstörungen und «Verfolgungswahn» durchs Leben gehen können
    1. Antwort von Mike Pünt  (Scientist)
      Die haben ganz bestimmt Verfolgungswahn, und wahrscheinlich zu recht. Wenn man die unabhängige Justiz nämlich erst einmal gegen die Wand gefahren hat, ist niemand mer sicher.
      Das gute an einem demokratischen Rechtstaat ist ja, dass Politiker nach ihrer Amtzzeit weiterleben dürfen und nicht weggesperrt oder gelyncht werden.
  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Kein Witz ist, dass Navalny für Jahre eingekerkert wird.
    - Rocher Case ist das geringste Vergehen
    - Neu Veruntreuung von Spendengeldern der Oligarchen, Geldwäscherei
    - Foreign Agent gilt auch für Individualpersonen seit Dez. 2020
    - Spionage zu Gunsten CIA und MI6
    1. Antwort von Mike Pünt  (Scientist)
      Ich glaube ja, dass Putin Flughäfen sperren liess um Nawalny direkt aus dem Flugzeug heraus zu verhaften. Putin hat offenbar panische Angst davor, dass Nawalny zu seinen Anhängern sprechen kann und wollte dies um jeden Preis verhindern. Oder ist dieses Vorgehen normal bei jemandem, der wegen Geldwäscherei angeklagt wurde? Putin tut mir fast ein wenig leid. Gegen Konkurrenz kann er keine 5 Minuten bestehen.
    2. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @Elbrus: Ihr Fanatismus fuer Putin ist nicht zu uebersehen, doch was bleibt, sind die fakten, dass es bis jetzt keine Beweise fuer 3 der obengenannten Vergehen gibt. In RU, dass muessten Sie eigentlich selbst wissen, wird man sehr schnell auf ungerechte Art (bekannt das Drogen unterjubeln durch Ermittlungsbehoerden) zu einem vom Kreml und seinen Anhang, gewuenschten Taeter. Also lassen Sie doch die fruehzeitige Schadenfreude,denn wie schnell kann man in RU ungewollt selbst zu einem Opfer werden