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Wirtschaftliche Kriegsfolgen Der Iran ist wirtschaftlich ein «Zombie»

Die Eskalation treibt die iranische Wirtschaft weiter in den Abgrund. Die Währung war bereits zuvor so gut wie wertlos, Hyperinflation quält die Bevölkerung und das Kriegsgeschehen bringt den Ölmarkt in Turbulenzen. SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Pfander beantwortet die wichtigsten Fragen.

Matthias Pfander

Co-Leiter Wirtschaftsredaktion

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Matthias Pfander ist seit über 20 Jahren im Wirtschaftsjournalismus tätig, seit Mitte 2017 als Reporter und Planer für die Wirtschaftsredaktion von SRF TV. Zuvor arbeitete er unter anderem für den «Tages-Anzeiger» und die «Blick»-Gruppe.

Der Iran war schon vor der Eskalation wirtschaftlich schwer angeschlagen. Wie schlimm ist die Lage wirklich?

In einem Wort: Katastrophal. Die Währung, der Rial, ist bereits seit einiger Zeit faktisch wertlos, 1 Dollar kostet 42 Millionen Rial. Offiziell lag die Inflation zuletzt bei über 40 Prozent, bei Lebensmitteln haben sich die Preise binnen Jahresfrist aber sogar verdoppelt. Die Kaufkraft der Bevölkerung ist vernichtet, der Alltag ist damit für viele zu einem Überlebenskampf um Grundnahrungsmittel geworden.

Welche Rolle spielen die internationalen Sanktionen in dieser Krise?

Eine absolut entscheidende. Der Iran ist schon seit 2018 vom globalen Finanzsystem abgeschnitten, der Zugang der iranischen Banken zum internationalen Zahlungssystem SWIFT ist blockiert. Das Erdöl – als Einnahme und Devisenquelle für den Iran enorm wichtig – wird mit einer Schattenflotte ausser Landes gebracht. Die NGO United Against Nuclear Iran («UANI») schätzt etwa die Flotte auf mehrere Hundert Tanker. Als einer der Hauptabnehmer des Öls gilt China.

Kann China als wichtigster Handelspartner den Iran noch retten?

Kaum. Peking nutzt den Iran buchstäblich als billige Tankstelle und kauft das Öl mit Rabatt gegenüber den Weltmarktpreisen. Vor fünf Jahren haben die beiden Länder zwar ein 25-Jahres-Abkommen unterschrieben, das auch Investitionen aus China im Iran vorsah. Eine grosse Wirkung daraus war bis jetzt aber nicht festzustellen. Und jetzt wird die wirtschaftliche Lage im Iran quasi vom GAU zum Super-GAU.

Gibt es für die Bevölkerung Alternativen zum zusammengebrochenen Finanzsystem?

Ja, aber nur für jenen Teil der Bevölkerung, der sich einen Zugang zu Devisen erschliessen konnte und immer noch hat. Wie in vielen Krisenregionen wird zur Werterhaltung Gold oder US-Dollar gekauft. Auch neue Vehikel für die Wertaufbewahrung wie der Bitcoin sollen eine gewisse Rolle spielen. Auch um Kapital ausser Landes zu schaffen. Was wiederum die iranische Volkswirtschaft weiter aushöhlt.

Der Schweizer Franken gilt in Krisen als sicherer Hafen. Sieht man diesen Effekt schon?

Der Franken ist bereits historisch stark gegenüber dem Dollar und hat am Freitag, als sich die Hinweise auf einen Angriff verdichteten, noch etwas zugelegt. Es ist nicht auszuschliessen, dass der Franken weiter aufwertet, je nachdem, wie es im Nahen Osten weitergeht.

Welche Konsequenzen hat die Eskalation auf den Ölmarkt?

Über die Strasse von Hormus, die quasi vor der Haustüre des Iran vorbeiführt, wird rund ein Viertel des global gehandelten Rohöls transportiert. Der Iran versucht, diese Meeresenge zu boykottieren, ein erster Tanker kam bereits unter Beschuss. Jede ernsthafte Störung dort treibt den Ölpreis in die Höhe. Und bereits haben Ölkonzerne und Handelsfirmen Lieferungen gestoppt. Versicherer haben zudem ihren Kunden die Policen gekündigt, mit denen diese die Transporte absicherten. Aufgrund der Lage wird bereits über einen Ölpreis von 100 US-Dollar und mehr pro Barrell spekuliert. Aktuell liegt er bei rund 72 Dollar. Ein höherer Ölpreis heizt die Inflation an. Auf jeden Fall ist ein sehr unruhiger Start der Finanzmärkte in die neue Woche zu erwarten.

SRF News Spezial, 01.03.2026, 13:00 Uhr ; 

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