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Im Wettlauf: Virenmutationen gegen Impfung
Aus Echo der Zeit vom 29.03.2021.
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Wettlauf mit dem Virus So können die Corona-Varianten ausgebremst werden

Angefangen hat es mit der britischen Variante des Coronavirus, dann kamen die südafrikanische, die brasilianische, die indische Variante. Die Sorge wächst, dass sich das Virus so verändern könnte, dass die Impfung nicht mehr wirkt. SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel erklärt, wie gefährlich die derzeit bekannten Mutanten sind – und wie man sie in den Griff bekommen könnte.

Katrin Zöfel

Katrin Zöfel

Wissenschaftsjournalistin

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Katrin Zöfel ist Wissenschaftsredaktorin bei SRF. Sie ist Biologin und versucht zu verstehen, wie die Wissenschaft helfen kann, Antworten auf gesellschaftlich wichtige Fragen zu finden.

SRF News: Lässt sich sagen, wie gefährlich die Corona-Mutanten sind?

Katrin Zöfel: Am genauesten weiss man das bisher von der britischen Variante, B117. Da ist klar: Sie ist etwa 50 Prozent ansteckender und etwas tödlicher. Die gute Nachricht ist: Die jetzigen Impfstoffe wirken gut gegen die britische Variante. Die Wissenslücken bei den anderen Varianten sind ungleich grösser, es fehlen Daten und Erfahrung.

Also lässt sich immer erst im Nachhinein sagen, wie gefährlich diese Mutanten wirklich sind?

Das ist ein Stück weit so. Man kann sich zwar schon anschauen, ob eine neue, noch unbekannte Variante bestimmte Mutationen hat, die man von anderen Varianten schon kennt, und daraus Schlüsse ziehen. Aber wirklich wissen kann man es erst, wenn man Zeit hatte, das Virus zu untersuchen und es «in freier Wildbahn» zu beobachten.

Im Grunde mutiert das Coronavirus in Summe vor allem deswegen so oft, weil der Mensch so viele Infektionen zulässt.

Grundsätzlich ist das Ungemütliche momentan nicht unbedingt die einzelne neue Variante. Es ist die Gesamtsituation: Es entstehen immer wieder neue Varianten – überall auf dem Planeten.

Warum mutieren Coronaviren so häufig?

Alles, was ein Erbgut hat, mutiert. Und eigentlich mutiert das Coronavirus gar nicht so häufig, andere Viren sind wandlungsfähiger. Das Coronavirus ist aber inzwischen in unendlich vielen Kopien auf diesem Planeten verteilt. Und jedes Mal, wenn es einen Menschen infiziert, werden neue Kopien gemacht. Bei diesem Kopiervorgang passieren Fehler. Wenn diese an einer relevanten Stelle im Virenerbgut passieren, führen sie zu neuen Varianten.

Das Wettrennen zu Gunsten des Menschen zu beeinflussen, ginge über zwei Hebel: Schneller impfen und Fallzahlen drücken.

Im Grunde mutiert das Coronavirus in Summe vor allem deswegen so oft, weil der Mensch so viele Infektionen zulässt. Der Mensch verschafft dem Virus einen Vorteil und lässt ihm den Freiraum, immer neue Varianten zu entwickeln, ansteckendere oder solche, die Impfstoffe weniger wirksam werden lassen.

Das würde heissen, dass sich die Viren auch den Impfungen anpassen könnten. Erleben wir also momentan eine Art Wettlauf: Gelingt es zuerst der Menschheit, die Bevölkerung zu impfen oder gelingt es zuerst den Viren, sich in eine Mutation zu verwandeln, die resistent gegen die Impfung ist?

In gewisser Weise ja. Das Wettrennen zugunsten der Menschheit zu beeinflussen, ginge über zwei Hebel: Schneller impfen und Fallzahlen drücken.

Aber: Impfstoffe könnten auch angepasst werden?

Ja, es sind gegen die Varianten, die es bisher gibt, mehrere angepasste Impfstoffe in Arbeit. Sie werden auch schon in klinischen Studien getestet. Bisher spricht wenig dafür, dass das nicht immer wieder möglich sein sollte, die Impfstoffe an neue Varianten anzupassen. Es kostet aber und macht Arbeit.

Grossbritannien prüft momentan, der Bevölkerung als Schutz vor Mutationen eine dritte Impfung zu verabreichen. Wäre das eine Lösung?

Es werden zwei Dinge diskutiert: als dritte Impfung einen Booster zu geben, der schon an neue Varianten angepasst ist, oder ein drittes Mal den gleichen Impfstoff zu geben. Auch das könnte funktionieren, und zwar weil die bisherigen Wirkstoffe nicht gar nicht wirken, sondern nur ein Stück weit schwächer. Es könnte also genügen, den Impfschutz durch Dosis Nummer drei einfach zu verstärken.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Echo der Zeit, 29.03.2021, 18 Uhr;

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Remo Tschanz  (remotschanz)
    Die Einleitung ist falsch: Es hat alles mit der chinesischen Variante des Corona-Virus angefangen. Ohne das Ursprungsvirus, das erstmals in China auffällig wurde, gäbe es weder ein B.1.1.7 noch ein P.1 des SARS-Cov2-Virus.
  • Kommentar von Beat R. von Wartburg  (Beat R. von Wartburg)
    "Fallzahlen drücken" kann man durch Impfen, Abstand halten, Hygiene, Atemschutzmasken, eine rigorose Einschränkung der Mobilität und vorallem durch die strikte Umsetzung und Kontrolle dieser Massnahmen. An letzterem hat es bis anhin total gefehlt.
    1. Antwort von Fritz Feuz  (F. Feuz)
      Aber eben ebenfalls durch „zu Hause bleiben.“
    2. Antwort von Reto Derungs  (rede)
      Echt? Die Behörden erklären ja genau das Ausbleiben der saisonalen Grippen damit, dass sich die Bevölkerung absolut vorbildlich an die vorgegebenen Massnahmen hält. Da ist es doch seltsam, wenn Sie, lieber Herr von Wartburg, behaupten, die Bevölkerung halte sich nicht an die Massnahmen......
  • Kommentar von Peter Meier  (Ein Rechter, der nicht blind ist auf dem Linken)
    Impfen heisst das Traumwort. Ja wie denn, wenn zuwenig Impfstoff vorhanden ist. Meine Mutter 78 hat sich im Januar angemeldet und gestern am 29.03.21 bekam sie endlich ihren Termin: 22.05. Nicht einmal die ü75 sind bis Ende Mai geimpft. Und man verkündet grossspurig bis Ende Juni seien alle Impfwilligen geimpft. Sarkassmus pur von Bern.
    1. Antwort von Reto Barbon  (Jonny B.)
      Das ist wirklich unglaublich Herr Meier! Aber wertvoll, hier zu lesen. Hoffentlich geht da noch etwas.