Die «NZZ» kommentiert: «Im Gegensatz zum Irak-Krieg will Trump keine Bodentruppen nach Iran schicken. Das minimiert das Risiko von amerikanischen Verlusten, begrenzt aber auch Washingtons Einfluss auf die Neuordnung im Land. Sollte sich der Konflikt zeitlich und geografisch ausdehnen, wird Trumps Selbstbild eines Friedensstifters, dem vor allem der Aufbau der eigenen Nation am Herzen liegt, tiefe Risse kriegen. Bereits jetzt zeigt sich in den Umfragen, dass sich die Amerikaner vor allem um die eigene Wirtschaft Sorgen machen. (...). Sollte der Krieg gegen in einem Schlamassel enden, müssten die Republikaner bei den Zwischenwahlen in November wohl nicht nur um ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat fürchten.»
«Dernières Nouvelles d'Alsace»: Geschichte sollte lehren
Die französische Zeitung «Dernières Nouvelles d'Alsace» (DNA) meint zu den Angriffen der USA und Israels auf den Iran: «Einen Konflikt dieser Art zu beginnen, ist das eine – zu wissen, welchem Ziel er dient, etwas ganz anderes. Die Beispiele Irak, Afghanistan oder Libyen und das unbeschreibliche Chaos, in das diese Länder gestürzt wurden (...), liegen eigentlich noch nicht so lange zurück, als dass man sie schon hätte vergessen können. (...) In der sehr langen Geschichte der modernen Kriege hat das Bombardieren eines Landes – selbst im Übermass – noch nie genügt, um eine Regierung zu stürzen.»
«La Vanguardia»: Bomben allein stürzen Regime nicht
Die spanische Zeitung «La Vanguardia» kommentiert: «Ob das Verschwinden des iranischen Führers Ali Chamenei ausreichen wird, um den Sturz des Regimes zu erreichen, bleibt abzuwarten. Die USA und Israel werden mehr tun müssen als nur Luftangriffe. Sollte es hingegen nur darum gehen, die Islamische Republik weiter zu schwächen, sie an der Entwicklung ihres Atomprogramms zu hindern, ihre Ölfelder zu zerstören und damit China zu schaden – das der grosse Importeur des Erdöls dieses Landes ist, so wie zuvor schon im Fall Venezuelas –, besteht kein Zweifel, dass dieses Ziel mehr als erreicht werden wird.»
«Süddeutsche Zeitung»: Angriff ist mehr als militärischer Zwischenerfolg
Die «Süddeutsche Zeitung» erörtert: «Der amerikanisch-israelische Angriff auf Iran hat nach wenigen Stunden ein Ergebnis gebracht, das über rauchende Trümmer und Ruinen hinausweist und – trotz aller Zweifel am Krieg als Mittel der Politik – mehr ist als ein militärischer Zwischenerfolg. Der Tod von Ayatollah Ali Chamenei ist ein Einschnitt, der für das Ende der Islamischen Republik und den Aufbruch Irans in eine bessere Zukunft stehen kann. Kann, wohlgemerkt – denn bis dahin ist der Weg noch weit und mit Sicherheit auch blutig. Und die Wende hin zum Besseren für die Iraner ist dabei nicht garantiert.»
«La Repubblica»: Nichts schützt vor Folgen des Chaos
Die italienische Zeitung «La Repubblica» meint zum Angriff der USA und Israels auf den Iran: «Der gemeinsame Angriff Israels und der USA (...) ist (...) der erste Akt des Krieges im Zeitalter des Chaos, in dieser neuen Weltunordnung, die souveränistisch und neo-autoritär vom amerikanischen Präsidenten geschaffen wurde. Wir befinden uns in der Tat ausserhalb jedes Systems von Regeln, Konventionen, Traditionen, Garantien und Schutzmassnahmen. Wir sind zum ersten Mal vollständig der Geschichte ausgesetzt, die sich ohne jegliche Bindungen vollzieht und frei ist, dem von der Macht vorgezeichneten Weg zu folgen.»