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Die Samen sorgen sich um ihren Lebensraum
Aus SRF 4 News aktuell vom 25.05.2021.
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Wirtschaftsboom in Schweden Die Samen kämpfen um ihr Land

Wirtschaftsboom und Bevölkerungszuwachs lösen bei der indigenen Bevölkerung Nordeuropas alles andere als Euphorie aus. Der traditionelle Lebensraum des Rentier-züchtenden Nomadenvolkes gerät unter grossen Druck.

Per-Erik Stenberg ist Rentierzüchter. Wie schon sein Vater, sein Grossvater und Urgrossvater. Darauf ist der 57-jährige Same, einer von gut 100'000 Angehörigen dieses europäischen Urvolkes, sehr stolz.

Er ist aber auch sehr besorgt: «Der Lebensraum unseres wichtigsten Wirtschaftszweiges, der Rentierzucht, wird immer mehr eingeengt», sagt Stenberg, der bis vor kurzem der Laevu-Gemeinde der Samen vorstand. Diese Gemeinde umfasst auch das Gebiet der nördlichsten Stadt Schwedens, Kiruna.

Rentierzüchter Per-Erik Stenberg lehnt an Auto im Schnee
Legende: Rentierzüchter Per-Erik Stenberg sorgt sich um den Lebensraum der Samen in Nordschweden. SRF

Das hier 1993 geschaffene Parlament des von Schweden verwalteten Teiles des samischen Stammgebietes hat sich, so Per-Erik Stenberg kritisch, als viel zu machtlos erwiesen: «Dem Expansionsdrang der Kolonialmacht haben wir nichts entgegenzusetzen», sagt der Rentierzüchter. Seine einzige Hoffnung bleibt das Höchste Gericht Schwedens: Dieses hat sich im vergangenen Jahr in einem historischen Urteil erstmals auf die Seite der Urbevölkerung gestellt.

Sprache als wichtiges Instrument

In Jokkmokk, gut 200 Kilometer südlich von Kiruna, hat Henrik Blind die Hoffnung auf eine selbstbestimmtere und selbstverwaltete Zukunft der Samen noch nicht aufgegeben: «Wir müssen unserer Stimme Nachdruck verleihen», sagt der 42-jährige Samisch-Sprachlehrer, dessen Vorfahren seit Jahrhunderten im Gebiet von Jokkmokk Rentiere gezüchtet und gejagt haben.

Aber wie viele andere jüngere Samen engagiert sich Blind heute im Bildungssektor des nordeuropäischen Urvolkes. «Wir sind ein kleines Volk in einem grossen Land, nur wenn wir unsere Kultur und Sprache weiterentwickeln, haben wir eine Zukunft», betont Blind.

Sprachlehrer Henrik Blind
Legende: Seit Jahrhunderten ist die Familie des Lehrers Henrik Blind mit der Region um Jokkmokk verbunden. SRF

Zu dieser Zukunft gehöre auch der Plan, dass die Samen, die sich selbst Sami nennen, ihre verschiedenen Vertretungen in Schweden, Finnland und Norwegen künftig am gleichen Tag wählen können. Bislang finden diese Wahlen in verschiedenen Jahren statt.

Norwegens und Schwedens Samen-Politik

Das Volk der Samen zählt heute noch knapp 100'000 Menschen, verteilt über vier Staaten am Nordrand Europas: Schweden, Norwegen, Finnland und Russland. Sapmi, das Stammland, ist fast 400'000 Quadratkilometer gross.

Das Land der Samen: Das Siedlungsgebiet erstreckt sich über die Länder Norwegen, Schweden, Finnland und Russland.
Legende: SRF

Während die Autonomierechte der Samen sowohl durch internationale wie auch europäische Bestimmungen garantiert sind, wenden die verschiedenen nordischen Länder diese ganz unterschiedlich an.

Das wurde unlängst beim Gipfeltreffen der Arktis-Anrainer in Reykjavik deutlich: Hier teilte die norwegische Aussenministerin ihren Tisch und ihre Redezeit hälftig mit der norwegischen Präsidentin des Parlamentes der Samen. Die schwedische Aussenministerin hingegen sass allein am Tisch und erwähnte die Samen in ihren Ausführungen mit keiner Silbe.

Echo der Zeit, 10.06.2021, 18.00 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Wieso reden die Medien, so wie im diesem Bericht, nicht von besetzten Gebieten? Macht man ja sonst auch so.
    1. Antwort von Olivier Dombas  (mod)
      Ist das eine Anspielung auf den Palästina-Konflikt? Falls ja ist das ein ganz schlechter Vergleich...
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Wie so an vielen Orten der Welt: Die Grosswirtschaft mit den grossen Kapital und dessen expansionistischen Tendenzen fressen die „Kleinen“ auf - in dem Sinn ist der Neoliberalismus ein Fluch und überhaupt kein Segen!
    1. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Weitgereister)
      Ein ziemlicher Blödsinn was Sie da schreiben. Lesen Sie den Artikel „Nordschweden als Testfall für die Ökowirtschaft“, dann erkennen Sie vielleicht das Problem der Samen.
      „Grüne“ Wirtschaft hat viel mehr Probleme als Ihre Kreise wahr haben wollen.
      Und auch „grüne“ Wirtschaft braucht Kapital, sehr viel Kapital.
    2. Antwort von Frank Grämiger  (Comments)
      Herr Per-Erik Stenberg fährt einen sehr grossen VW. Woher glaubt er, kommt der? Man kann nicht alles haben.
      Abgesehen davon, die Samen haben die Rentiere sicher auch nicht gefragt, ob sie gezüchtet werden wollen.
    3. Antwort von Frank Grämiger  (Comments)
      Pflichte Ihnen aber bei, das der Wachstum im Verhältnis zum Nutzen für alle zu viel Schaden anrichtet.
    4. Antwort von Frank Grämiger  (Comments)
      @Hans-Ulrich Rechsteiner
      Das Problem ist hier nicht "grün" sondern das man sich damit schmückt. Man könnte auch tarnt sagen.