- Premierminister Keir Starmer und seine Labour-Partei rutschen nach einer historischen Niederlage bei den Regional- und Kommunalwahlen in eine schwere Krise.
- Die Sozialdemokraten verloren in England mehr als tausend Mandate in kommunalen Gremien. Die Rechtspopulisten von Reform UK gehen mit mehr als 1400 Mandaten als klarer Sieger hervor.
- Britische Medien spekulierten erneut über eine mögliche Ablösung des Regierungschefs durch seine Partei.
Starmer sagte in einer ersten Reaktion, er übernehme die Verantwortung für die «harten Ergebnisse». Er fügte jedoch hinzu: «Tage wie diese ändern nichts an meiner Entschlossenheit, den Wandel herbeizuführen, den ich versprochen habe.»
Nach Auszählung von 129 Bezirken in England verzeichnete die Reform-Partei von Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage mehr als 1400 gewonnene Mandate in kommunalen Gremien.
Die Sozialdemokraten von Labour verloren mehr als 1300 Sitze. Die oppositionellen Konservativen büssten mehr als 550 Mandate ein. In Newcastle-under-Lyme in den Midlands errang Reform UK die absolute Mehrheit in einem Bezirksrat.
Reform-Chef Farage sprach von einem «historischen Wandel in der britischen Politik». Angesichts starker Zugewinne seiner Partei in früheren Labour-Hochburgen sei die traditionelle Unterscheidung zwischen rechts und links obsolet, sagte Farage laut der Nachrichtenagentur PA.
In einigen Regionen ging Labour komplett leer aus. So verlor die Partei in Tameside im Grossraum Manchester erstmals seit fast 50 Jahren die Kontrolle über den Stadtrat, nachdem Reform UK alle 14 zur Wahl stehenden Sitze erobert hatte. Zudem musste Labour in der ehemaligen Bergbaustadt Wigan 20 Mandate an die Partei von Farage abgeben.
Sozialdemokraten auch in Wales und Schottland hinten
In Wales findet die jahrzehntelange Dominanz der Labour-Partei nach vorläufigen Ergebnissen der Regionalwahl ein bitteres Ende. Die Sozialdemokraten von Starmer landeten bei der Wahl zum walisischen Regionalparlament, dem Senedd, nur auf Platz drei. Damit endet die 27-jährige Regierungszeit und die mehr als 100 Jahre andauernde Serie von Wahlsiegen der Labour-Partei im Westen Grossbritanniens.
Die Chefin der walisischen Labour-Partei und scheidende Regierungschefin des britischen Landesteils, Eluned Morgan, verlor ihren Sitz im Senedd und kündigte ihren Rücktritt als Parteivorsitzende an. Die Ergebnisse zeigten, «dass die Labour-Regierung national einen Kurswechsel braucht», sagte Morgan laut der Nachrichtenagentur PA. Starmer bezeichnete Morgan in einem Beitrag auf X als eine «unermüdliche Kämpferin für Wales» und dankte ihr für ihren Einsatz.
Stärkste Kraft wurde die Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru vor den Rechtspopulisten von Reform UK, die auf dem zweiten Platz landeten.
Auch in Schottland, wo die Unabhängigkeitspartei SNP vorn liegt, gibt es für die Sozialdemokraten keinen Grund zur Freude.
Kommunalwahlen als Stimmungstest
Die Wahlen von über 136 Kommunalvertretungen in England sowie der Regionalparlamente in Schottland und Wales gelten als wichtigster Stimmungstest vor der nächsten regulären Parlamentswahl im Jahr 2029.
Starmer war 2024 mit dem Versprechen angetreten, nach Jahren des politischen Chaos für Stabilität zu sorgen. Seine bisherige Amtszeit war jedoch von zahlreichen Kurswechseln und Skandalen geprägt, darunter die Entlassung des britischen US-Botschafters Peter Mandelson wegen dessen Verbindungen zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.