Iranische Raketeneinschläge mitten in Israel oder die Behauptung, der israelische Minister Itamar Ben-Gvir sei tot und Israel versuche dies zu vertuschen: Solche Falschmeldungen kursieren derzeit im Netz – und sollen den Eindruck vermitteln, Israel sei härter getroffen worden, als zuvor angenommen.
Israels Armee fährt eine strenge Linie bei Aufnahmen
Laut dem Israeli Institute for National Security Studies (Universität Tel Aviv) kamen in Israel seit Kriegsbeginn 14 Menschen bei iranischen Angriffen ums Leben (12 Zivilisten, 2 Soldaten), und 2600 wurden verletzt.
Obwohl in Israel zahlreiche internationale Journalistinnen und Journalisten arbeiten, ist die Ausstrahlung von Material, das die nationale Sicherheit gefährden könnte, durch die Militärzensur streng geregelt. So schreibt etwa der US-Nachrichtensender CNN: «Die Militärzensur hat klargestellt, dass die Ausstrahlung von Bildern, die den Standort von Abfangraketen oder von feindlichen Projektilen getroffenen Militärstandorten zeigen, verboten ist, insbesondere in Live-Übertragungen.»
Diese strenge Handhabung könnte ein Grund für die Zirkulation von Falschmeldungen sein.
Desinformation zu Angriffen auf Netanjahus Bruder
Viele der in sozialen Medien geteilten Aufnahmen zeigen angebliche Schäden oder behaupten, führende Politiker seien getötet worden. So etwa ein weit verbreitetes Video, das ein brennendes Haus als die Residenz von Benjamin Netanjahus Bruder, Iddo, darstellt.
Bei genauerem Hinschauen entpuppt es sich aber als alte Aufnahme eines Brandes in US-Bundesstaat New Jersey vom 10. Februar.
Auch sehr alte Videos werden fälschlicherweise als aktuelle Angriffe präsentiert. So sind auf einem Video vom 9. März, das Netanjahus Privatresidenz zeigen soll, Aufnahmen der brennenden Twin Towers vom 11. September 2001 zu sehen.
In einigen Beiträgen wird sogar das Gerücht verbreitet, dass der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu getötet worden sei – dies obwohl er seither mehrfach öffentlich aufgetreten ist. In anderen Beiträgen wird spekuliert, Itamar Ben-Gvir sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ein entsprechendes Video erreichte 1.3 Millionen Aufrufe.
Die Meldung enthält ein Körnchen von Wahrheit – Ben Gvir war im Jahr 2024 tatsächlich in einen Autounfall verwickelt. Der Minister reagierte auf die anhaltenden Falschmeldungen am 10. März mit einem kurzen Eintrag auf X - wo er nur schrieb «Ich bin am Leben.»
Brände in Tel Aviv? Videos entpuppen sich als Fälschungen
Neben Personalfalschmeldungen zirkulieren auch Aufnahmen angeblicher Brände in Israel. Ein Video eines gigantischen Flammenmeers in einem Strassenzug, das einen «Feuerwehreinsatz in Tel Aviv nach iranischen Raketenangriffen» zeigen soll, zeigte tatsächlich einen Brand im schottischen Glasgow vom 8. März.
In einem auf der Plattform X geteilten Beitrag vom Morgen des 10. März heisst es: «Heute Abend sind Hunderte Raketen auf Tel Aviv niedergegangen. Es steht in Flammen und Israel droht mit fünf Jahren Haft für die Veröffentlichung dieser Aufnahmen.» Tatsächlich zirkulierten dies Aufnahmen bereits vor dem Krieg – sie waren auf einem auf Instagram publizierten Clip vom 31. Januar zu sehen.
Nach zwei Wochen gegenseitigem Beschuss dürfte der Krieg in eine neue Phase treten. Angaben zu grossflächiger Zerstörung von beiden Seiten müssen weiterhin besonders gründlich geprüft werden.