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Taliban stehen kurz vor der Einnahme Kabuls
Aus Tagesschau vom 15.08.2021.
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Vormarsch der Taliban Präsident verlässt das Land – Lage in Kabul bleibt angespannt

  • Die radikalen Islamisten sind von allen Seiten auf die Hauptstadt Kabul vorgestossen und befinden sich vor der Toren der Stadt.
  • Der bisherige afghanische Präsident, Aschraf Ghani, hat derweil nach übereinstimmenden Meldungen das Land verlassen.
  • Die Taliban sind nach eigenen Angaben in Gesprächen mit der afghanischen Regierung – über eine «friedliche Übergabe» von Kabul.
  • Die Taliban-Führung erklärte weiter, man wolle Kabul nicht gewaltsam einnehmen. Allen Menschen, die Kabul verlassen wollten, werde ein sicherer Abzug gewährt.

Wie die Nachrichtenagenturen Reuters und AFP unter Berufung auf offizielle Stellen berichten, hat Afghanistans Präsident Aschraf Ghani Kabul in Richtung Tadschikistan verlassen.

Die Taliban hatten ihre Kämpfer zuvor angewiesen, nicht in die Hauptstadt Kabul vorzudringen. Sie sollten vielmehr an den Toren der Stadt Stellung beziehen, heisst es in einer Erklärung der Islamisten. Die Taliban beabsichtigten nicht, die Stadt mit Gewalt oder Krieg zu betreten. Man wolle vielmehr mit der anderen Seite über einen «friedlichen Einmarsch» in Kabul verhandeln.

Schweizer Büro in Kabul vorübergehend geschlossen

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Die Schweiz hat aufgrund der sich verschlechternden Sicherheitslage in Kabul ihr Kooperationsbüro vorübergehend geschlossen. Für die Sicherheit des dortigen Schweizer Bundespersonals sind Massnahmen zur Evakuierung ergriffen worden, wie das Aussendepartement (EDA) am Sonntag auf Anfrage mitteilte.

Weitere Informationen könnten derzeit aus Sicherheitsgründen nicht gegeben werden, hiess es auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Am Freitag hatte Livia Leu, Staatssekretärin beim Aussendepartement EDA, vor den Medien in Bern erklärt, die Schweiz hole aus Sicherheitsgründen die sechs Schweizer Mitarbeitenden des EDA aus Afghanistan zurück in die Schweiz. Rund 40 langjährige lokale Mitarbeitende der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und ihre Familien erhielten zudem ein humanitäres Visum.

Es werde zudem eine neue Regierung angestrebt, an der alle Afghanen beteiligt seien, sagt der Sprecher dem britischen Rundfunksender BBC. Er versicherte, dass die Rechte von Frauen respektiert würden. Frauen würden Zugang zu Bildung haben und auch arbeiten sowie alleine das Haus verlassen dürfen. Strafen wie «Hinrichtungen, Steinigungen und Amputationen» müssten von Gerichten entschieden werden. Medien solle eine kritische Berichterstattung erlaubt werden.

Innenminister spricht von «friedlicher Machtübergabe»

Auch der afghanische Innenminister Abdul Sattar Mirzakwal erklärte, es sei die Vereinbarung getroffen worden, dass ein Machtwechsel friedlich erfolge. Kabul werde nicht angegriffen werden. Die Sicherheit der Stadt sei garantiert, sagte Mirsakwal in einer Videobotschaft. Er rief die Menschen dazu auf, nicht auf Propaganda zu hören. «Die Leute brauchen sich keine Sorgen zu machen, die Stadt ist sicher», erklärte er.

Ali Ahmad Jalali für die Übergangsregierung?

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Der ehemalige afghanische Innenminister und
Botschafter in Deutschland, Ali Ahmad Jalali, ist
Diplomatenkreisen zufolge im Gespräch, eine Übergangsregierung zu führen.

Ob die Taliban Jalalis Ernennung zustimmen, sei noch
nicht klar. Er gelte aber als Kompromisskandidat, der potenziell von allen Seiten akzeptiert werden könnte.

Eine Delegation der afghanischen Regierung soll sich noch heute in Doha in Katar mit Vertretern der Taliban treffen. Dies erklärte ein Unterhändler der afghanischen Regierung. In Doha befindet sich der Sitz der politischen Vertretung der Taliban. Laut Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sollen beim Treffen auch US-Vertreter anwesend sein.

Biden warnt Taliban – Evakuierung angelaufen

US-Präsident Joe Biden drohte den Taliban bereits vor den neuesten Entwicklungen mit «einer raschen und starken militärischen Reaktion», falls diese das US-Personal in Afghanistan gefährdeten. Das habe er Vertretern der Taliban in Doha in Katar ausrichten lassen. Die USA begannen am Sonntag mit der Evakuierung von Diplomaten aus der Botschaft in Kabul – die Helikopter sind am frühen Morgen gelandet.

USA schicken 5000 Soldaten für Evakuierung

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US-Präsident Joe Biden schickt zusätzliche Soldaten für Evakuierungs- und Rückzugsaufgaben nach
Afghanistan. Dafür würden insgesamt rund 5000 US-Soldaten eingesetzt, sagt Biden. Ein Insider aus dem
Verteidigungsministerium erläutert, damit werde die bisher bekannt gegebene Truppenstärke um rund 1000 Soldaten aufgestockt.

Ein US-Vertreter bekräftigte, dass eine Änderung der US-Militärstrategie unwahrscheinlich sei, solange die Islamisten die Evakuierung der amerikanischen Botschaft nicht störten.

Seit Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen im Mai verzeichnen die Taliban gewaltige Gebietsgewinne. Mittlerweile kontrollieren sie 21 der 34 Provinzhauptstädte des Landes. Am Samstag und am frühen Sonntag waren auch die letzten grossen Städte neben Kabul, Masar-i-Scharif und Dschalalabad, in ihre Kontrolle gebracht worden.

SRF 4 News, 14.8.21, 21 Uhr;

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230 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Der Fall von Kabul zeigt schonungslos, dass Deutschland und die anderen Nato-Staaten ohne die USA militärisch nicht handlungsfähig sind. Ohne deren Absicherung kann selbst das Botschaftspersonal nicht ausgeflogen werden. Einst unentbehrliche Ortskräfte und ihre Familien müssen jetzt um ihr Leben bangen. Zum politisch-militärischen kommt ein schmerzhaftes moralisches Versagen, wenn man die im Stich lässt, die das lokale Rückgrat von zwei Jahrzehnten Afghanistan-Einsatz waren.
  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    20 Jahre lang haben die USA und wir Völker Europas Billiarden von $ in den Krieg und Tod investiert und es nicht geschafft, dem Land die angeblichen Vorzüge des Kapitalismus schmackhaft zu machen? Oder wollten wir das gar nie? Ist es uns gar nie um die Menschen in Afghanistan gegangen? Ging es den USA nur um die Befriedigung ihrer Macht- und Rachegelüste?
  • Kommentar von Reto Meisser  (Reto Meisser)
    Senden wir Merkel und Bush per Flugzeug dahin....die zwei bringen ja alles zustande.
    Die Verlierer auf der ganzen Strecke sind die Frauen.
    Aber da sagt Normen von den Mächtigen was. Eher traurig das ganze.
    1. Antwort von Monika Denth  (Denth)
      Da kann ich Ihnen nur beipflichten. Wäre unter Donald Trump nicht passiert! Aber jetzt ist ein "August" und "Schöngeist" am Werk. Bei der nächsten Wohl wird er weg sein, gottlob!
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Frau Denth, Was wäre unter 45 nicht passiert?