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Wegen Fluchtgefahr Sicherheitshaft für gambischen Innenminister Sonko verlängert

  • Die Sicherheitshaft für den früheren gambischen Innenminister Ousman Sonko ist bis am 15. August verlängert worden.
  • Dies geht aus einem Beschluss der Strafkammer des Bundesstrafgerichts hervor.
  • Die Strafkammer geht bei Sonko, der wegen mehrfacher Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurde, von Fluchtgefahr aus.

Der Beschluss wurde im Anschluss an die öffentliche Urteilsverkündung Mitte Mai gefällt, als Sonko zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren verurteilt wurde. Mit der Verlängerung der Sicherheitshaft um drei Monate soll sichergestellt werden, dass sich Sonko dem Strafvollzug nicht entziehen kann.

Personengruppe vor weissem Gebäude mit schweizer Flagge.
Legende: Opfer und deren Angehörige demonstrierten vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona, vor Beginn des Prozesses gegen den ehemaligen Innenminister Gambias, Ousman Sonko, am 8. Januar 2024. PABLO GIANINAZZI/Keystone

Die Strafkammer des Bundesstrafgerichts hatte ihn der mehrfachen vorsätzlichen Tötung, der mehrfachen Freiheitsberaubung und der mehrfachen Folter als Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen.

Systematischer Angriff gegen Zivilbevölkerung

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Die gegen Sonko zur Anklage gebrachten Taten fallen in den Zeitraum von 2000 bis 2016. Die Verbrechen soll der Gambier mehrheitlich in Mittäterschaft mit dem damaligen Präsidenten des westafrikanischen Landes, Yahya Jammeh, sowie Führungsmitgliedern von Sicherheitskräften und Gefängnisdiensten begangen haben.

Dies sei im Rahmen eines systematischen und ausgedehnten Angriffs gegen die Zivilbevölkerung geschehen. 

Folterungen und Sexualverbrechen

Die Bundesanwaltschaft warf Sonko vor, in seinen jeweiligen Führungsfunktionen für Tötungen, Folterungen, Vergewaltigungen und die mehrfache Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung mitverantwortlich gewesen zu sein. In einem Fall wurde er beschuldigt, die Witwe eines getöteten Militärangehörigen unzählige Male vergewaltigt zu haben.

Die Folterungen und Sexualverbrechen gegen Journalisten, Oppositionelle oder mutmassliche Putsch-Beteiligte sollen von der paramilitärischen Einheit Junglers auf Anordnung von verschiedenen Führungskräften erfolgt sein – unter ihnen Ousman Sonko.

    Der Gambier befindet sich seit über siebeneinhalb Jahren in Haft. Das Gericht ordnete für Sonko auch eine Landesverweisung von zwölf Jahren an. Aufgrund der erstinstanzlich ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 20 Jahren besteht laut Gericht noch lange keine Gefahr von einer sogenannten Überhaft.

Sonko lebte in der Schweiz bis zu Festnahme unbehelligt

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Im September 2016 entliess der gambische Machthaber Yahya Jammeh seinen langjährigen Innenminister. Dieser flüchtete kurze Zeit später und stellte schliesslich in der Schweiz ein Asylgesuch. Bis zu seiner Festnahme Anfang 2017 lebte er unbehelligt im Durchgangszentrum in Kappelen-Lyss (BE).

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